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Banalität statt großer Schönheit? – Der Film „La Grande Bellezza“

Bild: The Cathwalk

Von Deborah Görl

Die Frage, ob Paolo Sorrentinos Film La Grande Bellezza (Die große Schönheit) ein banaler Film ist oder nicht, beschäftigt mich schon seit ich 2013 im Kino ein Werbeplakat von diesem gesehen habe.

Der Protagonist Jep Gambella wird zu Beginn des Filmes 65 – ein Ereignis, das gebührend gefeiert wird – und überraschenderweise muss er feststellen, dass eigentlich sein ganzes Leben, das er in der römischen mondänen Gesellschaft verbracht hat, ein großes Nichts war. Zwar hat er sein Ziel erreicht der König dieser Welt zu werden, aber ansonsten hat er sich gelangweilt, wie alle anderen auch: mal bei dieser Party, mal auf irgendeinem Empfang usw.

Klischeehafterweise fällt in die Zeit nach seiner Geburtstagsparty auch der ein oder andere Todesfall, wie der seiner Jugendliebe Elisa, was ihn natürlich durch die Erinnerung des allzeitnahen Todes noch mehr in seiner Auffassung, er hätte sein Leben vergeudet, bestätigt.

Rückbesinnung auf die Ideale der Jugend

Das Resultat seiner existentiellen Sinnkrise ist die Rückbesinnung auf die Ideale und Ambitionen seiner Jugend. Denn bevor er zum hartgesottenen Journalisten wurde, hatte er einigen Erfolg mit seinem ersten Roman gehabt. Bei einer Reise zum Wrack der Costa Concordia, über die er berichten soll, holen in seine Erinnerung an ein Treffen mit Elisa auf der Insel Giglio ein und er beschließt, dass nun die Zeit für einen neuen Roman reif sei.

Soweit so banal. Für so eine Story reicht auch das Überfliegen des Wikipedia-Artikels aus – möchte man meinen. Aber der Film ist dennoch sehenswert, weil es ihm gelingt zwar einerseits die Oberflächlichkeit des Mondänen einzufangen, aber andererseits einem durch die Darstellung des Ewigen Roms nicht an der Existenz von etwas, das über den Schein hinausgeht, zweifeln zu lassen. Dabei soll unter dem Begriff Ewiges Rom eine eigentümliche Mischung aus Monumentalität und Spiritualität gemeint sein.

Rom wird von seinen schönsten Seiten gezeigt

Das augenscheinlichste Grund sich la grande bellezza anzuschauen, ist seine Ästhetik. Es handelt sich einfach um ein herausragenden, handwerklich gut gestaltetes und detailreiches Werk: Rom wird von seinen schönsten Seiten gezeigt und bildet den Rahmen und gleichzeitig auch als roma aeterna den Kontrast zu Jeps schillerndem Leben.

Darüber hinaus ist es auch erfrischend zu sehen wie Jep seine Umgebung mit Gelassenheit demaskiert: So ist die gefeierte Performance-Künstlerin, die gegen eine Wand rennt, einfach nur ein Mensch, der sich hinter irgendwelchen wohlklingenden aber leeren, da sie nicht in der Lage ist sie im Interview mit Inhalt zu füllen, Begriffen versteckt um ihre 5 Minuten mediale Aufmerksamkeit zu erhalten und eine von Jeps Freunden keine Vordenkerin der Linken und Super-Mutter, sondern einfach nur ein überpriviligierter Mensch, deren Bücher ihre Legitimation eigentlich nur aus einem persönlichen Verhältnis zu einem führenden Parteimitglied erhalten und deren Kinder von der Nanny großgezogen werden.

Spannend ist an diesem Film auch die Art und Weise wie der Katholizismus dargestellt wird. Zwei dieser Darstellungen sollen beispielsweise erwähnt werden.

Kardinal und Kochrezepte

Zum einen hat man einen Kardinal, dem Jep immer wieder bei gesellschaftlichen Veranstaltungen über den Weg läuft. Dieser Kardinal, der einst ein bekannter Exorzist war, zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er ein passionierter Koch ist und ausschließlich über die Zubereitung von Gerichten spricht. Jep versucht einige Male mit diesem tiefgründigere Themen zu erörtern, doch das wehrt der Kardinal immer wieder ab. Schließlich gibt er auf, da er denkt, dass die Rezepte des Kardinals wohl weniger enttäuschend sind als alles andere was dieser von sich geben könnte.

Zum anderen hat man eine „Heilige“, die sehr stark an Mutter Theresa erinnert und die gerade Rom besucht. Das verstörende an der „Heilgen“ ist nicht sie selbst, denn ihre Inhalte scheinen niemanden sonderlich zu interessieren, sondern ihre Entourage, die unter anderem aus einen persönlichen Assistenten, der eine Art PR-Berater (?) zu sein scheint, besteht und die überschwängliche Anerkennung, die sie von den verschiedensten gesellschaftlichen Gruppierungen erfährt.

Das sind beides Phänomene, denen man in ähnlicher Ausprägung auch in der Realität begegnet, die jedoch letztlich auch nur Facetten derselben Oberflächlichkeit zeigen, die so oft in diesem Film dargestellt wird.

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