Die Geschichte der katholischen Bartwichse

Die Geschichte der katholischen Bartwichse

Genau das Problem hatte Tony Vasinda zu lösen, und kam dabei auf eine originelle Idee. Vasinda, ein engagierter junger Katholik, leitet in seiner Pfarrei in Seattle, Washington die Glaubensbildung. Für eine Firmgruppe hatte er eine Menge ungeweihten Chrisam-Öls bestellt. „Ich liebe es, wenn die Menschen sich mit den Stoffen des Sakraments vertraut machen, auf dass sie sich vorbereiten“, erklärt er gegenüber CNA.

Der Umgang mit dem duftenden liturgische Öl, Chrisam, hilft den Firmlingen dabei, sich einzuprägen, was sie in der Vorbereitung lernen, so Vasinda. Dazu brauchte er etwa 30 Gramm Öl. Aber die Mindestbestellmenge war so viel, dass er daraus drei US-amerikanische Gallon an Chrisam machen konnte: Das sind gute 11 Liter ungeweihten Öls.

„Ein bißchen zuviel Chrisam“

Tony Vasinda grinst: „Also hatte ich ein klein bißchen zuviel Chrisam“. Was also tun?

Der findige Amerikaner hatte eine Idee. Zumal auch er ein bärtiger Katholik ist, und sich selber Bartwichse herstellt. Dieses traditionelle Kosmetikprodukt für die männliche Haarpracht wird mit dem Zeigefinger in den Bart gerieben. Dadurch werden Schnurrbärte wie Vollbärte geschmeidiger, fester, und formbar — dank der Inhaltsstoffe, zu denen auch Öl gehört. So kam „Catholic Beard Balm“ zustande — die katholische Bartwichse. Zusammen mit seinem ebenfalls bärtigen Glaubensbruder und Kumpel Michael Marchand verkauft Tony Vasinda nun die handgemachte Pomade in kleinen Portionen, mit fünf verschiedenen Duft-Varianten. Der Website der beiden zufolge hat die Pomade eine Menge guter bärtiger Eigenschaften: Das Gesichtshaar werde konditioniert, sehe voller aus.

Das beste an der ganzen Geschichte, neben der duftenden Bärte: Der Gewinn geht an ProjectYM, ein Projekt von Tony und Michael für die katholische Jugendarbeit.

„Woher kommt eigentlch dieser Mangel an Gesichtshaar?“

Auf die Frage, warum so viele junge Männer in den USA (wie zunehmend in Europa) mit Vollbart herumlaufen, antwortet Tony: „Ich glaube nicht, dass es etwas neues ist. Ich glaube, die richtige Frage ist vielmehr: Woher kommt eigentlich dieser Mangel an Gesichtshaar? Das ist ja erst in den letzten paar Jahrhunderten passiert — Männer hörten auf, Bart zu tragen.“ Dabei seien Bärte nicht nur ein einzigartiger Weg, die eigene Männlichkeit zu zeigen, wenn man dazu als moderner Mann wenig andere Möglichkeiten habe, meint Vasinda. Schließlich arbeite er nicht als Holzfäller oder so etwas.

Die liebsten bärtigen Heiligen

Sowohl Tony als auch Michael haben mehrere bärtige Lieblingsheilige: „Ich bin ein großer Fan von Johannes dem Täufer“, sagt Michael. Der sei radikal gewesen. „Aber ich bin auch ein großer Fan von Kyrill und Methodus, denn mir liegt die Evangelisierung sehr am Herzen, und ich finde, die beiden sind große Beispiele für die Missionierung“, fügt er hinzu.

Tony wiederum bewundert Johannes Chrysostomus — „wegen seiner Gedanken über das Fasten, die bis heute viele nicht verstehen“ — aber auch Padre Pio „klasse Bart, klasse Heiliger“ und andere.

Produkte für Frauen

Nicht nur von den eigenen Ehefrauen wurden Tony und Michael natürlich gefragt, was sie denn für die Weiblichkeit anbieten können, wenn diese nicht einen Damenbart mit Pomade versorgen wollen. Seit November bieten die beiden einen Lippenbalsam in verschiedenen „Geschmacksrichtungen“ an — der heißt „Die kleine Blume“, nach der Heiligen Therese von Lisieux; und dieses Jahr wollen die findigen Jungunternehmer noch Seife ins Angebot nehmen. „Seife macht Angst. Die ist ein viel schwierigeres Produkt. Aber bis zum Sommer wollen wir es schaffen“.

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