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Die Tradition ist die Zukunft der Kirche

Bild: DomyD / pixabay.com

Wenn man über die Kirche spricht, spricht man über eine sterbende. Das sagt man unter Tränen und in Trauer, wenn man die Kirche liebt. Doch man muss es sagen, wenn man sie liebt. Denn nur wenn man die Wahrheit zulässt, sucht man ein Heilmittel.

Gleichzeitig muss man nicht verzweifeln, denn Christus hat seine Kirche gegründet und ihr ein Versprechen gegeben: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen“ (Matthäus 16, 18). Damit ist aber nichts über die Größe der Kirche gesagt, sondern nur, dass sie als Ganzes nicht untergehen wird. Dass die bleibende Kirche aber kleiner werden wird, erfahren Christen in Europa jeden Tag.

Ein historisch einzigartiger Glaubensabfall

Nie zuvor in der 2000-jährigen Geschichte des Christentums hat es eine Situation wie die heutige gegeben: Junge Menschen werden zu Millionen getauft und gefirmt und zu Millionen treten sie aus der Kirche aus und halten Glauben für lächerlich, für ein Zeichen der Schwäche, für etwas Abstoßendes. Wer cool ist, glaubt nicht, wer stark ist, braucht keinen Gott. Wer „aufgeklärt“ ist, hält sich selbst für den Herrn und Souverän.

Viele sehen die Kirche als eine Verhinderin von Spaß, Lust und Freiheit. Wo ist der missionarische Eifer, der diesen Positionen die Wahrheit Christi lehrt? Die moderne Theologie scheint zu schwach, um der Sünde bessere und schönere Wege entgegenzusetzen.

Die Ehelehre wird kaum noch befolgt und über das Priestertum schreibt die New York Times: Es werde eine „gay profession“, ein Beruf für Schwule.

Wer sich heute als junger Mensch an die Lehre der Kirche halten will, erfährt Einsamkeit und schiefe Blicke. Gut, wenn ihm in der Kirche der Glaube nicht ausgeredet und die Sünde nicht gutgeheißen wird. Es herrschen Verwirrung und Unwissen über das vor, was doch das Wichtigste und Heiligste sein sollte.

Der Glaube wurde weitgehend aufgegeben

Was ist die Ursache? Sicher ist der gegenwärtige Wohlstand eine Ursache der Krise. Er ermöglicht die falsche Vorstellung, man könne das Paradies auf Erden errichten und alles andere sei unwichtig.

Theologisch-kirchlich kommt hinzu, dass die Kirche ihre Lehre aufgeweicht hat. Junge Menschen werden nicht mehr darüber unterrichtet was die Ehe ist und Priesterkandidaten und Priester wissen nicht mehr, was ein Priester ist. Über Christus, ohne den niemand gerettet werden kann, wird nicht mehr in der nötigen Ernsthaftigkeit und Konsequenz gepredigt. Der Himmel wurde ins Nebulöse verbannt und die Hölle wegpsychologisiert.

Die Kirche erhält dann Priester, die diesen heiligen Weg nicht aus Berufung, sondern aus Bequemlichkeit und Nutznießerei gehen.

Das Priestertum wird dann erstrebenswert für Fans des Klerikal-Lifestyles, oder, wie die New York Times schreibt, zu einem Beruf für Schwule. Sie können als Priester einen Weg jenseits des Outings und der Scheinehe gehen. Schwul, ohne als schwul zu gelten. Den Kollarträger fragt man nicht nach seiner Orientierung.

Welche guten Gründe gibt es heute für Heterosexuelle, um Priester zu werden? Warum auf Frau, Kinder und Sexualität verzichten? Keine „gay profession“ ist das Haar einer Frau wert.

Heterosexuelle Männer werden kaum noch Priester, weil die notwendigen Bestandteile des Priestertums: das Opfer, die Hingabe, die Erlösung nicht mehr gelehrt werden oder keinen Wert mehr haben. Wer gibt schon sein Leben für etwas, das keinen Wert hat?

Nur in der Tradition bleibt die Kirche bestehen

Der Priester kann nicht bestehen als postmodernes Nichts, in Messen, in denen er zur Witzfigur oder zum Entertainer wird. Das Priestertum kann nur bestehen, wenn Priester auch nachkonziliar umsetzen, was Christus ihnen vorkonziliar anvertraut hat: die heilige Messe würdig zu feiern und die Sakramente zu spenden und so das Heil des Gottesvolkes zu erwirken. Das ist eine Berufung, eine Gnade und eine Aufgabe, die größer und mächtiger ist als der gesamte Glanz aller Hollywood-Helden.

Vor allem die Alte Messe zeigt, dass die Messe kein triviales Unterhaltungsprogramm ist, sondern, dass hier etwas Heiliges geschieht: die Erlösungstat Christi wird vergegenwärtigt. Der Himmel wird auf die Erde geholt. Wo ist das besser bewahrt geblieben als in der Tradition?

Einige meinen, dass es noch andere Optionen gibt, die aus der Krise führen. Aber glaubt denn ernsthaft jemand, dass händeschwingende Lobpreisbewegungen und charismatische Emotionensregungen eine echte Glaubensgrundlage sein können? Man kann den Ernst des Lebens nicht weglobpreisen und man kann das Leid nicht wegbeten. Eine tragende Theologie findet sich hingegen in der Tradition.

Man braucht sich nichts vorzumachen: Die Piusbruderschaft und die Petrusbruderschaft zusammen mit anderen traditionell ausgerichteten Gemeinschaften werden bald mehr Priesterweihen in Deutschland zu verzeichnen haben als alle deutschen Bistümer zusammen. Das müsste allen Bischöfen schlaflose Nächte bereiten. Denn die diözesanen Seminare sind leer, die Familien kinderarm, die Jugendlichen nicht da. Die Wahrheit kann wehtun, aber sie muss gesagt werden.

Der Weg der Erneuerung beginnt auf Knien. In der Anbetung des Geheimnisses Gottes. Die Vernunft und die Erfahrung zeigen, dass alle modernen Experimente gescheitert sind. Wenn nicht noch mehr Kirchen abgerissen oder geschlossen werden sollen, führt an der Umkehr zur Tradition kein Weg vorbei.

Siehe auch: Die Rückkehr der Tradition bei jungen Menschen

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2 Kommentare

  1. Jens Freiling 3. Oktober 2018

    Die Kirche kann nicht „sterben“. Das würde dem Dogma ihrer Indefektibilität wiedersprechen. Dieses besagt allerdings nicht, dass die Kirche überall auf der Welt, wo sie einmal historisch eingewurzelt wurde, notwendigerweise fortbestehen muss. Und auch da, wo sie besteht, ist damit weder eine zahlenmäßige Mindestgröße, noch erst recht ein gesellschaftlich-politischer Einfluss zugesichert. Die Kirche kann also durchaus in die Katakomben zurückkehren, jede Form Konstantinischer Wende wiederum umgekehrt werden und auch nur eine zahlenmäßige Minderheit Gläubige der Kirche sein, ohne dass das Dogma von der beständigen Geschichtsdauer der Kirche verletzt oder widerlegt würde.

    Sondann ist zu sagen, dass die traditionsorientierten Gruppierungen, Pius- u. Piusbruderschaft und ihr Umkreis, sicherlich eine stärkere Vitalität als der Mainstream besitzen, aber ebenso sicher nicht in volkskirchliche Breite ausstrahlen. Das bringt immer die Gefahr mit sich, mentalitätsmäßig zur religiösen Sondergruppe zu werden.

    Auch wenn man einen Begriff von Tradition ablehnt, in dem er praktisch nur Platzhalter für das wird, was das jeweils aktuelle Lehramt als Tradition behauptet, muss man dennoch genauso sehen, dass das, was heute bei Sedisvakantisten, Piusbruderschaft und Ecclesia-Dei-Gemeinschaften fortlebt, theologisch strenggenommen nicht „die Tradition“ der Kirche ist, etwa im Sinne der Glaubensquelle neben jener der Heiligen Schrift, sondern eher (und da werden die Nuancen, die die genannten Gruppen voneinander abgrenzen, zweitrangig) e i n e theologische und auch (kirchen-)politische Strömung, die es vom 19. Jahrhundert bis maximal 1950 a u c h gegeben hat. Das Paradoxe daran ist, dass sie vielleicht sogar ausschlagebend war für die Möglichleit eines Vaticanum II und die „traditionalistische Opposition“, die sich schon währenddessen abgezeuchnet und danach formiert hat.

    • Jens Freiling 3. Oktober 2018

      Widersprechen natürlich.

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