Die Kirche braucht die Tradition

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Bild: Free-Photos - pixabay.com
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In der katholischen Tradition wird die Kirche auch als „Braut Christi“ bezeichnet. Allein schon deswegen ist klar, dass Christus seine Kirche niemals verlassen und aufgeben wird. Jede Sorge um die Kirche kann sich daher nur um ihr Blühen Gedanken machen, nicht aber um ihren Untergang – der ist unmöglich.

Wer aber will, dass die Kirche blüht, kommt an der Tradition nicht vorbei. Warum? Weil die Tradition eine Quelle der Offenbarung ist. Es gibt zwei Quellen der Offenbarung: Schrift und Tradition. Das Konzil von Trient spricht von der Tradition als „den ungeschriebenen Überlieferungen, welche von den Aposteln aus dem Munde Christi selbst empfangen, oder (2 Thess 2,14) von diesen Aposteln, unter Eingebung des Heiligen Geistes, gleichsam von Hand zu Hand überliefert worden und bis zu uns gekommen sind“. Daher sieht das Konzil Gott als Urheber der Bibel und der Tradition.

Tradition meint nicht einfach jede Gewohnheit in der Kirche, sondern, wie das Konzil von Trient lehrt: „Überlieferungen … welche den Glauben [und] die Sitten betreffen“.   – Artikel „Tradition“, kathpedia.com.

Gott wirkt in der Geschichte und der Kirche von Anfang von. So sagt der Katechismus: „Die Überlieferung [oder Tradition], von der wir hier sprechen, kommt von den Aposteln her und gibt das weiter, was diese der Lehre und dem Beispiel Jesu entnahmen und vom Heiligen Geist vernahmen. Die erste Christengeneration hatte ja noch kein schriftliches Neues Testament, und das Neue Testament selbst bezeugt den Vorgang der lebendigen Überlieferung.“ – Katechismus der katholischen Kirche.

Das Christentum ist keine Buchreligion, sondern eine inkarnatorische. Das Christentum ist die größte Hoffnungsreligion der Menschheitsgeschichte, es ist die Religion in der Gott selbst Mensch wird, um uns alle zu erlösen und zu befreien. Christus ist zum neuen Adam geworden, um unser Schicksal auf ewig zu ändern.

Weil Gott Mensch geworden ist, ist er in Zeit, Raum und Geschichte eingegangen. Die Tradition ist nun genau die lebendige Fortführung des inkarnatorischen Geschehens: Gottes Herrlichkeit breitet sich immer weiter aus. Sie entfaltet sich in der Geschichte, ohne dabei zu brechen oder zu stürzen.

Die Tradition in der Theologie

Man kann Theologie nicht einfach erfinden, wie es einige postmoderne Ansätze meinen, die vergessen haben was Wahrheit ist. Theologie ist nur dann wahr und kein dummes Geschwätz, wenn sie sich ganz als Beschäftigung mit der Offenbarung Gottes versteht. Theologie ist nicht „ich will“, „ich fühle“, „ich meine“. Theologie ist die „Wissenschaft des Gottesheils, das in Jesus offenbar wurde“ (Bernhard Welte). Theologie erschließt sich nur, wenn man glaubt und hört.

Was in der Tradition vorhanden ist, ist eine Theologie, die den Glauben vernünftig macht. Die Tradition hat jene Metaphysik und Frömmigkeit vorzuweisen, die ein intellektuell vertretbarer Glaube braucht. Thomas von Aquin hat mit der Scholastik einen theologischen Weg aufgezeigt, der alles andere übersteigt. In der Scholastik vermählen sich griechische Philosophie mit christlichem Glauben. Am Ende steht eine Theologie, die allen Stürmen standhält – und durch jeden Zweifel tragen kann.

Von Thomas von Aquin stammt der Satz: „omne verum a quocumque dicatur a Spiritu Sancto est“ – Jede Wahrheit, von wem auch immer sie gesprochen wird, ist vom Heiligen Geist“. Dieser Satz macht eindrücklich klar, dass der aufrechte Christ niemals Angst vor der Wahrheit haben muss. Wir glauben, dass die Wahrheit uns befreit (Joh. 8,32) und wir glauben an einen Gott, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist (Joh. 14,6).

Die Tradition ist notwendig für den Glauben

In der Tradition wird nun jene Wahrheit offenbar, die sonst verborgen geblieben wäre, die wir aber von Gott erhalten haben und für unseren Glauben brauchen. Was im Glauben geworden ist, kann nicht einfach aufgegeben und über den Haufen geworden werden. Der Glaube darf nicht einfach der eigenen Vorstellung preisgegeben werden. Was wir glauben, haben wir empfangen. Was wir im Glauben empfangen haben, müssen wir bewahren.

Unsere Gebete, unsere Liturgie, unser religiöses Leben ist nicht unserem Belieben anheimgestellt. Der Glaube ist wahr, wenn er der Schrift und der Tradition entspricht – weil er sich dann auf die Offenbarung Gottes berufen kann. Er ist falsch, wenn er sich selbst zum Maßstab macht – weil er sich dann nicht auf Gott, sondern nur aufs Ego berufen kann.

Tradition ist das, was trägt, was sich bewährt hat. In der Tradition sind wir mit allen Heiligen der Kirche verbunden – angefangen bei den Aposteln bis hinein in unsere Gegenwart und Zukunft.

Es ist nicht verwunderlich, wenn heute Kirchen abgerissen und Seminare geschlossen werden: Wenn die Fundamente zerschlagen werden, stürzt alles ein. Es braucht die Umkehr, die Umkehr zur Tradition.

Siehe auch: Die Tradition ist die Zukunft der Kirche

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