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Für Christus alles geben – Bekenntnis zum Priesterzölibat

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Von Stefan Hartmann

Der Zölibat, das ehelose Leben von Männern und Frauen in der Nachfolge Jesu, wird kaum prinzipiell in Frage gestellt. Eheloses Leben ohne praktizierte Sexualität ist eine Option für viele, in allen christlichen Kirchen, ja sogar im Buddhismus. Große Beispiele gelungenen zölibatären Lebens wie ein Benedikt von Nursia, eine Hildegard von Bingen, ein Franz von Assisi, eine Katherina von Siena oder ein Charles de Foucauld stehen auch im 21. Jahrhundert leuchtend vor Augen. Keine Weltfremdheit oder Leibfeindlichkeit geht von ihnen aus.

Angefochten wird jedoch immer wieder und zunehmend aggressiv die Verknüpfung des Zölibates mit dem sakramentalen und amtlichen Priesterdienst. In Medien und von meist säkularisierten kirchlichen Gremien, ja sogar von einigen Bischöfen im Blick auf eine „Amazonas-Synode“, hört man immer wieder die Forderung oder den Wunsch nach der Weihe von „viri probati“ (bewährte ältere Männer) und der Entkoppelung von Zölibatsversprechen und Zugang zur Priesterweihe. So würde endlich auch eine „Doppelmoral“ beendet und dem gravierenden Priestermangel in den Gemeinden abgeholfen.

Verzicht um des Himmelreichs willen

Dogmatisch scheint vordergründig nichts gegen eine Änderung zu sprechen, es gibt ja gültig geweihte verheiratete Priester als Konvertiten aus der protestantischen und anglikanischen Kirche oder als unierte Priester der Ostkirchen. Aber das Thema Zölibat ist zu zentral, um rein pragmatischen, utilitaristischen oder gar populistischen Lösungen zugeführt zu werden. Es geht um nichts weniger als um die Identität der katholischen Kirche, das Verständnis ihres Glaubens und ihrer Sakramente – auch wenn dies biblisch zunächst nicht zwingend erscheint. Nicht Priestermangel, sondern Gläubigen- und Glaubensmangel ist das Problem der Kirche vor allem in westlichen Ländern.

Die Verbindung von Zölibat und sakramentalem Priestertum ist bei genauerem Hinsehen nicht nur „angemessen“ und den evangelischen Räten entsprechend, sondern hat objektiv mit der von Karl-Heinz Menke (Bonn) ausführlich beschriebenen „Sakramentalität“ der Kirche zu tun. Kurz nach seinem Amtsantritt verdeutlichte der heiliggesprochene Papst Johannes Paul II. den Willen der Kirche in einem „Brief an die Priester“ zum Gründonnerstag 1979. Er erwähnt mit Bezug auf populäre Zölibatskritik dem Evangelium und der kirchlichen Überlieferung „fremde Kriterien“, die sich, „was ihre anthropologische Zuverlässigkeit und Begründung angeht als sehr zweifelhaft und von nur relativem Wert [erweisen]“.

In Achtung vor anderen Traditionen anderer Kirchen schrieb er: „Die lateinische Kirche wollte und will weiterhin, dass nach dem Beispiel Christi, unseres Herrn, der apostolischen Lehre und der ganzen ihr eigenen Tradition alle jene, die das Weihesakrament empfangen, diesen Verzicht um des Himmelreiches willen auf sich nehmen“ (Abs. 8).

Existenz, die ins Feuer Christi geworfen ist

Eine freie Wahl zwischen ehelicher oder eheloser Lebensform der Priester als gleichwertige Alternativen kann die katholische Kirche nicht zulassen, wie Hans Urs von Balthasar 1973 in einem Münchener Vortrag „Zölibatäre Existenz heute“ festgehalten hat:

„Wenn Paulus sagt: ‚Ich wollte, es wären alle wie ich‘, ehelos, so meint er damit nicht zwei Eventualitäten, sondern zieht eindeutig die eine der beiden vor.

Es ist die Existenz, die als ganze ins Feuer Christi geworfen ist, die brennende Existenz, das glühende Eisen.

Die viri probati sind das kalte Eisen, sie mögen persönlich so eifrig sein, wie sie wollen. Der unverheiratete Hirte ist das heiße Eisen, das damit auch einzig imstande sein wird, das eigenen Glühen andern mitzuteilen“ (Pneuma und Institution, Einsiedeln 1974, 372).

Was diese Vorgaben theologisch bedeuten, kann mit dem Bonner Exegeten Heinrich Schlier (1900-1978), der zeitweise Schüler Martin Heideggers und Rudolf Bultmanns war und 1953 zur katholischen Kirche konvertierte, als „eschatologische Entschiedenheit“ gesehen werden. Im alltäglichen Leben ist das Eingehen einer monogamen Ehe, zu der normalerweise der Mann mit seinem Heiratsantrag den Anstoß gibt, und ihre bis zum Tod dauernde Unauflöslichkeit gleichsam eine „Privateschatologie“. Schlier, der selbst verheiratet und Vater von vier Kindern war, schrieb in dem Aufsatz „Das bleibend Katholische“ (in: Das Ende der Zeit. Exegetische Aufsätze und Vorträge III, Freiburg 1971, 297-320) von der Entschiedenheit Gottes in Christus, die er mit der Entschiedenheit des priesterlichen Amtes verbindet.

Es geht nicht um die subjektiv-passive Entscheidung eines Gelübdes, sondern um die aktive von der Kirche angenommene Entscheidung zum objektiven Dienstamt, in dem Gottes Entscheidung in Christus sakramental vergegenwärtigt und vermittelt wird.

Sich ganz in den Dienst für das Reich Gottes stellen

Der priesterliche Zölibat entspricht dem Prinzip der Entscheidung Gottes und wird für Schlier ihrer „eschatologischen Ungeheuerlichkeit“ gerecht: „Die Ehelosigkeit, gewiss ein Charisma, aber auch eine Entscheidung, stellt allein die objektive Möglichkeit dar, der Entscheidung Gottes in einem Stand existenziell gerecht zu werden. Sie ist auch die objektive Voraussetzung für die ungeteilte Sorge und den ungeteilten Dienst für die entschiedene Entscheidung Gottes. Gewiss kann diese objektive Möglichkeit subjektiv in das Gegenteil verkehrt werden und wird es leider oft und oft. Aber das ändert nichts an dem Sachverhalt, dass in ihr, also im Zölibat, die Entscheidung Gottes, die aller Dialektik des Lebens ein Ende setzt, so weit reicht, soweit entschieden ist, dass sie mit dem Stand ihrer amtlichen Diener ein Zeichen von sich gibt, das Zeichen, dass die Dialektik des Lebens beendet ist“ (307).

Der Priesterzölibat gehört wie die Bindung der Weihe an das männliche Geschlecht zum Wesenskern der katholischen Kirche und kann auch nicht „freigestellt“ werden. Gegen seine Entschiedenheit „erhebt sich die Welt und spiegelt jene Entschiedenheit wider“ (Schlier, 320). Wie das Kreuz Jesu ist der Priesterzölibat ein „Zeichen, dem widersprochen wird“ (Lk 2,34).

8 Kommentare

  1. Wenn es auf Ehelosigkeit und Ganzhingabe ankommt: warum dann bloß für Männer und nicht auch für Frauen?
    .
    Für mich (man verzeihe mir meine Offenheit) wirkt das unglaubhaft.

    • @Melani.
      Ganzhingabe an Gott für Frauen gibt es durchaus im (katholischen) Christentum:
      nämlich z.B. als Ordensfrau oder als gottgeweihte Jungfrau.

  2. Nicht nur für Sie, Melani!
    Auch für mich.
    Die Seelsorge vor Ort ist weithin zusammengebrochen.
    Aber davor verschließt man krampfhaft die Augen.
    Es geht ja schließlich nicht um den Menschen, sondern um Prinzipien.
    Leider!

  3. Und es ist eben doch vorrangig eine praktische Frage, bei aller „Hochgestemmtheit“ des Artikels. Wie alle hier wissen, hat auch die orthodoxe Kirche verheiratete Priester, und aus praktischen Gründen dann unverheiratete Bischöfe. Die katholische Kirche kann morgen verheiratete Priester generell zulassen, und verletzt damit kein Glaubensdogma. Ob sie es tun sollte, ist eine andere Frage.
    Die Apostel waren großteils verheiratet. Die Ehe ist ein Sakrament, im Gegensatz zu den aus dem Evangelium lediglich abgeleiteten „evangelischen Räten“. Das Priestertum ist ebenfalls ein Sakrament, mit oder ohne Zölibat. Das Judentum kennt keine verdienstliche Ehelosigkeit. Wer ehelos leben will, soll das tun. Es sollte nur nicht meinen, er käme dafür in den Himmel …

    • Einer der wesentlichen Gründe für die Berechtigung des verpflichtenden Priesterzölibats ist ja auch, daß er unkatholischen Vorstellungen entgegenwirkt.

      So ist

      >>Die katholische Kirche kann morgen verheiratete Priester generell zulassen, und verletzt damit kein Glaubensdogma.

      für sich genommen eine richtige Aussage, sonst könnte man ja auch vom Zölibat weder dispensieren noch in den Ostkirchen auf ihn verzichten.

      Und jetzt kommt das Aber.

      Wenn die Begründung dann nämlich sich so anhört
      >>Die Ehe ist ein Sakrament, im Gegensatz zu den aus dem Evangelium lediglich abgeleiteten „evangelischen Räten“. […] Das Judentum kennt keine verdienstliche Ehelosigkeit. Wer ehelos leben will, soll das tun. Es sollte nur nicht meinen, er käme dafür in den Himmel …

      dann ist ist *eben schon* ein Glaubensdogma verletzt. Die hier kaum verschleierte Behauptung, daß die Berufung zur Ehe – weil die Ehe ja ein Sakrament sei; oder weil man sich gefälligst wie ein anständiger Bürger zu benehmen habe; oder aus welchen Gründen auch immer – höher oder gleichwertig wie die Berufung zur Ehelosigkeit u. d. H. w. sei, ist ja nun nicht ganz neu: es handelt sich um eine verurteilte Häresie. Ist so.

      Der Glaube verlangt (mag sein) nicht, daß ein konkreter Priester ehelos ist, aber er verlangt sehr wohl, daß jeder Katholik, auch der verheiratete, und damit insbesondere jeder Priester *glaubt*, daß die Ehelosigkeit u.d.H.w. gegenüber der Ehe die *höhere* Berufung ist. (Dies immer als „ceteris paribus“ zu verstehen.)

      Und insofern ist die Ehelosigkeit natürlich auch eine verdienstliche Handlung, also durchaus auch eine, „für die man in den Himmel kommt“ (im Sinne der katholischen Verdienstlehre; sicher, man käme auch ohne sie hinein, aber Gott gefällt es, den Himmel auch als Belohung dafür zu gewähren).

    • alles richtig – trotzdem wurde meine Argumentation nicht ganz verstanden. Eine Kirche muss an der „Entschiedenheit“ festhalten – um der Offenbarung willen. Es ist eben nicht nur eine „praktische“ Frage, sondern eine christologisch-eschatologische

      • „Es ist eben nicht nur eine „praktische“ Frage, sondern eine christologisch-eschatologische“ (Dr. Stefan Hartmann).
        ……………………………………………………………………………………………………….

        Eben das bezweifle (nicht nur) ich!
        .
        Es geht eher um eine *Machtfrage*.
        Und ausgetragen wird das auf dem Rücken der Gläubigen.
        Immer weniger Priester, immer weniger Sakramente-Spendung: das beschleunigt den Untergang der katholischen Kirche.

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