Gregor XVI. und der Highway to Hell

Gregor XVI. und der Highway to Hell

Was hat Gregor XVI. mit ACDC zu tun? Viel, wenn es um die Hölle geht. Es geht um einen Kampfplatz zwischen Wahrheit und Irrtum. Er beginnt in einer anderen Zeit.

Es war einmal der Kirchenstaat. Es war einmal die Vormoderne ohne Eisenbahn, Religionsfreiheit und Charles Darwin. Es war zu der Zeit, als der Mensch noch nicht vom Affen abstammte, sondern von Gott. In jener Zeit wurde aus dem Kamaldulenser Fra Mauro Papst Gregor XVI., im Jahre des Herrn 1831, im Pleistozän der Kirchengeschichte. Als solches kann man diese vergessene Welt tatsächlich bezeichnen, wirft man einen Blick auf die Gegenwart. Die Sedimente der Tradition liegen tief, für viele sind sie nicht mehr sichtbar, aber das Archiv der Ewigkeit wird immer einen Weg nach oben finden.

Gregor XVI. verurteilte nicht nur die Eisenbahn in bester Polemik als „Wege des Teufels“, weil er revolutionäre Unruhen fürchtete, sondern schrieb umfassende Enzykliken, in denen er moderne Freiheitsrechte als Wege zur Hölle beschrieb. Anders als bei ACDC fürchtete man damals noch den Highway to Hell. Man wollte Deus statt Diabolus. Den Durcheinandewirbler lernte man ausführlich im Wahnsinn der Französischen Revolution kennen. Massenmorde und Krieg wollte niemand mehr. Der Papst warnte unablässig vor schwärmerischen Träumen und stellte einem John-Lennon-Liberalismus die anthropologischen Weisheiten von Augustinus und Thomas von Aquin gegenüber. Auch der Sklavenhandel wurde von Gregor, wie von seinen Vorgängern verboten – wenngleich das kaum politische Konsequenzen hatte (Apostolisches Schreiben In supremo Apostolatus fastigio). Unerreicht ist die Enzyklika Mirari vos von 1832, ein kurzes theologisches Werk, eine Polemik gegen Religions- und Meinungsfreiheit. Es stellt der Gleichgültigkeit der Moderne die Heilswahrheiten der Kirche gegenüber: „Aber was für einen schlimmeren Tod kann es für die Seele geben als die Freiheit des Irrtums?“

Es ist der Grundkonflikt zwischen Moderne und Tradition, der sich hier auftut. Die Tradition argumentiert mit der Wahrheit, die erkennbar sei und zum Heil führe, während die Moderne mit der Person argumentiert, die die Wahrheit erst für sich finden müsse. Die Moderne steht der Wahrheitsfrage entweder gleichgültig gegenüber oder leugnet, dass eine metaphysische Wahrheit erkennbar sei.

Die Enzyklika Mirari vos

Ausführlich nimmt Gregor in Mirari vos dazu Stellung:

„Nun kommen Wir zu einer weiteren mächtigen Ursache von Übeln, unter denen zu Unserem Schmerz die Kirche heute so schwer leidet. Wir meinen die Gleichgültigkeit, den Indifferentismus, jene verkehrte Ansicht, die durch die Hinterlist der Bösen überallhin verbreitet wurde, man könne durch jedes beliebige Glaubensbekenntnis das ewige Heil erlangen, wenn das sittliche Leben sich nur an der Norm von Korrektheit und Anständigkeit orientiere. Doch werdet Ihr mit Leichtigkeit in einer so klaren und eindeutigen Sache diesen äußerst verderblichen Irrtum von dem Eurer Sorge anvertrauten Volk fernhalten. Der Apostel belehrt uns, dass es nur einen Gott, einen Glauben, eine Taufe gibt.

Zurückschrecken sollen jene, die da behaupten, jedes Glaubensbekenntnis eröffne gleicherweise den Weg zur Pforte der Seligkeit, und sie sollen gemäß dem Zeugniswort des Erlösers bedenken, dass gegen Christus ist, wer nicht mit Christus ist, dass unheilvoll zerstreut, wer nicht mit ihm sammelt, dass ohne Zweifel ewig verloren geht, wer nicht am katholischen Glauben festhält und ihn unversehrt und unverletzt bewahrt. Mögen sie Hieronymus hören, der – wie er erzählt – zur Zeit, als die Kirche durch Glaubensspaltung in drei Teile zerrissen war, jedem, der ihn auf seine Seite bringen wollte, in fester Entschlossenheit unermüdlich zugerufen hat: „Wer mit dem Stuhle Petri verbunden ist, der ist mit mir. Falsche Illusionen würde aber einer hegen, der sagte, auch er sei im Wasser wiedergeboren. Ihm würde das Wort des hl. Augustinus gelten: „Dasselbe Aussehen hat auch eine Rebe, die vom Weinstock abgeschnitten ist; aber was nützt ihr das Aussehen, wenn sie nicht von der Wurzel lebt?

Aus der Quelle dieser verderblichen Gleichgültigkeit fließt jene törichte und irrige Meinung, oder noch besser jener Wahnsinn, es sollte für jeden die „Freiheit des Gewissens“ verkündet und erkämpft werden. Diesem seuchenartigen Irrtum bereitet jene absolute und maßlose Freiheit der Meinungen den Weg, welche sich zum Schaden der kirchlichen und bürgerlichen Sache weitherum verbreitet. Dabei gibt es manche, die mit größter Unverschämtheit behaupten, dass die Religion aus ihr gewisse Vorteile ziehe. „Aber was für einen schlimmeren Tod kann es für die Seele geben als die Freiheit des Irrtums?““, sagte Augustinus.

Denn wenn der Zügel zerrissen ist, mit dem die Menschen auf den Pfaden der Wahrheit gehalten werden, dann stürzt ihre ohnehin zum Bösen geneigte Natur rasend schnell in den Abgrund, und Wir sehen wahrhaftig den Höllenpfuhl offen, aus dem Johannes den Rauch aufsteigen sah, der die Sonne verfinsterte, und aus dem Heuschrecken hervorgingen und sich über die ganze Erde verbreiteten. Denn aus jenem Irrtum kommt die geistige Labilität, aus ihm die immer größere Verderbnis der Jugend, aus ihm geht ins Volk die Verachtung der Heiligtümer, der heiligsten Dinge und Gesetze, aus ihm fließt mit einem Wort eine Seuche, die für das öffentliche Leben todbringender ist als jede andere. Die Erfahrung bezeugt es und seit uralter Zeit weiß man es: Staatswesen, die in Reichtum, Macht und Ruhm blühten, fielen durch dieses eine Übel erbärmlich zusammen, nämlich durch zügellose Meinungsfreiheit, Redefreiheit, Neuerungssucht.“

Die ganze Enzyklika: http://www.kathpedia.com/index.php/Mirari_vos_(Wortlaut)

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