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„Der Papst und die Frauen“ – Ulrich Nersinger über Frauen in der Geschichte des Papsttums

Es gibt viele Geschichten über Frauen am Stuhl Petri. Bekannt sind Legenden, wie die über die "Päpstin Johanna" und wilde Spekulationen über Mätressen. Daneben gibt es auch Geschichten von heiligen Frauen, die das Leben der Päpste entscheidend prägten. Ulrich Nersinger unternimmt einen kirchenhistorischen Streifzug in 24 Episoden. Er unterscheidet dabei unterhaltsam historische Fakten von Fiktion. The Cathwalk gewährt einen Einblick:

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„Papst Johannes, der ‚war ein weib'“

„Papst Johannes, der ‚war ein weib'“, schreibt der Dominikaner Martin von Troppau 1277 in seiner Chronik über Päpste und Kaiser. Im 9. Jahrhundert, einem Zeitalter von sittlichem Verfall, Korruption und Mord soll sie regiert haben. Beweise gibt es nicht, stattdessen Widerlegungen von Gelehrten, Theologen und Historikern wie Blondel, Leibniz, Baronius und Döllinger. Insgesamt passt die Geschichte aber, wie Nersinger bemerkt, gut ins „saeculum obscurum“, in das dunkle Jahrhundert von 882 bis 1046 und nährt damit beste antipäpstliche Polemik und mediale Aufmerksamkeit.

Schwester Pascalina die Frau an der Seite Pius XII.

„Ich durfte ihm dienen“, betitelt Schwester Pascaline ihre Autobiographie. Damit deutet sie gleichzeitig ihre Jahre an der Seite Pius XII. In diesen Worten schwingt Schwärmerei und Bewunderung mit. Manche nennen Pascalina sogar „papessa“ – Päpstin. Und wie sieht es wirklich aus? „Über den päpstlichen Haushalt herrschte die Ordensfrau mit starker Hand“, schreibt Nersinger. Sogar die Länge der Privataudienzen und Kardinalsernennungen habe sie beeinflusst. „Wie ein Löwe“ (Bischof Lierde) habe sie über den Papst gewacht. Auch die Versetzung Montinis, des späteren Paul VI. von Rom zum Bischof von Mailand soll sie beteiligt gewesen sein. Ihr Wirken wird jedoch heute meist positiv gesehen, Skandale sind nicht bekannt.

Die Heilige, die den Papst ermahnt

Im Abendländischen Schisma (1378-1417) gab es zwischeneitlich 3 Päpste. Nersinger zeigt, dass eine Frau damals keine Angst hatte gegen die Missstände vorzugehen. Katharina von Siena (1347-1380) reist nach Avignon und ermahnt den Papst, er möge nach Rom zurückkehren. Während die Dolmetcher vor ihrer Direktheit erbleichen, ist der Papst beeindruckt und kehrt 1376 nach Rom zurück. Nach einer beschwerlichen Reise stirbt Gregor XI. 1378 in der Ewigen Stadt. Gregors Nachfolger, Urban VI., muss harte Kämpfe führen und holt Katharina von Siena nach Rom. Sie verteidigt den Papst, kämpft für ihn und bittet ihn um Mäßigung. Mit nur 33 Jahren stirbt Katharina von Siena, die Kämpferin für Papst und Kirche. 1461 wird sie heiliggesprochen, 1939 Schutzpatronin Italiens, 1999 von ganz Europa – zusammen mit Birgitta von Schweden und Edith Stein.

Die Tänzerin und Pius IX.

Eine weitere unterhaltsame Geschichte bietet Nersinger für das 19. Jahrhundert im Pontifikat Pius IX.: „Sie hat in ihren Beinen mehr Verstand als ihre Verehrer in den Köpfen“, so der Papst über die Tänzerin Fanny Elßler, die gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in Rom auftritt. Ihre Verehrer schenken ihr einen Lorbeerkranz, den sie verkauft, um Bedürftige mit dem Erlös zu unterstützen. Zuvor hat Pius IX. als Oberhaupt des Kirchenstaates erlaubt, dass Fanny Elßler in Rom auftritt: „Ich sehe darin nichts, was gegen die Ehre der Kirche oder die Sicherheit des Staates verstößt. An ihrer Stelle würde ich ihr aber statt des Kranzes ein Paar Sandalen schenken …“ Pius IX. dem viele Frauen „o, che bello – oh, was ein Hübscher“, zurufen, weiß durch Humor und Ironie zu unterhalten.

Zurück in die Gegenwart

In der letzten Episode des Buches macht Nersinger deutlich, dass die Rolle der Frau im Vatikan in Zukunft mehr gewürdigt werden soll. 2016 wurde im Vatikan eine Frauenvereinigung gegründet: „Donne in Vaticano, D.VA.“ – Frauen im Vatikan. Bereits 2015 machte Papst Franziskus deutlich, dass es ein Paradigma von Gegenseitigkeit in Gleichwertigkeit und Unterschiedlichkeit gebe. Mann und Frau seien beide notwendig, besäßen eine identische Natur mit eigenen Ausprägungen. Die Frau sei notwendig für den Mann und umgekehrt – „damit die Person wirklich zu ganzer Fülle gelangt“. Wie Franziskus betont, steht im Zentrum kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander von Mann und Frau.

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Ulrich Nersinger, Der Papst und die Frauen

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