Die Verlegerin

Die Verlegerin

Eine Filmkritik von Dr. José Garcia

Eine kurze Vorgeschichte in Vietnam 1966 macht eines deutlich: Der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara (Bruce Greenwood) strahlt vor der Presse wider besseres Wissen Zuversicht aus. Fünf Jahre später ist er zwar nicht mehr in der Regierung. McNamara gehört aber weiterhin zum Freundeskreis von Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep), der Verlegerin der „Washington Post“. Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA hat Kay keinen leichten Stand. So verbittet sich Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) Kays Einmischung in die Redaktionsarbeit.

Kurz vor dem Börsengang der Zeitung wird es brisant. Denn die „New York Times“, auf die „The Post“ noch ehrfürchtig aufschaut, veröffentlicht Teile der geheimen „Pentagon-Papiere“. Sie belegen, dass vier US-Präsidenten in einen Vertuschungsskandal im Zusammenhang mit dem Vietnam-Krieg verwickelt waren. Obwohl ein Gericht der „New York Times“ weitere Veröffentlichungen verbietet, setzt Bradlee alles daran, an die Geheimdokumente zu kommen. Kay Graham muss die wichtigste Entscheidung in ihrem Leben treffen: Soll sie Bradlee grünes Licht geben, um gegen die Einschränkung der Pressefreiheit zu kämpfen, auf die Gefahr hin, dass der Börsengang, ja die Existenz der „Post“ in Frage gestellt wird?

Die „Pentagon-Papiere“ zählen neben der Watergate-Affäre zu den größten Politskandalen der USA. Steven Spielberg inszeniert den Film sehr klassisch nach dem Vorbild von Alan J. Pakulas „Die Unbestechlichen“ („All The President´s Men“, 1976) über die Aufdeckung des Watergate-Skandals. So setzt „Die Verlegerin“ nicht nur dem investigativen Journalismus, sondern auch den „alten“ Zeitungen ein Denkmal – von der Recherche über das Artikelverfassen mit der Schreibmaschine bis hin zum analogen Drucken der Zeitung wird der ganze Prozess detailgenau beschrieben. Außerdem ist Spielbergs aktueller Film auch das Porträt einer Frau, die über sich selbst hinaus wächst, auch wenn dies etwas zu vorhersehbar ausfällt. Trotz des unverkennbaren, von der Musik von John Williams teilweise kräftig unterstützten Spielberg-Pathos erweist sich „Die Verlegerin“ wegen seines Themas als ein durchaus sehenswerter Film.

Filmische Qualität:   4/5
Regie:Steven Spielberg
Darsteller:Meryl Streep, Tom Hanks, Sarah Paulson, Bob Odenkirk, Tracy Letts, Bradley Whitford, Bruce Greenwood, Matthew Rhys, Alison Brie, Michael Stuhlbarg
Land, Jahr:USA 2017
Laufzeit:117 Minuten
Genre:
Publikum:ab 12 Jahren
Einschränkungen:
im Kino:2/2018

http://upig.de/micro/die-verlegerin

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

NEUESTE ARTIKEL

Die Schöne und das Biest: Wie Anna Katharina Emmerick Clemens Brentano rettete

"Die Schöne und das Biest" ist nicht nur der Titel eines Disney-Märchens, sondern die Geschichte der Geschichten...

Für alle Synodal-Senioren: Finde Deinen passenden Rollstuhl für den Weg in den Abgrund

Die Tradition ist jung. Die Häresie ist alt. Der Synodale Weg ist wie ein gemischter Kirchenchor von...

Das Wunder von Mexiko: Unsere Liebe Frau von Guadalupe

"Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht; über denen, die im Land der...

Maßhalten und die Maß halten (Tugendserie 4/7)

Endlose Begeisterung und tobender Applaus brandet in der Halle auf. Endlich ist da jemand, der nicht nur...

Das katholische Priestertum in den Worten Pius' XI.

"Seit dem Tage, da Wir Uns durch den unerforschlichen Ratschluß der göttlichen Vorsehung auf dem höchsten Gipfel...

Die größte Provokation für den BDKJ im Erzbistum Köln

Ehemann, Vater, Katholik. Eine größere Provokation scheint es für den BDKJ nicht zu geben. Bei über 60...

Meist gelesen

- Advertisement -

Auch interessantÄHNLICHE ARTIKEL
für dich