The Cathwalk

Das Onlinemagazin für katholische Lebensart

Schlagwort: Papst Pius XII. (Seite 1 von 2)

Doku: Hitler und der Papst

Pius XII. bezog nicht offen Stellung gegen den Rassenwahn und Völkermord der Nazis. Neuere Untersuchungen sollen belegen, dass der umstrittene Papst den Widerstand heimlich mit Informationen versorgte, um Hitler zu stürzen.

Dieser Artikel wurde bereits 26 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Über den Augenblick, der nie verweilt und dennoch schön ist

Eine Buchbesprechung von Hannes Kirmse

Der 1988 geborene Malte Opermann legt uns mit seinem im Berliner Wolff-Verlag erschienen Aphorismenband „Die schöne Philosophie“ nicht nur eine Referenz an die katholische Geistesgröße Nicolás Gómez Dávila vor, sondern eröffnet den Blick auf eine ganze Menagerie von Sinn und Sinnlichkeit.

umschlag_vorderseite

Mit dem Schreiben von Aphorismen geht man heute ein Risiko in gleich mehrfacher Hinsicht ein. Man riskiert mißverstanden zu werden, was etwa die Causa Friedrich Nietzsche auf sehr tragische Art und Weise gezeigt hat. Man riskiert aber auch, mit dem, in das man sein Herzblut gegeben hat, in der Öffentlichkeit zu scheitern, wobei dann jede Kritik zu einer erheblichen Verletzung werden kann. Doch ist das Aphorismenschreiben notwendig, um die gute Tradition des nie abebbenden Gespräches der Geister über die Zeiten hinweg nicht aussterben zu lassen und den geneigten Leser sich auf sich selbst und sein Menschsein besinnen zu lassen. Die Gesprächspartner der schönen Philosophie Oppermanns waren u.a. Platon, Goethe, aber auch der Waldgänger Ernst Jünger und selbstverständlich Don Nicolás Gómez Dávila, den Klonovsky etwa als den „Nietzsche der Anden“ bezeichnete. So wird hier auf ganz eigentümliche Weise die nahezu inhalierte Katholizität Dávilas mit dem ständigen im Fragen begriffenen Platon und dem Waldgängerischen Ernst Jüngers miteinander verwoben.

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

König, Kaiser, Kardinal – eine Wiener Legende

Thomas J. Nagy verfasst zum 110. Geburtstag eine Biographie über Franz König (1905-2004), dem bedeutendsten Kirchenmann der II. Republik

koenig-kaiser-kardinal-eine-wiener-legende-styria-1090x613

von Johannes Meiners

Ein großes Leben verdient eine große Würdigung. Dies gelingt Thomas J. Nagy.

Der frühere Wiener Domministrant Nagy trägt eine überzeugende Fülle verschiedener Stimmen zusammen. Auch dazu, dass Franz König „ein begeisterter, leidenschaftlicher Seelsorger [wurde], dem die Jugend besonders am Herzen lag“ (49). Ebenso zeichnet „König, Kaiser, Kardinal“ aus, dass der Biograph am Beginn vieler Abschnitte die Zeitläufte komprimiert und dennoch Wesentliches benennend zu beschreiben weiß. Davon ausgehend bricht er die Geschehnisse hinsichtlich des Wirkens der Hauptfigur herunter.

Franz König, geboren in Warth bei Rabenstein in Niederösterreich, verlor seinen Vater bereits als Sechsjähriger. Der Stiefvater, Johann Kaiser, späterer ÖVP-Landtagsabgeordneter, interessierte sich kaum für ihn. Ständig trieb er ihn zur Arbeit an und behandelte die sechs Kinder aus der ersten Ehe seiner Frau, Franz‘ Mutter, deren Ältester er ist, schlechter als die vier eigenen mit ihr. Dabei sind Franz‘ Schulleistungen exzellent und seine Arbeitsleistungen enorm. Darunter litt König bis ins höchste Alter. Oft wirkte er in sich gekehrt und hatte erhebliche Schwierigkeiten, Gefühle preiszugeben oder Andere zu loben. Der niederösterreichische Stift Melk in Trägerschaft des Benediktinerordens prägte ihn als Teenager in seinem Welt- und Menschenbild, auch für den geistlichen Weg. Schon bald folgten Studienjahre in Rom in der Zwischenkriegszeit. Nagy beschreibt, wie die Studenten angehalten wurden, diszipliniert zu leben und die Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen: „Das Zerbrechliche und Vergängliche der Welt und ihrer Menschen prägte ihn zeit seines Lebens“. Der Biograph will überdies den in bedrückender, gefahrenvoller Zeit handelnden Akteuren gerecht werden, ohne „Persilscheine“ auszustellen: „Die katholische Kirche erlebte ein mehrfaches Dilemma, denn durch die [im Jahr 1929 mit dem italienischen Machthaber Mussolini geschlossenen] Lateranverträge hatte der Vatikan seine Souveränität zwar wiedererlangt, doch Gräueltaten des nationalsozialistischen Regimes (…) können dem Heiligen Stuhl nicht verborgen geblieben sein.“ Unmissverständlich erklärt Nagy: „Die Vertreter der katholischen Kirche hatten jahrelang mit den Austrofaschisten sympathisiert und kollaboriert, hofften sie doch, durch die (…) Neuordnung verlorengegangenes Ansehen und Machtzurückzuerhalten.“ Über Jahre hinweg wurde der  talentierte, leidenschaftliche Lehrer und respektierte Kaplan von der Gestapo observiert. Insbesondere die Jugendlichen und die Frauen, deren Männer an der Front standen, wollte er unterstützen. Erst vehementes Insistieren des Papst Pius‘ XII. Ende 1955 ließ ihn einwilligen, aus St. Pölten nach Wien zu wechseln. Österreichs bei weitem wichtigste Diözese, mit dem Stephansdom (Steffl) als Herz, leitete König von 1956 bis 1985. Erst mit 80 legte er das Amt zurück – ohne auf die Erlaubnis aus Rom zu warten.

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Ist Maria gestorben? Nachdenken über eine unbeantwortete Frage

Von Anian Christoph Wimmer

ROM, (CNA Deutsch).- Ist Maria gestorben? Ein neues Buch verneint diese Frage sehr deutlich: „Stärker als der Tod – Warum Maria nicht gestorben ist“, von Monsignore Florian Kolfhaus, assoziiertes Mitglied der Pontificia Accademia Mariana Internazionale. Im Interview mit CNA verrät er, warum er sich mit der Frage beschäftigt hat.

Monsignore Kolfhaus: Sie behaupten in ihrem neuen Buch, dass Maria nicht gestorben ist. Das Lehramt der Kirche ist nicht so deutlich, oder?

Es ist ganz normal, dass ein Mensch stirbt. So denken wir, weil wir tagtäglich mit dem Tod konfrontiert werden und wissen, dass auch wir eines Tages im Grab liegen und zu Staub werden. So liegt es nahe, dass viele denken, auch Maria sei gestorben. Die Kirche aber hat das nie eindeutig gesagt; im Gegenteil: als Papst Pius XII. 1950 das Dogma von der Aufnahme der Mutter Jesu in den Himmel verkündet hat, wollte er – obwohl einige Bischöfe ihn ausdrücklich darum gebeten hatten – nicht vom Tod Mariens sprechen. Er hat sogar die liturgischen Texte so geändert, dass jede Interpretation im Hinblick auf das Sterben der Mutter Gottes unmöglich wurde. Gott wollte den Tod nicht. Er ist in seinem Plan für den Menschen nicht vorgesehen, sondern kam durch die Sünde Adams in die Welt. Die meisten, die meinen, dass Maria gestorben sei, wagen es daher auch oft nicht, das Wort Tod in den Mund zu nehmen – ausdrücklich bekennt das z. B. der hl. Johannes von Damaskus – sondern sprechen von Dormitio, Entschlafung. Es gab für die Mutter Jesu kein schmerzliches Lebensende, womöglich wegen Krankheit oder Altersschwäche, sondern einen frohen Abschied, um mit Leib und Seele „heimzugehen“. Es steht sicher fest, dass Maria, im ersten Moment ihres Lebens ohne Sünde empfangen, im letzten Augenblick auf Erden nicht die Trennung ihrer Seele erleiden musste. Das Lehramt läßt es aber bislang jedem frei, darüber nachzudenken, ob sie vielleicht sterben wollte, um so ihrem Sohn ganz ähnlich zu werden. Ich bin der Überzeugung, dass diese Verähnlichung mit Christus im Leiden auf Golgotha geschehen ist, im schmerzvollen „Mitsterben“ mit Jesus, von dem beispielsweise der h. Bernhard spricht. Von dieser Stunde sagt ja auch die Liturgie des 15. Septembers: „Ohne den Tod zu erleiden, hast Du die Palme des Martyriums errungen.“ Warum also sollte Maria gestorben sein und nicht, wie es Gott für alle Menschen wollte, ohne Tod verklärt und in den Himmel aufgenommen worden sein?

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Pius XII. begünstigte jüdischen Heimatstaat in Palästina

Dokumente bezeugen, dass Pius in keiner Weise Hitlers Papst war

PiusXII_5NEW YORK (ZENIT.org) Den Äußerungen einer Organisation zufolge, die sich mit der Untersuchung des geschichtlichen Verhältnisses zwischen Pius XII. und den Juden befasst, weist eine Reihe von Dokumenten, die vor kurzem entdeckt worden sind, darauf hin, dass Erzbischof Eugenio Pacelli (vor seiner Wahl zum Papst) nach einem gewissen Muster direkt tätig wurde, was in der Gründung des modernen Staates Israel gipfelten.

Die in New York ansässige „Pave the Way Foundation“ („Ebnet-den-Weg-Stiftung“) erklärte, dass Erzbischof Eugenio Pacelli 1917 den Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation, Nahum Sokolow, traf und für ihn einen Gesprächstermin mit Papst Benedikt XV. arrangierte, um über das Projekt eines jüdischen Heimatstaats zu sprechen. Am 12. Mai 1917 schrieb Nahum Sokolow in leidenschaftlichen Worten einen Bericht über seine Audienz:

„Ich wurde zunächst von Msgr. Eugenio Pacelli, dem Sekretär für Außerordentliche Angelegenheiten, empfangen, und wenige Tage später hatte ich ein langes Gespräch mit dem Staatssekretär, Kardinal Gasparri. Beide Treffen verliefen in einer außerordentlich freundlichen und positiven Atmosphäre. Ich neige nicht zur Gutgläubigkeit oder zu Übertreibungen, und dennoch muss ich betonen, dass dies ein außerordentliches Maß an freundschaftlicher Einstellung offenbarte: Einem Juden und Stellvertreter des Zionismus so schnell eine Privataudienz zu gewähren, die so lange dauerte, von so viel Wärme erfüllt war und bei der keinerlei Sympathiebekundung fehlte, sowohl gegenüber den Juden im Allgemeinen, als auch für die Sache des Zionismus im Besonderen, beweist, dass wir von Seiten des Vatikans keine unüberwindlichen Hindernisse zu erwarten haben. Der Papst stellte mir die Frage, ‚Eugenio Pacelli berichtete mir von Ihrer Mission; möchten Sie mit mir noch mehr ins Details gehen?‘ “ (Akte A 18/25 im Hauptarchiv von Yad Vashem)

In einer Erklärung der Stiftung „Pave the Way“ heißt es weiterhin: Am 15. November 1917 reagierte Nuntius Eugenio Pacelli auf eine dringende Bitte der Jüdischen Gemeinschaft in der Schweiz, sich für diese zu verwenden, denn sie befürchtete, dass es von Seiten der Ottomanen zu einem Massaker an Juden aus Palästina kommen würde. Eugenio Pacelli wandte sich an die deutsche Regierung, die mit den türkischen Ottomanen militärisch verbündet war, und bat um Schutz für die Juden aus Palästina. Eugenio Pacelli hatte Erfolg und erhielt das Versprechen, dass die deutsche Regierung die Juden in Schutz nehmen würde, „wenn nötig, mit Waffengewalt“.

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Pius XII. und die Shoah (2/2)

Sein „Schweigen“ zur Judenfrage im 2. Weltkrieg

von Matthias Jean-Marie Schäppi

Finanzielle Hilfsaktionen und Unterstützung jüdischer Emigranten in aller Welt

Durch unmittelbar von Pius XII. ausgehende Aktion konnten 85 % der 9600 in Rom lebenden Juden von der Kirche versteckt und so vor der Deportation bewahrt werden.1 Aber auch auf andere Weise half der Papst den römischen Juden nach Kräften.“2 …

436px-Papst_Pius_XII.,_Krönung_1939JS

Papst Pius XII. während der Krönungsfeier 1939 auf der Sedia gestatoria

Nicht nur durch diese persönlichen Akte tätiger Nächstenliebe, sondern auch durch wichtige finanzielle Hilfsaktionen hat Papst Pius XII. die Juden tatkräftig unterstützt.“3 Als Oberhaupt der katholischen Kirche gab er große Summen aus dem vatikanischen Vermögen für Hilfsaktionen aus, sein Privatsekretär Robert Leiber bezeugt sogar, wie weit der Papst dabei ging: „Er gab sein gesamtes Privatvermögen zu ihren Gunsten aus […] Pius gab aus, was er als ein Pacelli selbst von seiner Familie erbte.“4 So konnte Pius XII. bereits in einem Schreiben an den Berliner Bischof Konrad Graf von Preysing vom 30. April 1943 eine erste Zwischenbilanz über seine finanziellen Hilfsaktionen ziehen: „Von den sehr hohen Summen, die Wir in amerikanischer Währung für Übersee-Reisen von Emigranten ausgeworfen haben, wollen Wir nicht sprechen; Wir haben sie gerne gegeben, denn die Menschen waren in Not; Wir haben um Gotteslohn geholfen, und haben gut daran getan, irdischen Dank nicht in Rechnung zu stellen.“5

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Pius XII. und die Shoah (1/2)

Sein „Schweigen“ zur Judenfrage im 2. Weltkrieg

von Matthias Jean-Marie Schäppi

His Holiness Pope Pius XII

Pius XII. (bürgerlicher Name Eugenio Maria Giuseppe Giovanni Pacelli; * 2. März 1876 in Rom; † 9. Oktober 1958 in Castel Gandolfo) war vom 2. März 1939 bis Oktober 1958 Papst.

Als Papst Pius XII. am 9. Oktober 1958 starb, stand er „weltweit in hohem Ansehen“, wie der christliche Schriftsteller Bret Easton Ellist schreibt. Sein Hinscheiden war deshalb auch noch mehr als das seines Vorgängers von der Würdigung und Anteilnahme der Weltöffentlichkeit begleitet, auch von jüdischer Seite. Die damalige israelische Außenministerin Golda Meir beispielsweise dankte dem verstorbenen Papst, dass er für die Verfolgten „die Stimme erhoben“ habe; Roms Oberrabbiner Elio Toaff würdigte seine „große mitfühlende Güte und Hochherzigkeit“.

Ganz andere Worte wählte der Dramatiker Rolf Hochhuth fünf Jahre nach dem Tod des Papstes in dem Drama „Der Stellvertreter“, mit dem er das Weltbild der Katholiken nachhaltig beschädigte. „Wenn er mehr mit den Menschen gesprochen hätte“, so Hochhuth, „hätten sich viele Juden retten können.“ Er nennt den Papst „einen satanischen Feigling“ und wirft ihm vor, in der Hitler-Zeit niemals öffentlich zum Holocaust-Verbrechen der Nationalsozialisten die Stimme erhoben zu haben. Sein Theaterstück wurde 1963 in Berlin uraufgeführt. Was die Öffentlichkeit damals nicht ahnen konnte, war, dass die Hauptquellen des Autors der Nazi-freundliche Bischof Alois Hudal (1885-1963) und der Leiter der deutschen Sektion im Staatssekretariat, Msgr. Bruno Wuestenberg, waren, die sich beide auf diese Weise an Pius XII. rächen wollten: Hudal, weil er vom Papst zum Rücktritt als Rektor der „Anima“ abgesetzt worden war, nachdem seine Tätigkeit u.a. als Fluchthelfer für Nazigrößen nach dem Krieg publik wurde (Ein Vorgang, der heute absurder Weise meist Pius XII. von seinen Gegnern zur Last gelegt wird!), Wuestenberg, da ihn der Papst – angeblich wegen Homosexualität – nicht befördert hatte.1

Der Hauptvorwurf gegen Pius XII. […], er habe zur Massenvernichtung der Juden durch die Nationalsozialisten geschwiegen und ihr tatenlos zugesehen – sei es aus Feigheit wegen drohender Konsequenzen, aus Gleichgültigkeit aufgrund wirtschaftlicher Interessen, aus Staatsräson oder gar aus antisemitischen Motiven –,“2 hat sich derweil seit Hochhuth hartnäckig in den Köpfen der Menschen festgesetzt und vielfach auch Eingang in die Geschichtsbücher gefunden. Er basiert auf der aus heutiger Sicht nur naiv zu nennenden Annahme, der Papst hätte durch einen eindeutigen öffentlichen Protest das unsägliche Leid verhindern oder zumindest begrenzen können; „somit sei er gemäß dem Sprichwort ‚Wer schweigt, stimmt zu‘ an den Verbrechen mitschuldig geworden.“3 Der vorliegende Artikel geht diesem Vorwurf des „Schweigens“ nach und versucht, im Spiegel von Selbstzeugnissen und Äußerungen sowohl Pius’ XII. als auch seiner Mitarbeiter und Vertrauten Licht hinter diesen Vorwurf zu bringen.

Beginn des Pontifikats und Kriegsausbruch

Die Wahl Eugenio Pacellis zum Pontifex Maximus am 2. März 1939, seinem 63. Geburtstag, wurde damals begeistert aufgenommen – übrigens auch von jüdischen Medien –, vom NS-Regime indes kritisiert, weil der Neugewählte als Gegner des Nationalsozialismus bekannt war. Im Völkischen Beobachter hieß es am 3. März 1939 dazu: „Wir in Deutschland haben von diesem Papst nichts zu erwarten! […] Die Kirche unter Pius XII. wird mehr als sonst Politik machen, aber nicht so roh und polternd wie unter Pius XI., feiner, diskreter und steiler.“4 Gleich zu Beginn seines Pontifikats wurde Pius XII. mit der Kriegsgefahr konfrontiert. Am 31. August erwog er, direkt nach Berlin und Warschau zu reisen, musste diesen Plan aber wieder aufgeben und appellierte von Rom aus an die deutsche und polnische Regierung, keine Zwischenfälle zu provozieren und die Spannungen nicht zu verschlimmern. Zu spät – denn beide Seiten hatten die Mobilmachung ihrer Armeen schon eingeleitet.5

Wie sein Vorgänger Benedikt XV. im Ersten, so veröffentlichte Pius XII. im Zweiten Weltkrieg zahlreiche allgemeine Friedensappelle, wobei er klare Schuldzuweisungen konsequent vermied und keine Kriegspartei namentlich nannte. „Man darf jedoch auch die Pflicht des Papstes zur politischen Neutralität nicht vergessen, die ihm von der Natur seines Amtes her auferlegt ist; schließlich ist er nicht nur Oberhaupt eines militärisch neutralen Staates, sondern in erster Linie Priester und Pontifex maximus“.6

Am 14. September 1939 beklagte Pius XII. erstmals den Kriegsausbruch und erklärte seine Absicht, einen für alle Beteiligten ehrenhaften Frieden zu vermitteln. Dies wiederholte er bis zum Kriegsende öfter. Am 26. September 1939 nannte er den Krieg eine „entsetzliche Gottesgeißel“ und hoffte auf Frieden durch „versöhnenden Ausgleich“, der auch der katholischen Kirche künftig „größere Freiheit“ schenken möge.

Stellungnahmen und Proteste zugunsten der Juden

Als 1941 die ersten Informationen von der Deportation tausender Juden an den Heiligen Stuhl vordrangen, benutzte Pius XII. die Gelegenheit der jährlich in aller Welt beachteten Weihnachtsbotschaft zu einer ersten öffentlichen Stellungnahme, indem er sagte: „Unser Segen […] dringe in herzlicher Innigkeit zu all denen, welche die Hauptleidträger dieser Notzeit sind.“7 Noch deutlicher wurde er in der Weihnachtsbotschaft des folgenden Jahres vom 24. Dezember 1942. Der Papst spricht darin von „den Hunderttausenden, die persönlich schuldlos bisweilen nur um ihrer Volkszugehörigkeit oder Abstammung willen dem Tode geweiht oder einer fortschreitenden Verelendung preisgegeben sind“.8 Auch das Naziregime konnte sich nicht über diese unmissverständliche öffentliche Kritik hinwegtäuschen. Ein Meisterwerk „klerikaler Verfälschung“ sei diese päpstliche Rede, und es sei klar, dass Pius XII. hier als Fürsprecher der Juden auftrete, so ein interner Bericht des Reichssicherheitshauptamts vom 22.1.1943.

Pius XII. aber war fest entschlossen, auch in Zukunft seine Stimme zu erheben, wo dies möglich war, ohne das Leid nicht zu vergrößern. So nahm er am 2. Juni 1943 die Gelegenheit wahr, „in seiner Dankansprache für die Namenstagsglückwünsche der in Rom versammelten Kardinäle nochmals ‚mit besonders inniger und bewegter Anteilnahme‘ für die Juden Stellung zu nehmen, um ‚den Bitten derjenigen Gehör [zu] schenken, die sich mit angsterfülltem Herzen flehend an Uns wenden. Es sind dies diejenigen,‘ so der Papst weiter in ganz ähnlichen Worten wie an Weihnachten 1942, ‚die wegen ihrer Nationalität oder ihrer Rasse von größerem Unheil und stechenderen und schwereren Schmerzen gequält werden und auch ohne eigene Schuld bisweilen Einschränkungen unterworfen sind, die ihre Ausrottung bedeuten.‘9 An diese war die Ansprache zwar nicht gerichtet, jedoch zur Veröffentlichung in den Actae Apostolicae Sedis bestimmt und somit für jedermann einsehbar.

Hilfsaktionen für die römischen Juden

In erster Linie sah aber der Papst auf Grund des bestialischen Ausmaßes der Judenverfolgung

für sich und seine Mitarbeiter die Verpflichtung, alles zu tun, ‚was in unseren Kräften steht, um das Volk Israel zu retten.‘10 Doch angesichts der Wirkungslosigkeit des größten Teils seiner Proteste erkannte er schnell: ‚Nicht klagen, sondern handeln ist das Gebot der Stunde.‘1112

Diese Erkenntnis erwies sich als besonders wirksam, als nach dem Sturz Mussolinis deutsche Truppen unter Feldmarschall Kesselring am 10. September 1943 Rom besetzten, „was für die ca. 9600 Juden, die damals in der Stadt lebten […] eine immense Gefahr bedeutete.“13 Bis zum 4. Juni 1944 (D-Day, Landung der Alliierten) setzte sich Pius XII. persönlich in vielfältiger Weise für die verfolgten Juden in Rom ein, wobei vor allem die Öffnung der Klöster und kirchlichen Einrichtungen für alle Verfolgten hervorzuheben ist.14 „Nach dem Einmarsch der Deutschen in Rom traf der Papst angesichts der drohenden Gefahr für die Juden eine sehr wichtige Schutzmaßnahme: ‚Pius XII. hatte wissen lassen, die kirchlichen Häuser könnten und sollten flüchtigen Juden Unterschlupf gewähren‘15, und hob dazu die Klausur der Klöster und Konvente auf, zwei Wochen später auch die kanonischen Schranken, sodass ‚Männer in Nonnenklöstern bzw. Frauen in Männerklöstern aufgenommen werden konnten.‘16 So haben 100 Frauen- und 45 Männerklöster sowie zehn Pfarreien Roms, aber auch zahlreiche andere kirchliche Einrichtungen wie die Päpstliche Universität Gregoriana oder das Päpstliche Bibelinstitut, vor allem aber die exterritorialen, zum Vatikanstaat gehörenden Gebäude im Lateran, in Santa Maria Maggiore und St. Paul vor den Mauern, den Verfolgten ihre Türen geöffnet und ‚während der ganzen deutschen Besatzungszeit etwa 5000 Juden Obdach‘17 geboten.

Im Vatikan selbst ‚gewährte der Heilige Vater persönlich für einige Dutzend römische Juden Schutz und Hilfe‘18; offenbar kamen dort aber noch wesentlich mehr unter, deren Zahl jedoch nicht mehr ermittelt werden kann, da sie dort ‚nur illegal sein konnten und man deshalb nicht von ihnen sprach‘19. Sogar den Apostolischen Palast in Castel Gandolfo, seine Sommerresidenz, ließ der Papst für die Verfolgten öffnen, sodass dort etwa 3000 Juden unterkommen konnten. Im Großen und Ganzen wurde die Exterritorialität der Gebäude von den Nationalsozialisten respektiert, sodass die Juden dort wirklich in Sicherheit waren. Durch diese unmittelbar von Pius XII. ausgehende Aktion konnten somit 85 % der 9600 in Rom lebenden Juden von der Kirche versteckt und so vor der Deportation bewahrt werden.20 Aber auch auf andere Weise half der Papst den römischen Juden nach Kräften.“21

Fortsetzung folgt. 

***

Buchempfehlung: Markus Schmitt: Das „Schweigen“ Pius’ XII. zur Judenverfolgung im Spiegel von Selbstzeugnissen und Äußerungen seiner Mitarbeiter und Vertrauten, Aadorf 2008

Rezension hier: http://www.kath.net/news/25384

weiterlesen

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

Seite 1 von 2

The Cathwalk ist eine Marke der Cathwalk-Mediengruppe