Das Erste Vatikanische Konzil und die Unfehlbarkeit des Papstes

Das Erste Vatikanische Konzil und die Unfehlbarkeit des Papstes

Früher konnten Katholiken die Süddeutsche nur lesen, wenn sie Masochisten waren. Ab jetzt aber auch, wenn sie Humor haben. Neuste Lachnummer: Der Artikel „Der Sündenfall“ über das Erste Vatikanische Konzil und die Unfehlbarkeit des Papstes. Das Bild zeigt den falschen Papst (Pius X. statt Pius IX.) und absolutes Unwissen über das Dogma der Unfehlbarkeit und die katholische Kirche im Allgemeinen.

Also Zeit für den Cathwalk, um für Aufklärung zu sorgen. Das Erste Vatikanische Konzil fand vom 8. Dezember 1869 bis zum 20. Oktober 1870 statt. Wie der Name schon sagt, war der Austragungsort der Vatikan. Es wurde am 20. Oktober 1870 unterbrochen, weil Truppen der italienischen Nationalstaatsbewegung (Epoche des Risorgimento) in Rom einzogen. Das Konzil wurde daraufhin auf unbestimmte Zeit verlegt und nie wieder einberufen. Es hat davor zwei Dokumente erlassen, in denen Dogmen verkündet wurden:

  1. Die Dogmatische Konstitution Dei filius vom 24. April 1870
  2. Die Dogmatische Konstitution Pastor aeternus vom 18. Juli 1870

Die wichtigste Aussage aus Dei filius ist die Erkennbarkeit Gottes mit der Vernunft und Offenbarung. Wörtlich lehrt die Konstitution:

„Dieselbe heilige Mutter Kirche hält fest an der Lehre: der Mensch kann Gott, den Ursprung und das Endziel aller Dinge, durch das natürliche Licht seiner Vernunft aus den geschaffenen Dingen mit Gewissheit erkennen. ‚Denn das Unsichtbare an ihm erschaut der denkende Verstand seit Erschaffung der Welt in seinen Werken.‘ (Röm 1,20) Indes hat es der Weisheit und Güte Gottes gefallen, sich selber und die ewigen Ratschlüsse seines Willens dem Menschengeschlecht auch auf einem andern, dem übernatürlichen Weg zu offenbaren, nach dem Wort des Apostels: „Wiederholt und auf mannigfache Art hat Gott einst in den Propheten zu den Vätern gesprochen; zuletzt hat er in diesen Tagen in seinem Sohn zu uns geredet.“ (Hebr 1,1.2) Dieser göttlichen Offenbarung ist es auch zu danken, dass im gegenwärtigen Zustand des Menschengeschlechtes auch das, was von göttlichen Dingen der menschlichen Vernunft an sich nicht unzugänglich ist, von allen mit Leichtigkeit, mit unerschütterlicher Gewissheit und vollständig irrtumsfrei erkannt werden kann.“

Die Konstitution Pastor aeternus enthält all das, was Liberale und Kirchenkritiker gerne herbeiziehen, um ihre Verachtung oder Ablehnung von Papst und Kirche zum Ausdruck zu bringen: Die Befehlsgewalt des Papstes über die gesamte Kirche (Jurisdiktionsprimat) und die Unfehlbarkeit des Papstes, wenn er eine Glaubens- und Sittenfrage ex cathedra entscheidet.

Über die Unfehlbarkeit des Papstes werden sehr viele Fake News verbreitet. Um den größten Fake direkt aus der Welt zu schaffen: Das Konzil lehrt NICHT, dass der Papst immer unfehlbar ist. Sowas ist dummes Zeug, das Idioten oder Kirchenfeinde verbreiten. Im Gegenteil, oft genug war ein Papst fehlbar. Es ist umstritten, ob es häretische Päpste gab (Honorius I., johannes XXII.), es ist aber nicht ausgeschlossen. Hinzu kommen offenkundige Sünder (wie Alexander VI.) und sogar Gegenpäpste. Der Papst ist ein Mensch, der sein Heil verlieren kann, wie alle anderen auch. Worum geht es dann? Lesen wir einfach, was das Dogma selbst sagt:

„Wenn der römische Papst „ex Cathedra“ spricht, – das heißt, wenn er in Ausübung seines Amtes als Hirte und Lehrer aller Christen mit seiner höchsten Apostolischen Autorität erklärt, dass eine Lehre, die den Glauben oder das sittliche Leben betrifft, von der ganzen Kirche gläubig festzuhalten ist, – dann besitzt er kraft des göttlichen Beistandes, der ihm im heiligen Petrus verheißen wurde, eben jene Unfehlbarkeit, mit der der göttliche Erlöser seine Kirche bei Entscheidungen in der Glaubens- und Sittenlehre ausgerüstet wissen wollte.“

Damit man das Dogma verstehen kann, muss man folgende Grundannahmen teilen: 1. Wahrheit kann erkannt werden 2. Christus hat die katholische Kirche gegründet und wird nicht zulassen, dass seine Kirche Irrtümer lehrt.

Die Unfehlbarkeit des Papstes gründet nun darin, dass der Heilige Geist dem Papst bei ex cathedra-Entscheidungen über den Glauben und die Sitten jenen heiligen Beistand gibt, um die Wahrheit zu erkennen und irrtumsfrei zu entscheiden. Der Papst kann nichts Neues erfinden und es als unfehlbare Entscheidung verkünden. Warum liegt soviel Macht im Papstamt? Dazu sagt das Konzil: „Endlich hat das Konzil von Florenz feierlich erklärt: ‚Der römische Papst ist der wahre Stellvertreter Christi, er ist das Haupt der ganzen Kirche, der Vater und Lehrer aller Christen. Ihm ist im heiligen Petrus die Vollgewalt von unserm Herrn Jesus Christus übergeben worden, die Gesamtkirche zu weiden, zu leiten und zu regieren.'“

Für den Papst gilt, was Christus einst zu Petrus sagte: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.“ (Mt. 16, 18).

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