Pfingsten rockt!

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Fresko in der Wiener Karlskirche von Wolfgang Sauber (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)]
Fresko in der Wiener Karlskirche von Wolfgang Sauber (Own work) [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)]

Pfingsten ist das Fest des Heiligen Geistes – was für ein cooler Typ!

Von Felix Honekamp

Pfingsten ist irgendwie schon das „unbekannte Fest“. Während man sich vor Weihnachten oder Ostern über Menschen amüsiert, die vor eine Fernsehkamera gezerrt werden um zu definieren, was diese Feste bedeuten, und damit oft mehr oder weniger deutlich daneben liegen, wird sowas bei Pfingsten gar nicht erst versucht. Das kann einerseits daran liegen, dass die die Geburt und die Auferstehung Jesu einfach die bekannteren Feste sind, es kann aber auch daran liegen, dass man seitens der Reporter angesichts der möglichen Antworten nicht ganz sicher wäre, ob man darüber nun lachen kann oder ob darin mindestens ein Fünkchen Wahrheit liegt.

Jedenfalls: Nachdem sie sich einige Tage versteckt hatten, und die Sache Jesu im Sande zu verlaufen drohte, taucht der von Jesus angekündigte Heilige Geist auf und reißt die Jungs – und Frauen – aus ihrer Lethargie, treibt sie auf die Straße zum Predigen und zur Evangelisierung. In einem Firmkurs habe ich mal die These aufgestellt, dass es die Kirche gar nicht geben würde, wenn es Pfingsten nicht gäbe. Und das liegt nicht daran, dass die Lehre der Dreifaltigkeit dann einen Akteur verloren hätte, sondern daran, dass die Apostel in dem Fall einfach nicht den – entschuldigung – Arsch hoch bekommen hätten. Sie hätten sich noch eine Weile Anekdoten über die großartige Zeit mit Jesus erzählt: „Weißt Du noch, wie er das mit den Fischen gemacht hat?“ – „Ja, und weißt Du noch, wie wir uns gewundert haben, als er Brot für Tausende Menschen ‚gezaubert‘ hat?“ Aber dann wären sie noch mal, und dann endgültig fischen gegangen, und hätten vielleicht selbst vergessen, von was sie da eigentlich Zeuge geworden sind.

Ohne Pfingsten, so könnte man also etwas salopp formulieren, gäbe es heute kein Oster- und kein Weihnachtsfest. Und Pfingsten bzw. der Heilige Geist wirkt weiter. Er ist überall da, wo Menschen begeistert vom Glauben sind, so begeistert, dass sie damit andere Menschen anstecken. Er ist überall da, wo wir die Nähe Gottes spüren, bemerken, dass es Gott gibt, dass wir eine Beziehung zu ihm haben, er für uns da ist, uns sieht und mit uns spricht. Der Heilige Geist ist überall da, wo wir bemerken, dass unsere Worte über Jesus einen Unterschied machen, wenn wir bemerken, dass wir tatsächlich die richtigen Worte gefunden haben, um über Jesus zu berichten. Sicher kann man sich da nie sein, aber selbst wenn es unsere Worte eher suboptimal waren: Den Rest macht der Heilige Geist dann schon selbst!

Darum bemerken wir den Heiligen Geist – so hat es mal ein befreundeter Priester formuliert – oft erst, „wenn er wieder weg ist“. Plötzlich geht uns ein Licht auf, dass wir mit unseren Worten einen Unterschied machen. Plötzlich bemerken wir, dass wir selbst durch das Wort eines anderen Menschen (der das womöglich gar nicht beabsichtigt hat), vielleicht auch durch ein Buch oder durch ein Bibelzitat, Gott wieder ein bisschen besser verstanden haben.

Unser Pastor sprach heute in der Vorabendmesse in der Beschreibung von Pfingsten und des Heiligen Geistes auch von der Begeisterung und von der Sehnsucht nach Begeisterung. Und – quasi als zweite Ableitung – von der Sehnsucht nach dieser Sehnsucht. Und das ist gerade für jemanden, für den der Glaube an Gott, Jesus und den Heiligen Geist etwas Normales, Alltägliches wenn auch nicht Langweiliges geworden ist, ein ziemlicher Treffer: Da war doch mal die Zeit, als jedes Bibelwort irgendwie neu war?! Da war doch mal die Zeit, als in jedem Gebet eine wichtige Botschaft auf mich wartete, die ich noch nie gehört habe?! Das alles hat sich irgendwie „normalisiert“ – die Tagesevangelien hat man alle schon mal gelesen, die gängigen Lesungen aus dem Alten und Neuen Testament schon mal gehört, und man hat schon seinen „Text“ dazu.

Doch dann und wann trifft man auf einen Menschen, der – wie ich noch vor einigen Jahren – ziemlich am Anfang dieses Weges steht. Ich hatte gestern Abend ein langes Gespräch mit einem Menschen, der ganz offensichtlich von Gott gerufen wird, der antworten möchte, aber nicht recht weiß, wie das gehen soll. Der Antworten sucht und – leider – von vielen Seiten mit dieser Sehnsucht alleine gelassen wird. Und ist sehe mich vor ein paar Jahren, der ich den gleichen Weg vor mir hatte und die Gnade, an die richtigen Menschen zu geraten. Und ich spüre die Sehnsucht dieses Menschen und bin heute – im Nachgang, der Heilige Geist ist wie gesagt schon wieder anderweitig unterwegs – beinahe neidisch auf die Neugierde, darauf, einen solchen neuen Weg noch vor sich zu haben.

Und andererseits hoffe ich, dass ich gestern mit meinen Worten einen Unterschied habe machen können. Dass der Heilige Geist mich als Instrument benutzt hat und ich die richtigen Worte in der richtigen Weise gefunden zu haben, um die Neugierde am Glauben zu – bleiben wir im Pfingstbild – befeuern. Und wenn ich nicht die richtigen Worte gefunden haben sollte, dass es der Heilige Geist schon richten wird. In jedem Fall bin ich aber überzeugt: Da sitzen zwei gestandene Männer in einem Biergarten und reden kurz über die Welt, vor allem aber über Gott und ihren Glauben: Wenn da der Heilige Geist nicht anwesend war, dann weiß ich es auch nicht. Nur ist mir das erst heute wieder bewusst geworden, in der Messe – eigentlich danach, der Heilige Geist war … Sie wissen schon – dass die Situationen, in denen wir unseren Glauben bezeugen dürfen, denen des Urpfingstfestes ähneln. Man spricht über Dinge, die „die Welt“ nicht versteht, so als ob man eine andere Sprache sprechen würde. Aber der, der hören will, der auf der Suche ist, der versteht einen, so wie die Menschen damals in Jerusalem verstanden und viele zum Glauben gekommen sind.

Und wenn ich eben noch die Sehnsucht nach der Sehnsucht beschrieben habe, und den Effekt, viele Dinge einfach schon zu kennen und nicht mehr so „geflasht“ von ihnen zu sein, dann bin ich jetzt doch wieder geflasht über das gestrige Gespräch, von dem ich selbst im Zweifel vielleicht sogar mehr mitnehme, als der Andere – naja, vielleicht beide gleich viel. Und der Heilige Geist, gestern dort eigentlich ganz präsent aber von mir nicht bemerkt, ist jetzt, wo ich ihn endlich bemerke, schon wieder unterwegs und wartet auf meinen nächsten „Einsatz“, wenn ich wieder aufgerufen bin, in für die Welt fremder Sprache zu sprechen und meinen Glauben zu bezeugen.

Und anschließend werde ich mich dann wieder freuen, dass es so ein schöner und geistreicher Abend war, und erst dann feststellen: Hey, der Heilige Geist war wieder da. Und auch wenn er als Taube dargestellt wird und nicht als Mensch, fällt mir dabei gerade auf, was ich von ihm eigentlich halte: Was für ein cooler Typ, der rockt die ganze Geschichte der Kirche, jeden Einzelnen von uns! Und erklären kann ihn doch keiner.

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Felix Honekamp (*1970) ist ausgebildeter Bankkaufmann und Diplombetriebswirt sowie freier Publizist und Journalist. Seit 2011 betreibt er die Website Papstteuerblog, wo auch dieser Artikel hier erschien.

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