Der amerikanische Starregisseur Martin Scorsese hat einen Film über Jesuiten in Japan gedreht. Gegenüber der New York Times betont der Sohn italienischer Einwanderer, wie wichtig ihm von Kindheitstagen an der katholische Glaube war.

csm_71154_71155_58e78d47bb

Der amerikanische Starregisseur Martin Scorsese hat einen Film über Jesuiten in Japan gedreht.

Martin Scorsese, einer der wichtigsten Regisseure unserer Zeit, kommt mit seinem neuen Film auf ein Thema zurück, das ihn sein ganzes Leben über beschäftigte: den Glauben. Der Film „Silence“ handelt von katholischen Missionaren im Japan des 17. Jahrhunderts. Er soll am 2. März 2017 in Deutschland in den Kinos anlaufen.

Der Kultregisseur, der achtmal für den Oscar nominiert wurde und ihn einmal gewann, ist bekannt für Filme wie „Taxi Driver“, „GoodFellas“, „Casino“, „Gangs of New York“ und „Departed – Unter Feinden“. Für Aufsehen und viel Kritik besonders unter evangelikalen Christen sorgte 1988 der Streifen „Die letzte Versuchung Christi“ mit Willem Dafoe als Jesus und Harvey Keitel als Judas. In dem Film wird Jesus dargestellt in einem inneren Kampf zwischen seinem menschlichen und seinem göttlichen Wesen. Für Proteste von Christen sorgte unter anderem eine Traumsequenz im Film, in der Jesus mit Maria Magdalena schläft.

Scorsese ist italienischstämmig, wuchs in Little Italy in New York auf und wollte zunächst Priester werden. Nach dem Ausschluss aus der Jesuitenschule strebte er eine Ausbildung als Lehrer an, entschied sich an der New York University 1960 aber für die Filmkunst.

Warum nun die Zeit für den Film gekommen ist

Wie die New York Times berichtet, las Scorsese die Novelle „Silence“ des Japaners Shusaku Endo bereits im Jahr 1989 bei einem Besuch in Japan. Das Buch wurde 1966 veröffentlicht und hatte großen Erfolg. Es handelt von dem Jesuiten Francis Xavier, der 1549 den Katholizismus nach Japan brachte. Im folgenden Jahrhundert wurden dort Katholiken verfolgt und gefoltert. Im Buch nimmt Endo die Perspektive der Missionare ein anhand von Briefen, in denen der portugiesische Jesuit Sebastian Rodrigues an seine Vorgesetzten von seinem Aufenthalt in Japan berichtete. Er schrieb davon, dass katholische Konvertiten gekreuzigt, lebendig verbrannt oder ertränkt werden. Auch der Jesuit selbst wird gefoltert und dazu aufgefordert, seinem christlichen Glauben abzuschwören.

Scorsese sicherte sich nach seiner damaligen Reise die Filmrechte an dem Buch, doch zunächst waren ihm andere Projekte wichtig. Nun sei die Zeit für „Silence“ gekommen, sagt der Regisseur, angesichts eines zum Papst gewählten Jesuiten und eines Krieges gegen Christen im Nahen Osten. In den Hauptrollen sind Andrew Garfield („The Amazing Spider-Man“), Liam Neeson („Schindlers Liste“, „96 Hours“) und Adam Driver („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) zu sehen.

„Ich weiß nicht, ob es so etwas wie Erlösung gibt, aber es gibt auf jeden Fall die Versuche, sie zu erreichen“, sagte Scorsese dem Autoren der New York Times. „Aber wie schafft man das? Der richtige Weg zu leben hat mit Selbstlosigkeit zu tun. Davon bin ich überzeugt. Aber das entwickelt sich in einem – vielleicht durch viele Fehler, die man begeht.“

Als Messdiener mit dem Pater im Kino

Großen Einfluss in seinem Leben habe ein katholischer Priester namens Pater Francis Principe gehabt, der in Scorseses Jugend in der Nachbarschaft wohnte. Der habe ihm einmal gesagt: „Zu scheitern, etwas zu tun, was moralisch verwerflich ist, ist eine große Sünde. Viele Menschen hören da auf. Der christliche Weg ist, aufzustehen und es noch einmal zu versuchen.“ In dieser Situation befinde sich Rodrigues im Film. Er könne das Leben anderer retten, wenn er seinem eigenen Glauben absagt.

Seine eigenen Eltern seien nicht sehr religiös gewesen, aber er suchte früh den Kontakt zur Kirche, berichtet Scorsese. „Ich vertraute der Kirche, denn es machte Sinn, was sie predigten. Es zeigte mit einen anderen Weg zu denken, über die Grenzen meiner verschlossenen, versteckten und ängstlichen Welt, in der ich aufwuchs.“ Der italienisch-amerikanische Katholizismus und das Kino hätten ihm geholfen, ruhiger zu werden. Francis Principe habe Scorsese sowohl den Glauben als auch Film nahegebracht. Scorsese wurde Messdiener, und einmal im Jahr nahm der Pater die Messdiener mit ins Kino.

Garfield, der Pater Rodrigues spielt, wuchs nahe London auf, sein Vater ist säkularer Jude. Für den Film habe sich der Schauspieler ein Jahr intensiv mit den Jesuiten beschäftigt, sagte er der New York Times. Er habe auch die „geistlichen Übungen“ von Ignatius von Loyola, dem Begründer des Jesuitenordens, gemacht. Sie enthalten Anleitungen zu Gebet, Meditation, wobei der Beter Jesus innerlich bei seinen verschiedenen Lebensstationen begleitet. Garfield habe zudem einige Zeit im Jesuiten-Kloster St. Beuno‘s in Wales gelebt. Bevor Garfield nach Taiwan zu den Dreharbeiten reiste, gab Scorsese ihm ein Kreuz, das er als Geschenk erhalten hatte, als er Jesuiten-Novize war. Garfield sei zu einem ziemlich guten Jesuiten geworden, sagte Scorsese. „Es gab Stellen im Drehbuch, da stoppte er und sagte: ‚Ein Jesuit würde so etwas niemals sagen‘ und machte Vorschläge, es besser zu schreiben.“

Bevor der Film im Dezember in New York und Los Angeles Premiere feiert, wird er in Rom vor einigen Hundert Jesuiten und Angehörigen des Vatikan gezeigt. Ob auch Papst Franziskus, der selbst Jesuit ist, an der Vorführung teilnehmen wird, ist noch nicht bekannt.

Bei einem Besuch in einer Kirche in Little Italy, in die Scorsese als Kind oft ging, fragte der Reporter den Regisseur, wo die Verbindung liege zwischen der Kirche und dem neuen Film. Er tippte sich an seine Stirn und sagte: „Diese Verbindung ist das, was niemals unterbrochen wurde. Sie ist immer da. In meinem Inneren. Ich bin jeden Tag hier.“ (pro)

Quelle: Christliches Medienmagazin pro | www.pro-medienmagazin.de 

Dieser Artikel wurde bereits 0 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!