Erinnern Sie sich noch an den „Synodalen Weg“?

Erinnern Sie sich noch an den „Synodalen Weg“?

Von Thorsten Paprotny

In einigen europäischen Nachbarländern greifen bereits bei Versorgungsengpässen in Krankenhäusern sogenannte „Triage“-Verfahren: Welcher Patient wird noch an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden – und welcher nicht? Und wie würden Sie entscheiden? Wenn Sie auch sprach- und ratlos sind in Anbetracht solcher Fragen, schauen Sie sich an, was der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff und die Regensburger Philosophin Weyma Lübbe dazu sagen.

Die Corona-Pandemie ist Verhängnis und Heimsuchung, vor allem die bestimmende Lebenswirklichkeit für uns alle und die unübersehbare Leidenswirklichkeit für sehr, sehr viele Menschen weltweit. Vor wenigen Wochen waren noch andere Themen medial bestimmend, im Raum der Kirche in Deutschland, aber auch in der interessierten Öffentlichkeit. Erinnern Sie sich noch an den Auftakt zum „Synodalen Weg“? Einige hegten beharrlich geistliche Erneuerungswünsche, vor allem aber wurde die synodale Reformationsagenda präsentiert und diskutiert. Natürlich hatte niemand die Absicht, sich vom Papst und der römisch-katholischen Kirche abzuwenden. Warum aber wurde dann das von Franziskus, von etlichen Bischöfen, darunter Kardinal Woelki und Bischof Voderholzer, und zahlreichen ganz normalen Katholiken gewünschte Thema „Evangelisierung“ nicht zu einem Schwerpunkt?

Vor wenigen Tagen erklärte das „Synodal-Präsidium“ nach einer Videokonferenz, „dass angesichts der Corona-Pandemie derzeit andere Themen weit mehr Beachtung finden als konkrete Fragen zum Synodalen Weg“. Mit großem Ernst wurde bekräftigt, dass die „vier zentralen Themen des Synodalen Wegs“, also „Macht, Sexualmoral, priesterliches Leben und Rolle der Frauen“, weiter wesentlich seien. Von der Videokonferenz des Präsidiums sollte niemand Denkanstöße oder neue Überlegungen erwarten. Wissen Sie schon, was Sie im September vorhaben? In Frankfurt soll planmäßig die Versammlung des „Synodalen Weges“ stattfinden. Von heute aus gesehen denke ich: Der September 2020 ist noch sehr, sehr weit weg.

Befürworter, aber auch Kritiker des Synodalen Weges könnten in diesen sehr besonderen Tagen während der Pandemie zu allen Themen, die noch im Januar in Frankfurt virulent zu sein schienen, ehe das Virus dieses Land und die Welt veränderte, ihre Thesen und Themen neu bedenken sowie Publikationen jeglicher Art erstellen. Ob das nötig ist, weiß ich nicht. Schärfer formuliert: Mir ist das auch wirklich egal. Ich denke daran, dass in vielen Krankenhäusern in Europa unvorstellbare Entscheidungen getroffen werden: Wird dieser Patient weiter beatmet oder nicht? Ich glaube weiterhin beharrlich, dass die Erneuerung der Kirche in Christus und geistliche Vertiefungen notwendig sind, und ich bleibe fest davon überzeugt, dass das Bekenntnis zum Credo der Kirche immer ausgereicht hat und immer ausreichen wird. Das Credo bezeichnet alle meine Wege in dieser Zeit, in der viele von uns auch neu über Sterben und Tod nachdenken. Bedenkenswert ist, was der Philosoph Robert Spaemann dazu 2014 in einem Interview mit Paul Badde gesagt hat (Video unten). Auch er blieb bis zu seinem Tod 2018 fest verwurzelt im Glauben und im Credo der Kirche. Der Apostel Paulus schreibt im Brief an die Römer: „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben  oder ob wir sterben, wir gehören dem Herrn.“

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