Synodale Experimente oder Kirche Jesu Christi?

Synodale Experimente oder Kirche Jesu Christi?

Von Thorsten Paprotny

Das Bistum Hildesheim stellte vor wenigen Jahren die 1.200-Jahr-Feier der Diözese unter das effektvolle Motto „Ein heiliges Experiment“. Einige staunten darüber und freuten sich. Andere fragten sich: Gott würfelt nicht, hatte Albert Einstein gesagt. Aber macht er mit uns heilige Experimente?

Heute verweist die sympathische Kirche von Hildesheim auf die Homepage „Synodaler Weg“. Dort können wir wieder das Staunen lernen: Die Kirche zeigt Gesicht. Oder viele Gesichter. Ein Mosaik aus Porträts entsteht, noch effektvoller als das Hildesheimer Motto aus dem diözesanen Jubeljahr. Doch waren Katholiken früher denn unsichtbar? Wir alle werden eingeladen, uns zu bekennen. Zum Synodalen Weg. Wollen Sie auch mit dabei sein? Das Synodale Motto lautet: „Für eine sichtbare Kirche – laden Sie Ihr Porträtfoto hoch und werden Sie Teil des Synodalen Weges.“

Nun, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, brauchen wir nun wir eine Gegen-Homepage mit den Porträtfotos von all jenen normalen Katholiken, Bilder von den Opponenten und Skeptikern, also von der außersynodalen Opposition? Ich glaube nicht. Wir sind nämlich bloß Katholiken und keine Partei. Wir ziehen das Gebet jeder Diskussion vor. Wir gehen also nicht demonstrativ auf die Straße, sondern einfach nur in die Kirche. Unser Weg ist kein Synodales Experiment, sondern Christus. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Hat er nämlich selbst gesagt. Wer sucht, der findet: Joh 14,6. Die anstößige Wahrheit des Glaubens ist auch nicht die Lebenswirklichkeit, sondern einzig der gekreuzigte und auferstandene Herr.

Schon der Apostel Paulus warnte vor Entzweiungen und Parteiungen in der jungen Kirche. Er verkündete nicht die pralle Buntheit der Beliebigkeit, sondern die leuchtende Wahrheit des Glaubens. Und auch ein Kardinalpräfekt warnte, wie Paulus, vor Parteiungen. Er predigte im Jahr 1990 darüber. Sie kennen ihn alle. Sein Name ist Joseph Ratzinger. Er fragte damals: „Christuspartei oder Kirche Jesu Christi?“ Eine berechtigte Frage, finden Sie nicht auch?

Kardinal Ratzinger stellte ernste Fragen: „Was ist eigentlich das Falsche an unserem Verhalten? Was müssen wir tun, damit wir nicht Partei des Paulus oder des Apollos oder des Kephas oder eine Christuspartei, sondern Kirche Jesu Christi werden?“ Christus sei weder „Parteiengründer“ noch „Religionsphilosoph“. Der Herr ist auch nicht als König der besten Absichten gekreuzigt worden. Er brauchte weder eine Marketingagentur noch eine Rhetorikausbildung. Die Kirche ist, so sagte Kardinal Ratzinger 1990, „kein Club, keine Partei, auch nicht eine Art von religiösem Staat im weltlichen Staat, sondern ein Leib – sein Leib“. Er führt weiter aus: „Je mehr wir in der Kirche selber machen, desto unwohnlicher wird sie. … Die Kirche wird umso mehr Heimat des Herzens für die Menschen sein, je mehr wir auf ihn hören und je mehr das in ihr zentral ist, was von ihm kommt: sein Wort und die Sakramente, die er uns gegeben hat. Der Gehorsam aller gegen ihn die Gewähr unserer Freiheit.“[1]

Und wenn Sie noch ein schönes Weihnachtsgeschenk suchen, für sich selbst oder für Ihre Lieben, verzichten Sie auf synodale Experimente. Wünschen oder gönnen Sie sich stattdessen etwas wirklich Gutes: Das Regensburger Institut Papst Benedikt XVI. hat drei Bände mit Predigten von Joseph Ratzinger herausgegeben. Zugegeben, diese Bücher haben ihren Preis und auch Gewicht – in jeder Hinsicht –, aber die drei Bände werden Sie persönlich sehr bereichern. Sie werden auch noch mit Freude darin lesen, wenn der „Synodale Weg“ längst zu einem Teil der deutschen Ortskirchengeschichte geworden ist. Also empfehle ich Benedikts Predigten zur Lektüre, heute und morgen. Glaubensvertiefungen wie diese werden dringend gebraucht.   

Joseph Ratzinger: Predigten. Homilien – Ansprachen – Meditationen


[1] Joseph Ratzinger: Christuspartei oder Kirche Jesu Christi?, in: Gesammelte Schriften Bd. 8/2, Freiburg im Breisgau 2010, 1354-1359.

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