Dienstag, 6. Dezember 2022

Die Synodale Blase

Die Apologie der Synodalen Parallelwelt war auch bei der Vollversammlung der deutschen Bischöfe allgegenwärtig. Kardinal Marx etwa hat in seiner – wie immer frei vorgetragenen – Predigt über den „Mann aus Nazareth“ nachgedacht: „Er fragt sich: Was ist ihm wichtig, worauf kommt es ihm an, wie will er von Gott sprechen, wie möchte er seine Vision von der und für die Menschheitsgeschichte einbringen? Er versucht, er sucht. Und dabei schließt Jesus einige Wege aus, die ihm angeboten werden: Gott ist keine Geschäftsbeziehung, man kann ihn nicht kaufen, der Glaube gründet sich nicht auf politische Macht und ist keine Wohltätigkeitsorganisation.“ Exegetisch begibt sich der Münchner Erzbischof damit in das weite Land des Unbestimmten. Auf den Gedanken, dass der Herr sich gefragt haben könnte: Was ist mir wichtig? – muss man erst einmal kommen.

Was vielen deutschen Bischöfen wichtig zu sein scheint, wichtiger als die Evangelisierung, das wissen wir: nämlich der Synodale Weg mit all seinen säkularen Sackgassen. Kardinal Marx stellte zudem fest, dass das „Reich Gottes“ zwar im „Zentrum Jesu Denkens und Handelns“ stehe, aber „keinen Eingang in unser Glaubensbekenntnis gefunden“ habe: „Haben wir da etwas vergessen oder ist es doch mehr ein Zeichen, dass das Reich Gottes in dieser Gegenwart zu finden ist?“ Offen gestanden weiß ich nicht, welches Credo der Kardinal hier meint. Ich kenne nur das Credo der Kirche und möchte gern daraus zitieren, passenderweise aus dem Gotteslob, das auch im Erzbistum München-Freising im Novus Ordo verwendet wird (GL 586, 2). Vom auferstandenen und zum Himmel aufgefahrenen Herrn wird darin gesagt: „Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein. … Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.“ Theologisch sprechen wir von Eschatologie, und wir dürfen darauf vertrauen, dass in Seinem Reich alle Synodalen Blasen platzen werden. Dann wird die Zentralität Gottes erkannt werden, auch von allen, die nicht mehr mit dem Jüngsten Gericht am Ende der Zeiten rechnen. Kardinal Marx äußerte sich in seiner Predigt noch über das „Brot des Aufbruchs“ – er meint die Eucharistie, das Brot des Lebens – und sagte: „Haben wir vielleicht in der Vergangenheit zu sehr um Worte gestritten und uns weniger um die Praxis des Glaubens, der Liebe und damit den Anbruch des Reiches Gottes gekümmert? Hier möge Gott uns helfen, Schritte zu gehen, um die Botschaft Jesu neu zu erkennen und uns verwandeln zu lassen.“ Aus der Predigt können wir dennoch alle lernen: Wir brauchen nicht Synodale Litaneien zu studieren, aber von der Substanz des Credos der Kirche können wir lernen. Aufbrechen sollten wir also wahrhaft zu Gott.

Auch der Osnabrücker Bischof Dr. Franz-Josef Bode hielt eine Predigt in Vierzehnheiligen – über den „Komparativ Gottes“. Er spricht vom „Grenzüberschreiter“ und der „Herausforderung“ der „Umkehr zum wahren Leben, das Christus selbst ist“: „Diese Grenzüberschreitung, diese Provokation, nicht bei sich selbst, nicht bei seiner eigenen Gewohnheit, nicht in seiner eigenen „Blase“ – sagen wir heute – zu bleiben, ist begründet in dem göttlichen Komparativ: Gott ist immer größer und mehr als wir denken, wissen, fühlen, aussprechen.“ Bode denkt also über den „göttlichen Komparativ“ nach: „Der Komparativ hält dynamisch offen, weil es immer noch ein Mehr, ein Darüber hinaus gibt, weil sich immer noch neue Horizonte öffnen.“ Er hegt auch ganz eigene Gedanken. Es gelte, „mit alledem umzugehen, was uns widerfährt, weil wir nichts zu Gott machen, was nicht Gott ist: weder die Pandemie, noch der Schrecken des Krieges. Weder die Lage der Kirche, noch unsere eigene Befindlichkeit. Weder unser eigenes Ich, noch unsere Sünde und Schuld. Auch nicht die Menschen und Dinge, an denen wir hängen. Weder die Vergangenheit, die uns nicht loslässt, noch die Zukunft, die wir erträumen, und auch nicht die Gegenwart, der wir oft fliehen möchten.“ Letztlich möchte Bischof Bode, dass wir Katholiken neue Wege gehen – „dann überschreiten wir auch unsere Sicht von Tradition und Kirche in einer lebendigen, dynamischen Entwicklung durch die Zeit; dann werden wir Grenzen überschreiten, fasziniert vom immer Größeren und vom Mehr der Liebe; dann widerstehen wir durch diese Offenheit für das Größere Gottes allen menschlichen Komparativen, die uns schon so lange bedrängen, immer besser und größer sein zu müssen, immer höher hinaus“. Wer so dynamisch ist, setzt sich von der Kirche aller Zeiten und Orte ab und identifiziert die eigenen Ideen mit dem, was Gott will. Trotzdem wird Sein Reich kommen und alle unsere Reiche ablösen. Deo gratias! Da können wir noch so dynamisch sein, noch so zeitgeistlich und noch so schwungvoll Strukturreformen anstrengen.

Bischof Bode wirbt erneut für den Synodalen Weg und wählt nebulöse Worte dafür: „Es geht um das Verständnis vom Menschen und seinen Beziehungen vor Gott und den Auftrag der Kirche in dieser Zeit: wie in ihr Kirche der Beteiligung, der Partizipation zu leben ist; wie das Miteinander von Männern und Frauen zu gestalten ist; wie in ihr Priestertum und Sakramentalität zu leben sind und wie menschliche Beziehungen gelingen können. Es geht darum, wie in Zukunft die immer größere Liebe Gottes aufleuchten kann durch den Auftrag der Kirche in einer Welt, die sich so sehr sehnt nach Orientierung, nach Licht, nach Vertrauen, nach Hoffnung, nach Liebe.“ Der Synodale Weg wird sogleich mit der „Dynamik des Komparativs“, also dem „Komparativ Gottes“, identifiziert: „Und dabei geht es eben im Synodalen Weg, der ja selbst dieser Dynamik des Komparativs entspringt, um mehr als um Machtverteilung, um mehr als nur Funktionieren, um mehr als nur formale Gerechtigkeit für Männer und Frauen, um mehr als nur sexuelle Beziehungen in der Geschlechtlichkeit der Liebe, sondern es geht um die Ganzheit des Lebens. Ich wünsche mir, dass uns das in den kommenden Schritten gelinge, diese immer größere Liebe Gottes wieder in Demut und Selbstbewusstsein, in Nüchternheit und Leidenschaft in die Welt zu tragen, die genau darauf wartet.“ Setzt die Welt Hoffnungen auf den deutschen Synodalen Weg? Daran scheint Bischof Bode „in Demut und Selbstbewusstsein“ nicht zu zweifeln. Ich schon – und Sie vielleicht auch? Die Synodale Blase ist ein regionales Phänomen der biederen, saturierten Kirchenprovinz Deutschland. Wer noch mehr darüber wissen möchte, der höre sich die klarsichtige Predigt von Pater Engelbert Recktenwald über den Synodalen Weg an.

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