70 Jahre Gott im Grundgesetz

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Von Jürgen Matern - Eigenes Werk (JMatern_071104_8454-8458_WC.jpg), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3064083
Von Jürgen Matern - Eigenes Werk (JMatern_071104_8454-8458_WC.jpg), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3064083

Das deutsche Grundgesetz feiert im Mai seinen 70. Geburtstag – und wurde damit zu so etwas wie einem „ewigen Provisorium“. Tagespostautor Dr. Josef Bordat geht in seinem neuesten Buch „Ewiges im Provisorium“ den christlichen Wurzeln der de-facto-Verfassung nach, wiegt die Auswirkung auf die Gegenwart ab und spart dabei auch kritische Themen wie Lebensschutz und Religionsfreiheit nicht aus.

Wieviel „Gott“ steckt im deutschen Grundgesetz? Welche Bedeutung haben die Begriffe Würde und Freiheit, die das deutsche Verfassungsdenken prägen? Was bedeutet „Leben“ im Grundgesetz – und wie schlägt sich der Geist des Lebensrechts darin nieder? Auf diese und weitere Fragen geht der Tagespostredakteur und katholische Philosoph Josef Bordat „Ewiges im Provisorium: Das Grundgesetz im Lichte des christlichen Glaubens“ kenntnisreich ein. Dem Leser werden so die ideellen Grundlagen des Grundgesetzes offengelegt.

Bordat betrachtet das Grundgesetz, das sich Deutschland vor siebzig Jahren gegeben hat, vor dem Hintergrund christlicher Ethik und philosophischer Grundwahrheiten. Er ruft damit die Spuren des „Ewigen“ im „Provisorium“ in Erinnerung und erkennt im Grundgesetz Normen mit „Ewigkeitsgarantie“. Diese basieren auf zeitlos gültigen Einsichten, etwa der tiefen Überzeugung, dass jeder Mensch frei und gleich geschaffen ist, mit Vernunft und Gewissen begabt.

Diese zeitlos gültigen und durch die Vernunft für den Menschen erkennbaren Werte lassen das Grundgesetz zu einem auch für nicht gläubige Menschen funktionierenden Kanon werden. So schreibt Bordat: „Auch wenn nicht mehr alle Menschen an Gott glauben, sollen alle Menschen die Gesetze akzeptieren, mehr noch: Sie sollen sie befolgen. Damit das funktioniert, muß eine Legitimation des Rechts gefunden werden, die nicht allein auf Bekenntnis und Weltanschauung fußt, aber gleichwohl die orientierende und motivierende Leistung des religiösen Glaubens für Normgenese und Gesetzestreue fruchtbar hält“.

Besonders analysiert Bordat die Kernkonzepte des Grundgesetzes aus christlicher Sicht: Würde, Leben, Freiheit. Die Würde ergibt sich für ihn aus der Gottesebenbildlichkeit des Menschen, ihre Achtung ist daher bereits eine im christlichen Glauben fundierte moralische Verpflichtung, ehe sie durch den ersten Grundgesetzartikel zur wichtigsten Aufgabe von Staat und Politik erhoben wird. Das unbedingte Lebensrecht des Menschen ist eine direkte Folge dieser schöpfungstheologischen Überlegung.

Besonders was den Lebensschutz anbelangt liefert Bordat zahlreiche kluge Argumente, die sich in Diskussionen rund um dieses Thema gut verwenden lassen. Nicht zuletzt dieser Teil des Buches ist auch ein Grund, warum Lebensschützerin Mechthild Löhr dem Buch einige einleitende Worte vorangestellt hat, die ebenso lesenswert sind. Die Freiheit schließlich sieht Bordat in der Gewissens-, Glaubens- und Religionsfreiheit begründet. Letztendlich lassen sich hiervon alle weiteren Freiheiten unserer Gesellschaft ableiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Bedeutung des Gottesbezugs in der Präambel, um das Verhältnis von Kirche und Staat sowie um die Zukunft der Verfassung (Stichwort: Kinderrechte). „Ewiges im Provisorium“ ist ein Buch in einer Zeit, die ihrer moralischen und rechtlichen Fundamente immer unsicherer wird, eine gute Orientierung für alle, die den Zusammenhang von Religion, Ethik, Politik und Recht in verständlicher und klarer Sprache dargelegt bekommen wollen. Ein absolut empfehlenswertes Buch, das sicher jeder mit Gewinn lesen wird.

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Josef Bordat: Ewiges im Provisorium. Das Grundgesetz im Lichte des christlichen Glaubens.

Mit einem Geleitwort von Mechthild Löhr.

Lepanto Verlag, Rückersdorf 2019.

212 Seiten, Klappenbroschur, € 15,80.

ISBN-13: 978-3-942605-08-3.

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