GlaubeMeine Abenteuerreise nach Hause: Wie ich katholisch wurde

Meine Abenteuerreise nach Hause: Wie ich katholisch wurde

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Meine Abenteuerreise nach Hause: Wie ich katholisch wurde


Von Marcel Scholz

Am 04.02.2020 brachte ich eine lange und an Umwegen reiche Abenteuerreise ins Ziel und wurde in der Annaberg-Kapelle in Haltern am See feierlich durch das Sakrament der Firmung in die eine heilige katholische Kirche des Herrn aufgenommen. Man bat mich über den langen Weg, der dorthin führte, ein Bekenntnis abzulegen. Hiermit komme ich der Bitte gerne nach.

Wo begann dieser Weg? Um ehrlich zu sein, weiß ich es nicht genau. Mein Vater ist auf dem Papier katholisch, aber in meinen 33 Lebensjahren habe ich ihn noch nie in einer katholischen Kirche gesehen. Meine Mutter ist ebenso „papierevangelisch“. Sie ließ mich aber „absichtlich“ evangelisch taufen. Noch vor der Zeremonie sagte meine Mutter mit Enttäuschung zu mir „Da ließ ich dich extra evangelisch taufen, damit du mit diesem Verein nichts zu tun hast, und dann sowas.“

Doch eine gewisse schemenhafte Beziehung zu Gott war schon immer da. Ich ging 2000 gerne zum Konfirmationsunterricht, und zu den dazugehörigen verpflichtenden Gottesdiensten. Was mich aber schon damals irritierte, war diese Nacktheit der Gottesdienste, die langweilige Schlichtheit der Kirche und die fehlende Heiligkeit.

In schwierigen Zeiten kniete ich nachts an meinem Zimmerfenster und betete zum sternenbehangenen Himmelszelt blickend zu Gott. Doch je älter ich wurde, als junger Erwachsener verblasste diese Beziehung. Die Ersatzreligion Fußball (welche viele Ehen damaliger älterer Mannschaftskameraden zerstört hatte), Frauen, Partys und Alkohol bestimmten für einige Jahre mein Leben.

Was blieb war auf Urlaubs- und Studienreisen das Bedürfnis Kirchen und Kathedralen betreten zu müssen. Bis zu dem Punkt, wo sich Freunde begannen lustig darüber zu machen. Ob in Valencia, Florenz, Glasgow, Medjugorje, Sarajevo oder Köln. Es waren in dieser Zeit immer katholische/orthodoxe Gotteshäuser, die mich mit ihrer Schönheit in den Bann zogen und berührten. Aber mit einem Gefühl des Touristen dem nicht gerecht werden zu können.

Schon zu meiner Schulzeit entflammte die Liebe zu J.R.R. Tolkiens Werk. Seine Biographie, dieser Held zweier Weltkriege, und die Tatsache, daß er Katholik war, und Mittelerde im Grunde ein Rahmen für seine Sprachliebe mit einer katholischen Metaphysik in Synthese frühmittelalterlicher heidnischer und christlicher Sagen ist, faszinierte mich.

Als ich während einer Recherche auf einen Brief an seinen Sohn Michael stieß, ließ mich seitdem eine Passage nie mehr los:

„I put before you the one great thing to love on earth: the blessed Sacrament. There you will find romance, glory, honour, fidelity, and the true way of all your loves on earth.“

Dann trat 2013 Benedikt XVI. vom Papstamt zurück und die folgenden Kontroversen weckten mein Interesse, da dieses Amt eines meiner Hauptprobleme mit dem Katholizismus war. Woraufhin ich die Gesprächsbände Peter Seewalds mit Benedikt XVI. las. Dieser verstand es in diesen Büchern die Wahrheit, Schönheit und Heiligkeit des katholischen Glaubens verständlich zu vermitteln. Er erklärte mir die Eucharistie, die Tolkien so wunderbar beschrieben hatte, wie niemand zuvor. Und ich begann mich danach zu sehnen und der Samen war gesät.

In einer beruflichen, gesundheitlichen und seelischen tiefen Krise steckend, verzweifelt und erschöpft, wandte ich mich 2015 mehr und mehr zu Gott. Ich war gerade verheiratet, Vater eines Neugeborenen, in die neue Verantwortung noch nicht hineingewachsen, im Studium ausweglos festgefahren, mit einem Teilzeitjob über Wasser haltend und von einer Krankheit geplagt. Ich brachte mir selbst bei, den Rosenkranz zu beten, und ging öfters in die Kirche. Ich betete und las die Bibel täglich.

Oft durch Panikattacken aus traumlosen Nächten geweckt, hatte ich eines Nachts einen Traum, in der unser Herr Jesus Christus mir erschien: Eine dunkle Wolke war dabei mich zu verschlingen, und in dieser Wolke brach ein Licht bahn. Es verdrängte die Dunkelheit und wurde zu einem strahlenden Lichtschein, in dessen Zentrum Jesus Christus stand, welcher mir mit seiner Hand wies zu ihm zu kommen. Tief bewegt von diesem Traum, begann ich mich noch intensiver mit dem Katholizismus zu beschäftigen und meinen Lebenswandel zu ändern.

Romano Guardinis Schrift Vom ritterlichen Manne war eine weitere Offenbarung für mich. In dieser kleinen Schrift beschreibt Guardini wie wichtig der Dienstethos für den Mann ist. Für mich persönlich war es der Dienst im Kleinen an meiner Familie: Verantwortung für mich und so für sie zu übernehmen. Wodurch gleichzeitig ein Dienst an der Gesellschaft geleistet wird. Von da an änderten sich die Dinge zum Besseren. Vorher lose Teile fügten sich wie bei einem Puzzle zusammen. Ich drang tiefer in den katholischen Glauben ein, gewöhnte mir an, morgens kurze Andachten zu halten und es ging mir besser. Aber es ist kein Selbstläufer und es gilt je näher ich Gott durch Gebet und Kontemplation bin, je härter ich an mir arbeite, desto besser geht es mir.

Weitere wichtige Lektüren in diesen Jahren, die mir den Weg ebneten, waren Jordan Petersons 12 Rules for Life, Rob Drehers Die Benedikt – Option, Novalis Die Christenheit oder Europa, G. K. Chestertons Orthodoxie und Gertrud von le Forts Hymnen an die Kirche.

Ich begann auch Online Informationen zu suchen und stieß dabei auf eine Kirche, die in einer tiefen Krise steckt. Doch ich fand auch dem Glauben treue Projekte, Blogs, Gruppen und Individualisten, die jeden Tag für Gott streiten. Ich stieß auf den ehemals genannten Bund Sankt Michael der jetzt Renovatio. Institut für kulturelle Resilienz heißt, welches bemüht ist eine christliche Kultur für die Zukunft zu erhalten und zu bilden.

Bei Facwbook fand ich die Seite Marco Gallinas, den Löwenblog, dessen Schreibtätigkeit tiefen Eindruck bei mir hinterließ und dem ich auch hier nochmal danken möchte. Über ihn wurde ich auf den Cathwalk aufmerksam. Dieser wird von Josef Jung redaktionell geleitet, welcher mich fragte ob ich Interesse hätte Bekenntnis über meinen Weg abzulegen. Für diese Möglichkeit sei ihm hier herzlich gedankt. Der Blog brachte mir die Heilige Messe in ihrer außerordentlichen Form und den gregorianischen Choral näher und eröffnete mir die Schönheit des Glaubens in der Liturgie. So stieß ich auf die Petrusbruderschaft und besuchte einige Messen, durch die mein Entschluß gefestigt wurde und der Wunsch den Herrn in der Eucharistie zu empfangen immer größer wurde.

So erhielt ich in meiner örtlichen Gemeinde in Haltern am See in der St. Annaberg-Kapelle das Sakrament der Firmung, wodurch sich ein weiterer Kreis schloß. Der katholische Teil meiner Familie stammt aus Schlesien, wo die Hl. Anna große Verehrung erfährt. Durch Fügung existiert auch in Haltern am See, auf besagtem Annaberg, ein Wallfahrtsort der Hl. Anna, welcher sich zum Zentrum der Annaverehrung der schlesischen Diaspora in Westdeutschland entwickelte.

Mein katholisches Abenteuer ist ein Abenteuer der wahren Schönheit. Diese durchzieht all die Jahre meines Suchens, bewusst oder unbewusst: ob in der Natur, der Architektur, der Literatur, Musik oder Liturgie. Ein Abenteuer das mich in das Haus der katholischen Kirche geführt hat:

Die Straße gleitet fort und fort,
Weg von der Tür, wo sie begann,
Zur Ferne hin, zum fremden Ort,
Ihr folge denn, wer wandern kann
Und einem neuen Ziel sich weihn.
Zu guter Letzt auf müdem Schuh
Kehr ich zur hellen Lampe ein
Im warmen Haus zur Abendruh.
J.R.R Tolkien

P.S.: Als ich vor ca. einem Jahr begann dieses Bekenntnis zu schreiben, konnte noch niemand ahnen, vor welchen Herausforderungen uns das Jahr 2020 stellen würde. Es war für mich als Vater von mittlerweile drei Kindern, gerade einen Achillessehnenriss auskuriert, mit neuer Arbeitsstelle, in einer Haussanierung steckend, vom Coronavirus und den Sanktionen gefordert, das schwerste Jahr meines Lebens. Aber mit der Hilfe Gottes, und seinem größten Geschenk an mich, meiner Frau, habe ich auch das bisher bewältigt. Ich kann nur einen Rat geben: Je näher wir Gott durch Schönheit, Gebet, Kontemplation, und der Eucharistie verbunden sind, desto stärker sind wir, um die Herausforderungen des Alltags zu bewältigen. Wodurch wir den Glauben, die Hoffnung und die Liebe nicht verlieren, damit wir jeden Tag den guten Kampf führen können.

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