Kardinal Frings und das römische Köln: Pläne eines Anti-68ers

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Der Rhein und der Kölner Dom. Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Der Rhein und der Kölner Dom. Bild: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Köln oder München – welche Millionenstadt ist katholischer? Noch vor wenigen Jahrzehnten hätte man diese Fragen stellen können. Heute ist München mehrheitlich konfessionslos und auch in Köln ist nur noch gut ein Drittel katholisch – auf dem Papier.

Dabei hat das Nachkriegsköln nach der Terrorherrschaft der heidnischen Nazis ganz anders angefangen. Links und rechts lagen Trümmer und die Kölner feierten Feste: 1947 gab es eine epochale Fronleichnamsprozession und 1948 träumte Kardinal Frings zur 700-Jahr-Feier des Kölner Doms von der Auferstehung des christlichen Abendlandes.

Köln sollte Rom am Rhein werden: katholisch, sozial, gemütlich. Man interessierte sich mehr für Wein als für Wissenschaft und schätzte Brauchtum höher als autistischen Individualismus. Für den Kardinal war das Mittelalter Maßstab: Papst, Kaiser, Heiliges Römisches Reich. Aber nichts davon kam zurück. Im Gegenteil, mit der Zunahme des Wohlstands trat ein giftiges Ideal in den Vordergrund: aus dem abendländischen Köln wurde ein kommerzielles.

Frings protestierte gegen die zunehmende Kapitalisierung: gegen die Arbeit am Sonntag, das kommerzielle Fernsehen, den Irrglauben des Fortschritts, die Vergötzung des Körpers und alle weiteren Dinge, die wirtschaftliche Interessen über die abendländische Kultur und die Würde des Menschen stellten. Auch mit der CDU legte er sich an, wenn es um soziale Fragen und die gerechte Verteilung des Eigentums ging.

Dann kam das Konzil. Der Conservator Coloniensis entdeckte den Rebell in sich und polterte gegen das Offizium. Zwei Blinde im Hahnenkampf: Frings gegen Ottaviani – beide hatten eine Augenkrankheit. Frings wollte Reformen, gekommen ist der „Geist des Konzils“, die „Neue Messe“ und die 68er. Statt einer Kulturentwicklung gab es einen Kulturbruch. Alles nicht in seinem Sinne. Sein Traum von Köln wurde im Rhein versenkt und im Tiber ertränkt. Das Gute ist: versunkene Schätze kann man bergen. Es es gibt einen Ort, an dem sein Traum weiterlebt: in der Alten Messe.

Siehe auch:

Deutsche Welle: Kardinal Frings – DER SPIEGEL 50/1963

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