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Den Weg zum Himmel mit guten Vorsätzen pflastern: 15 praktische Tipps für 2017

(CNA Deutsch) Nach den weihnachtlichen Schlemmereien sind viele, dank eines erschrockenen Blicks auf die Waage, stark motiviert, im Neuen Jahr endlich abzuspecken. Andere nehmen sich an Silvester vor, mehr Sport zu treiben oder das Rauchen aufzugeben. Meist geht es bei den guten Vorsätzen um den Körper, der gesünder, jünger, frischer und dynamischer werden soll.

Manchmal fasst man aber auch die Klärung einer Beziehung, einen längst fälligen Schul- oder Studienabschluss oder den Umzug in eine andere Stadt für einen radikaleren Neuanfang ins Auge. Bei den wenigsten geht es leider um gute Vorsätze für das geistliche Leben. Die „Nachfolge Christi“, das berühmte Buch des Thomas von Kempis, erinnert daran, dass wir, „wenn wir jedes Jahr auch nur einen Hauptfehler ausrotteten, bald zur Vollkommenheit gelangen“ (1. Buch, XI. Kapitel) gelangen würden.

Jeder Christ sollte spätestens am letzten Abend des alten Jahres Vorsätze fassen, wie er nicht nur seinen Leib, sondern auch seine Seele besser behandeln kann. Dabei geht es zum einen um den Kampf gegen bestimmte Fehler (die oft noch gar keine Sünden sind), vor allem aber darum, Gutes zu tun. Wer abnehmen will muss genauso diese doppelte Strategie fahren: Nein zu „Gaumensünden“, Ja zu Sport und Bewegung. Hier ein paar Vorschläge für ein entschiedenes „Ja“ zu mehr Eifer und Freude im geistlichen Leben:

Tipps für jeden Tag

1) Das Gebet sollte im Alltag – wie das Zähneputzen – zur Routine werden; das heißt zur guten Gewohnheiten. Ein kleiner, aber wirkungsvoller Vorsatz kann es sein, sofort beim Aufstehen das Kreuzzeichen zu machen, um den Tag bewusst im Namen Gottes zu beginnen. Die erste Zeit vergisst man sehr oft diese Geste, die aber irgendwann „in Fleisch und Blut“ übergeht.

2) Es lohnt sich, tagsüber immer wieder an Gott zu denken; vielleicht sogar stündlich. Der Rosenkranz in der Tasche, ein Ring am Finger, ja sogar das Piepsen des Handy kann daran erinnern und zu einem Stoßgebet einladen: „Jesus, ich liebe Dich!“

3) Jede Liebesbeziehung verdorrt ohne Gespräche und Momente stiller Zweisamkeit. Geistliches Leben bedeutet nicht, ein frommes Trainingsprogramm zu absolvieren, sondern im persönlichen Gebet oder schweigend bei Gott zu verweilen. Ein guter Anfang kann es sein, sich jeden Tag 5 Minuten zu reservieren (dafür eventuell 5 Minuten eher aufzustehen) und diese jeden Monat um 5 weitere zu steigern. Am Ende des Jahres ist es dann eine ganze Stunde – der Idealfall für ein gesundes, starkes Gebetsleben „normaler“ Christen. Es kann hilfreich sein, wenn man allein ist, laut zu beten (Don Camillo ist hier ein Vorbild) und dabei auch zu merken, wie schwer es uns oft fällt, die richtigen Worte zu finden. Auch einfach nur schweigen, mit dem Wunsch vor Gott zu sein, ist gutes, ja sehr gutes Gebet.

4) 2017 feiern wir das Jubiläum von Fatima. Der Wunsch Mariens ist der tägliche Rosenkranz. Diese Bitte zu erfüllen, ist dieses Jahr vielleicht der beste Vorsatz. Auch hier kann man klein anfangen – jeden Tag ein Gesetzchen daheim in der Stille; vielleicht ein weiteres auf dem Weg zur Arbeit und noch eins im Bett beim Einschlafen.

5) Jeden Tag die Heilige Schrift aufschlagen. Wir leben vom Wort Gottes. „Wer die Schrift nicht kennt, kennt Jesus nicht“, sagt der heilige Hieronymus. Wir sollten jeden Tag in der Bibel lesen, um erstens die Botschaft Christi und die Geschichte seines Volkes besser zu kennen (ganz hilfreich sind dafür auch Kinder- beziehungsweise Jugendbibeln, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und daher helfen, den roten Faden der gesamten Heilsgeschichte besser zu verstehen), zweitens Worte des Herrn im unseren Gedächtnis zu haben, wenn wir unseren Alltag meistern müssen oder im Gebet nach ihnen fragen (jeden Tag einen Vers auswendig lernen! An den Badspiegel kleben!) und drittens – das wichtigste – bei Gott mit seinem Wort zu verweilen und es betend zu lesen. Letzteres kann und soll Teil unserer oben genannten Gebetszeit werden.

Tipps für jede Woche:

6) Die heilige Messe am Sonntag ist Mitte- und Höhepunkt der christlichen Woche. Es ist aber gut und angemessen, auch werktags in die Kirche zu gehen, um dort Jesus im Sakrament zu begegnen. Es gibt auf Erden kein größeres Wunder als die heilige Messe. Die heilige Edith Stein sagt deshalb, dass sich daraus drei Konsequenzen ableiten: 1. Oft und gerne die heilige Messe besuchen 2. Oft und würdig kommunizieren 3. Oft und fromm Jesus in seiner eucharistischen Gestalt anbeten. Ein Kalender hilft, den werktäglichen Messbesuch wenigstens ab und zu einzuplanen. Ein kurzer Besuch einer Kirche außerhalb der Gottesdienste ist wie der schnelle „Sprung“ zu einem Freund. Jesus „wartet“ im Tabernakel auf seine Jünger von heute.

7) Die Tage der Woche haben traditionell eine fromme Bedeutung. Es lohnt sich, diese bewusst in das geistliche Leben einzubauen:

Sonntag ist der Tag des Herrn: Neben der heilige Messe soll der Tag eine festliche Stimmung haben und der Erholung dienen. Er ist für die Familie reserviert, die der erste Adressat der Nächstenliebe ist.

Montag ist dem Gedenken der Armen Seelen gewidmet: evtl. Friedhofsbesuch und Gebet für Verstorbene, aber auch die Erinnerung daran, dass wir alle sterben werden.

Dienstag ist der Tag der heilige Engel: Gebet zum Schutzengel

Mittwoch ist der Tag des heilige Joseph: Josefslitanei beten, vor seinem Bild eine Kerze entzünden, Gebet um eine gute Sterbestunde, deren Patron er ist

Donnerstag ist der Tag, an dem Jesus die Eucharistie und das Priestertum gestiftet hat: Längere Anbetung, Gebet um Priesterberufungen

Am Freitag gedenkt man des Leidens und Sterbens Jesu durch die gebotene Abstinenz (kein Fleisch) und freiwilliges Fasten, Beten des Kreuzwegs

Der Samstag ist der Mutter Gottes geweiht: Kerzen und Blumen vor ihr Bild, Erneuerung der Marienweihe, Lauretanische Litanei beten (oder singen)

8) Die Pfadfinder haben das Motto „Jeden Tag eine gute Tat“. Geistliches Leben bedeutet nicht nur „fromm“ zu sein, sondern tatkräftig Christus in den Armen und Schwachen zu dienen. In Amerika ist wöchentliches volunteering, also ehrenamtliches Engagement, sehr weit verbreitet. Ein guter Vorsatz ist es, ein oder zwei Stunden in der Woche alten, kranken Menschen, Kindern, Behinderten … zu helfen, ja in ihnen Christus zu erkennen.

Tipps für den Monat

9) Die monatliche Beichte sollte zur guten Gewohnheit praktizierender Katholiken werden. In Deutschland gilt als guter Christ, wer Sonntag für Sonntag die heilige Messe besucht; in Italien gehört zu diesem Begriff auch der Empfang des Buss-Sakramentes alle vier Wochen.

10) Sehr hilfreich ist ein monatlicher Einkehrtag, an dem man sich 3 bis 4 Stunden reserviert, um alleine spazieren zu gehen, nachzudenken und natürlich auch zu beten. Es ist ein Aufatmen der Seele aus dem Stress des Alltags. Im Fatimajahr sind wir besonders eingeladen, an fünf aufeinander folgenden ersten Samstagen des Monats zu beichten (auch einige Tage vorher oder nachher), die Kommunion zu empfangen, den Rosenkranz zu beten und 15 Minuten über seine Geheimnisse nachzudenken, um so bei Maria zu sein und ihr Herz zu trösten. Die Mutter Gottes hat für diese 5 Samstage nicht weniger als den Himmel versprochen.

11) Nicht ganz einfach, aber äußerst wichtig ist es, einen „geistlichen Begleiter“ zu finden, mit dem man sich alle vier Wochen bespricht. Er ist wie ein Coach, der motiviert und korrigiert, der erklärt wie man besser beten kann und was hilft, um bestimmte Fehler zu vermeiden. Dieser geistliche Begleiter kann, muss aber nicht der Beichtvater sein. Es lohnt der Vorsatz, im neuen Jahr einen Priester zu suchen, dem man vertraut und von dem man sich begleiten und führen lässt.

Tipps für das Jahr:

12) Einmal im Jahr Exerzitien machen. Man kann schon im Januar ein gutes und anspruchsvolles Angebot suchen (und verbindlich „buchen“), um dann bewusst das Schweigen, das Gebet und die Ruhe zur Reflexion des eigenen Lebens zu suchen.

13) Wiederum das Fatimajahr 2017 lädt dazu ein, die Marienweihe abzulegen, das heißt sich ganz und gar, mit „Haut und Haaren“ der Mutter Gottes an einem ihrer Feiertage zu weihen. Das Standardwerk dafür ist das so genannte „Goldene Buch“ des heiligen Ludwig Maria Grignion de Montfort, das eine Vorbereitung von 33 Tagen bietet. Es gibt daneben aber auch noch viele andere Bücher, die helfen die Weihe abzulegen, oder in diesem Jahr feierlich zu erneuern (vgl. Florian Kolfhaus: „Ganz Dein, Maria. 12 Tage zur Vorbereitung auf die Weihe an die Mutter Gottes.“ Dominus-Verlag. Augsburg.)

14) Zwei bis drei geistliche Bücher auswählen, die man in den kommenden Monaten nicht nur vor dem Einschlafen lesen, sondern auch „studieren“ möchte. Es können große, anspruchsvolle Klassiker der Heiligen sein: Die Autobiographie der heiligen Theresa von Lisieux, das Buch der Klostergründungen oder – nicht gerade leichte Kost – „die Seelenburg „der heiligen Theresa von Avila; praktische „Lehrbücher“ des geistlichen Lebens: „Die Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempis, „Philothea“ des heiligen Franz von Sales, „Ich will Gott schauen“ des kürzlich selig gesprochenen Marie-Eugene Grialou. Natürlich lohnt es sich auch, ein Buch der Heiligen Schrift mit einem guten Kommentar (sehr empfehlenswert sind die Bibelreihen, unter anderem auf YouTube, von Dr. Johannes Hartl) intensiv zu lesen. Gut ist es auch, den Katechismus zu studieren und das eigene Glaubenswissen zu vertiefen. Immer ist es empfehlenswert, sich schriftliche Aufzeichnungen zu machen; ja überhaupt mit dem neuen Jahr ein geistliches Tagebuch zu beginnen.

15) Last but not least, einen Jahresheiligen auslosen, zu dem man täglich während des neuen Jahres betet, dessen Leben man versucht besser kennenzulernen, um ihn dann – soweit möglich – im Alltag nachzuahmen. Ganz einfach kann man einen Heiligen und – auch das ist eine schöne Aktion, besser als Bleigießen, für den Silvesterabend – ein Schriftwort ziehen unter: http://www.kirche-in-not.de/jahresheiligenziehen beziehungsweise http://www.kirche-in-not.de/bibelversziehen

Gute Vorsätze helfen uns – auch wenn wir sie überhaupt nicht einhalten sollten! – die Richtung, wenigstens als erstrebenswertes Ideal, einzuhalten. Gott segnet den guten Willen. Auf in’s Neue Jahr: in nomine Domini – im Namen des Herrn!

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    • Nepomuk

      Zu dem Bild: das tun wir doch längst, z. B. Weihnachten. Oder Ostern. Oder Pfingsten.

      (Und nö, so verständlich der Wunsch auch sein mag, aber eine Erlösung, die jetzt noch kommt [nicht nur anzueignen ist] wird es nicht geben. Also vom Jüngsten Gericht einmal abgesehen.)

  1. Nepomuk

    Zwei Anmerkungen:

    1. „Ein Christ sollte“ sich Vorsätze fassen beim Beichten (zumindest den allgemeinen gegen die schwere Sünde) und von mir aus am Beginn der Fastenzeit. Für den bürgerlichen Jahreswechsel kann man das – also so als Gebot – mE nicht aufstellen.

    2. Daß gute Vorsätze auch dann helfen, wenn man sie überhaupt nicht einhält, dürfte – zumindest – strittig und nicht auf jede Person zutreffen. Wenigstens heißt es in geistlichen Empfehlungen mit mE guten Gründen sonst immer, man solle klein anfangen und sich mit den Vorsätzen nicht übernehmen. (Ansonsten ist die Gefahr der Entmutigung, des Aufgebens aller Vorsätze, gar des Haders mit Gott gegeben… oder?)

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