Alte MessePfarrer Rodheudt im Interview über die Alte Messe

Pfarrer Rodheudt im Interview über die Alte Messe

"Man wird nicht im Ernst erwarten, daß man sich durch Restriktionen einschüchtern läßt"

-

"Man wird nicht im Ernst erwarten, daß man sich durch Restriktionen einschüchtern läßt"

Pfarrer Rodheudt im Interview über die Alte Messe

Dr. Guido Rodheudt ist seit dem Jahr 2000 Pfarrer in Herzogenrath im Bistum Aachen und feiert seit dem Motu Proprio Summorum Pontificum von 2007 zwei Mal in der Woche die Alte Messe in St. Marien (Herzogenrath). Er promovierte 1997 über den Philosophen Josef Pieper und gründete 2001 das „Netzwerk katholischer Priester“ in Frankfurt a.M.

Seit 2009 ist Pfarrer Rodheudt Gastgeber der „Kölner Liturgischen Tagung“. Außerdem war er Dozent im Bereich Geschichte der Philosophie der Neuzeit im internationalen Priesterseminar der Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) in Wigratzbad.

Der Cathwalk, das heißt sein Chefredakteur Josef Jung, besucht regelmäßig (coronabedingt eingeschränkt) die Alte Messe in Herzogenrath und Umgebung. Jetzt hat er Pfarrer Rodheudt interviewt:

Cathwalk: Lieber Herr Pfarrer Rodheudt, Sie feiern seit Summorum Pontificum zweimal in der Woche die Alte Messe in Ihrer Pfarrei. Was sind Ihre Erfahrungen nach 14 Jahren Alte Messe?

Rodheudt: Es ist eine schöne Erfahrung zu sehen, daß die sogenannte Alte Messe die Liturgieszene eher verjüngt. Viele Interessierte sind mittleren Alters oder auch noch sehr jung. Von daher ist dieses liturgische „Sonderangebot“ seit seiner Einführung in meiner Pfarrei ein höchst inspirierendes Projekt. Es zieht Menschen an, die Gott suchen. Und – das ist das Bedenkliche – sie entdecken ihn in der Alten Messe in großer Eindeutigkeit im Gegensatz zur pädagogisierten Neuen Messe, in der sich oft alles Mögliche über das Heilige lagert.

Was ist das Besondere an der Alten Messe?

Die Alte Messe ist spürbar nicht „gemacht“. Sie ist das Werk einer langen Evolution, deren struktureller Kern allerdings schon sehr früh feststand. In ihr findet sich keine kompromisslerische Kommissionsarchitektur. Sie ist – wie die Säulen in einer Tropfsteinhöhle – gewachsen. In ihrer urtümlichen Gestalt hat sie absichtsvollen Verbesserungsversuchen widerstanden. Dadurch wirkt sie zeitlos und ist weit eher ein Fenster zum Jenseits als die Neue Messe in ihrer Dehnbarkeit und Instrumentalisierbarkeit.

Hat das Besondere der Alten Messe einen Einfluss auf die Frömmigkeit? 

Eben weil die Alte Messe den Himmel unmißverständlich abbildet, zieht sie jeden, der eine Sensibilität dafür hat, in ihren Bann. Sie zwingt auf die Knie, zur Anbetung, zum Staunen, zur Ehrfurcht gegenüber der spürbaren Gegenwart Gottes. Ein junger neunzehnjähriger Protestant, der kürzlich bei uns katholisch wurde, bekundete mir, daß ihn nicht zuletzt die Alte Messe wegen ihrer Überzeugungskraft, die Nähe Gottes spüren zu lassen, hat konvertieren lassen. Man ist eine Zeitlang in einer anderen Welt, wenn man die Alte Messe besucht, sagte er mir, und man nimmt diese Erfahrung nachhaltig mit in den Alltag. Sie prägt die Frömmigkeit anders, als Gottesdienste, in denen man stets versucht, die Teilnehmer zu schulen.

In letzter Zeit hört man immer wieder die Alte Messe und Summorum Pontificum seien in Gefahr. Ein aktuelles Beispiel dazu ist, dass Papst Franziskus Rückmeldungen zur Alten Messe anforderte und die Priesterbruderschaft St. Petrus (FSSP) das Erzbistum Dijon in Frankreich zum 1. September verlassen muss. Glauben Sie, der Alten Messe und der Tradition stehen schwierige Zeiten bevor?

Die Alte Messe wurde durch das Motu proprio wieder aus der Schmuddelecke geholt. Nachdem im Anfang die unverdauten Erfahrungen der Vorkonzilsgeneration für lautstarke und von irrationalen Ängsten begleitete Proteste gesorgt hat, hat sich die Praxis der Alten Messe mit den Jahren und durch das ausdünnen der besagten Generation freigeschwommen. Abgesehen von den unerleuchteten Restriktionen mancher Hierarchen, die wahrscheinlich selbst nicht so genau wissen, weshalb sie die Szene der traditionell empfindenden Gläubigen verfolgen, gibt es eine Konsolidierung der Alten Liturgie durch ihre Praxis.

Dort wo die Alte Messe gefeiert wird und wo sie schön gefeiert und liebevoll ausgestaltet wird, da zieht sie Menschen aller Bildungsschichten und Altersklassen an, Männer mit und ohne Tattoos und Frauen mit jeder Rocklänge. Es ist eben kein Reservatspublikum, sondern es gibt einen guten Querschnitt, eigentlich sogar einen noch besseren als im Neuen Ritus, weil die Altrituellen einen jüngeren Altersschnitt haben, einen vergleichsweise höheren Prozentsatz an Männern und – da wo sie auch sonntags gefeiert wird – einen höheren Prozentsatz an jungen Familien. Dies ist erstmal eine Ansage. Wenn jetzt der Papst die Handbremse anzieht, mag dies hinderlich sein, es wird die Fahrt aber nicht stoppen. Und vor allem: dort wo es beherzte Fahrer gibt, werden sie diese Bremse für sich lösen.

In Zeiten, in denen Bischöfe Priestern mit der Berufung auf das Gewissen den Segen für Ehebrüche und unmoralische Sexualpraktiken nahelegen, wird man nicht im Ernst erwarten, daß man sich im Hinblick auf die Feier der Alten Messe durch Restriktionen einschüchtern läßt, die fragwürdig und vor allem unwürdig sind.

Die Kirche befindet sich in der Krise. Es gibt den Synodalen Weg, Maria 2.0 und andere Versuche, die Kirche in ihrer jetzigen Verfassung für immer zu verändern. Was halten Sie von diesen Versuchen? 

Es ist eine veritable Reformation 2.0 mit allem was dazugehört: abgefallene Theologen, schwache Bischöfe, staatliche und gesellschaftspolitische Allianzen und neue Medien als Transmissionsriemen. Auf diesen Versuchen ruht schon deswegen kein Segen, weil sie nicht einem lauteren Bedürfnis entspringen, die Kirche von allem zu reinigen, was Gott verstellt, sondern umgekehrt der Sucht, sich an einer Lebenswirklichkeit zu berauschen, in der Gott nicht vorkommt. Abgesehen davon, daß die neuen Reformatoren der Deutschen Kirche nie verraten, wie der Laden in ihrer Regie denn am Ende wirklich laufen würde.

Die historische Erfahrung zeigt, daß die Dialektik, mit der alle Revolutionen arbeiten, nie zum Ziel führt, sondern am Ende die Revolution ihre Kinder frißt. Nach dem Zerschlagen des Bestehenden, steht das gegenseitige Zerfleischen an. Die Kritik von Kardinal Kasper am Synodalen Weg zeigt das deutlich, wo er sich als einer der geistigen Wegbereiter einer aufgeklärten Kirche erschüttert über die Entwicklung zeigt. Ich fühlte mich an Adorno erinnert, der sich eines Tages wunderte, daß ihm die von ihm angezettelte 68er-Revolte einen Tanz entblößter Studentinnen in seiner Uni-Sprechstunde bescherte.

Was sind Ihre Vorschläge, um aus der Kirchenkrise zu kommen?

Eine Rückbesinnung auf den Glauben der Kirche mit gleichzeitiger Abkehr von allen Versuchen, Wahrheit und Irrtum zu harmonisieren. Bischöfliches Vorangehen auf dem Weg des Martyriums für die Wahrheit in seinen unterschiedlichen Auslagen. Gebet um die Erneuerung und eine neue Offensive aller, denen die Wahrheit nicht egal ist.

Alle, die das Problem der Gegenwart sehen, müssen aus den diversen Nischen, in denen sie ein ruhiges und auseinandersetzungsfreies Leben führen wollen, heraustreten und sich vernetzen!

Wie sehen Sie die Zukunft der Kirche?

Ich bin kein Hellseher, aber ich weiß, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Zwischenzeitlich wird sich die Spreu vom Weizen trennen müssen. Dazu gehört eine Abkoppelung von obsoleten Bindungen an den Staat und seine Alimente. Da wo die Kirche sich von ungerechten Fesseln gelöst hat, hat sie alle Freiheiten der Welt, um Christus nachzufolgen. Natürlich kann das ein blutiger Weg werden, aber eines ist sicher: es ist der richtige Weg und der, der Frucht bringt, denn: das Blut der Märtyrer ist der Same des Christentums. Fragen Sie sich mal, wieso die junge, dynamische Märtyrerkirche in China keinen Synodalen Weg braucht …

Auch das Priestertum ist heute in der Krise. Was brauchen Priester und junge Männer, die überlegen Priester zu werden? 

Gute Bischöfe!


Link zur Alten Messe in Herzogenrath: https://www.st-gertrud.info/missa-tridentina.html

Hinweis vom Cathwalk: Wer zwischen Heinsberg und Herzogenrath wohnt und eine Fahrgelegenheit zur Alten Messen nach Herzogenrath braucht (Messzeiten: Montags um 18.30 Uhr und Samstags um 9.00 Uhr), kann sich beim Cathwalk melden.

2 KOMMENTARE

  1. Warum halten unsere Kirchenmänner das
    Vaticanum2 für das Allerheiligste? Warum legt man der Tradition Zensuren an, anstatt dem Novo Ordo Zensuren anzulegen? Ist die Liturgie im Novo Ordo heiliger als in der Tradition? Viele Menschen, auch junge Menschen, haben das Herzstück, Jesus, der Sohn des lebendigen Gottes, in der Tradition erkannt und gefunden. Jesus ist die Mitte und die Krone in dieser „alten“ Liturgie. Ich habe den Novo Ordo zu genüge erlebt und fühle mich dort nicht zu Hause.

  2. Ein Interview mit guten Fragestellungen und interessanten Antworten. Ein Glanzpunkt für den Cathwalk, und man freut sich über den gewohnt frischen Beitrag von Pfarrer Rodheudt! Herzliche Grüße nach Herzogenrath!

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Meistgelesen

Mythos Hexenverbrennungen: Fünf Irrtümer, die Sie beachten sollten!

"Es gibt wohl kein Thema, über das soviel Unfug...

Massenmord und Menschenrechte: Die Französische Revolution

Update: 5. März 2021 1789: das Todesjahr der Tradition und...

Die Wahrheit über die Kreuzzüge

Von Katharina Weinhardt | letztes Update: 25.01.2021 Es scheint heute...

Die Wundertätige Medaille half 1832 gegen Cholera – tragt sie gegen das Coronavirus

Die Wundertätige Medaille – unzählige Wunder sind mit ihr verbunden:...
spot_imgspot_img