Sonntag, 22. Mai 2022

Der hl. Hilarius von Poitiers – Leuchtturm und Fels in der arianischen Krise

„Wenn die Botschaft, die uns durch die Menschen übermittelt wird, derjenigen unseres Herrn Jesus Christus entspricht, müssen wir gehorchen bis zum letzten Jota. Aber wenn die Befehle, die uns erteilt werden, nicht denen entsprechen, die unser Herr Jesus Christus uns gibt, dann erfüllen die Oberen ihre Aufgabe nicht, für die sie die Autorität von Gott empfangen haben.“[1] Diese Worte stammen von keinem geringeren als Erzbischof Marcel Lefebvre, dem großen Missionar und Gründer der Priesterbruderschaft St. Pius X. In dieser Predigt, gehalten am 8. Dezember 1976, finden sich sodann auch konkrete Folgerungen aus dem Gesagten: „Folglich muss man zu gewissen Zeiten ungehorsam sein können, um zu gehorchen. Es ist wahr, dass der Liebe Gott gewollt hat, dass die Wahrheit uns überliefert werde durch die Menschen, die an seiner Autorität teilnehmen, aber in dem Maß, als diese Geschöpfe der Überlieferung untreu sind, können wir die Befehle und die Verpflichtungen, die sie uns auferlegen, nicht annehmen.“[2]

Oftmals wurde gegen den Erzbischof infolgedessen der Vorwurf des Ungehorsams erhoben und das nicht nur von Seiten der Liberalen. Denn, so lauteten in nuce die dazugehörige Begründungsversuche, er stehe nicht auf der Seite des Papstes, er befolge dessen Anweisungen nicht, ebenso befinde er sich im Widerspruch zum II. Vatikanischen Konzil.

Aber heißt auf der Seite des jeweiligen Papstes zu stehen und ihm in allem zu folgen, immer auch auf der Seite der Wahrheit zu stehen? Die beiden katholischen Prinzipien Ubi Petrus ibi Ecclesia – Wo der Papst, da die Kirche und Cum Petro et sub Petro – Mit Petrus und unter Petrus,die oftmals auch von Kritikern von Monseigneur Lefebvre zitiert wurden, scheinen dies zumindest auf den ersten Blick nahe zu legen.

Was müsste man allerdings, wollte man eine buchstabengetreue Befolgung dieser Prinzipien einfordern, über den heiligen Athanasius sagen, der von Papst Liberius, welcher sich im Jahr 357 auf die Seite der arianisch gesinnten Bischöfe schlug, mit dem Kirchenbann belegt wurde, weil er am Glaubensbekenntnis von Nicäa festhielt und zu keinem Kompromiss mit den Arianern bereit war? Und welches Urteil müsste man über den hl. Hilarius fällen, der den Kirchenbann, welcher über Athanasius verhängt wurde, mit den Worten quittierte: „Nach all diesem, was er getan und versprochen hatte, machte Liberius, in die Verbannung geschickt, alles zunichte, indem er den häretischen arianischen Verrätern schrieb, die gegen den heiligen orthodoxen Bischof ein ungerechtes Urteil fällten.“[3]

Wäre man damals Papst Liberius gefolgt, hätte man, wie Roberto de Mattei festhält, den Boden der Rechtgläubigkeit verlassen.[4] Insofern bedarf es einer genauen Differenzierung, wann jenen oben genannten Prinzipien eine uneingeschränkte Gültigkeit zukommt und unter welchen Umständen man sie auf die Anweisungen und Äußerungen eines Papstes gar nicht anwenden kann, weil diese selbst vom unfehlbaren Lehramt seiner Vorgänger abweichen. Eine Differenzierung, die zu kennen angesichts der heutigen römischen Tragödien – von Amoris laetitia über den Pachamama-Skandal bis hin zu Traditionis custodes – immer wichtiger erscheint. Diese Differenzierung ist es auch, auf die die eingangs zitierten Worte von Monseigneur Lefebvre anspielen und welche stets das Handeln der beiden großen Heiligen, Athanasius und Hilarius von Poitiers, in Auseinandersetzung mit der arianischen Krise geleitet hat; auch im Widerspruch zum Papst. 

Mehr Informationen und Hintergründe rund um die große arianische Krise im vierten Jahrhundert und die beiden großen Streiter, allen voran den hl. Hilarius von Poitiers, gibt es im neuen Video von Certamen.

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[1] Predigt in Écône am 8. Dezember 1976, zitiert nach: Lefebvre, Marcel, Das geistliche Leben, Bobingen 2020, 257.

[2] Ebd., 256.

[3] Zitiert nach Denzinger-Hünermann (DH) 141.

[4] Vgl. De Mattei, Roberto, Verteidigung der Tradition, Altötting 2017, 28-36.

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