„Abseits“ von Theodor Storm (1817-1888)

Es ist so still; die Heide liegt
Im warmen Mittagssonnenstrahle,
Ein rosenroter Schimmer fliegt
Um ihre alten Gräbermale;
Die Kräuter blühn; der Heideduft
Steigt in die blaue Sommerluft.

Laufkäfer hasten durchs Gesträuch
In ihren goldnen Panzerröckchen,
Die Bienen hängen Zweig um Zweig
Sich an der Edelheide Glöckchen,
Die Vögel schwirren aus dem Kraut –
Die Luft ist voller Lerchenlaut.

Ein halbverfallen, niedrig Haus
Steht einsam hier und sonnbeschienen,
Der Kätner lehnt zur Tür hinaus,
Behaglich blinzelnd nach den Bienen;
Sein Junge auf dem Stein davor
Schnitzt Pfeifen sich aus Kälberrohr.

Kaum zittert durch die Mittagsruh
Ein Schlag der Dorfuhr, der entfernten;
Dem Alten fällt die Wimper zu,
Er träumt von seinen Honigernten.
– Kein Klang der aufgeregten Zeit
Drang noch in diese Einsamkeit.

OLYMPUS DIGITAL CAMERATheodor Storm (1817-1888) gilt als ein bedeutender Vertreter des deutschen Realismus. Seine Lyrik wie auch seine Novellen und Prosa zeichnen sich durch ihre norddeutsche Prägung aus.

Theodor Storm wurde am 14. September 1817 in Husum geboren. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte er von 1837 bis 1842 zunächst in Kiel, dann in Berlin Rechtswissenschaften. 1839 kehrte er nach Kiel zurück, wo er u.a. Freundschaft mit Theodor Mommsen (1817-1903) schloss. 1843 nahm er seine Tätigkeit als Rechtsanwalt in der Kanzlei seines Vaters in seiner Heimatstadt auf; dann gründete er eine eigene Kanzlei, in der er bis 1852 tätig war. Die Jahre während der dänischen Besetzung Holsteins verbrachte Storm in Potsdam und Heiligenstadt und war im preußischen Staatsdienst angestellt. 1864 kehrte er in seine Heimat zurück. 1867 wurde er Amtsrichter, 1879 Amtsgerichtsrat.

Bereits in Jugendjahren verfasste Storm erste Gedichte, sein erstes Gedicht „An Emma“ im Jahr 1833. Zu seinen bekanntesten Werken zählen z.B. „Pole Poppenspäler“ und „Der Schimmelreiter“. Theodor Storm starb am 4. Juli 1888 in Hademarschen.

Quelle: Britta Dörre. Dieser Artikel erschien auf dem Nachrichtenportal Zenit.org und darf hier weiterverbreitet werden.

 

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