Dienstag, 6. Dezember 2022

Die Synodale Parallelwelt

In der beliebten Science-Fiction-Serie „Star Trek“ wurde oft fantasievoll von einem Paralleluniversum erzählt, eine Art Gegenwelt, in der etwa Captain Kirk wie ausgewechselt und wesenhaft anders wirkte. Auch in Deutschland erleben wir zumeist, wie auf dem „Synodalen Weg“ eine Art Parallelkirche präsentiert wird. Öffentlich und medial begleitet träumte auch der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding, Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, von einer neuen Kirche.

Im Münsteraner Paulusdom nahe dem Grab des seligen Clemens August von Galen, forderte er: „Wir brauchen Reformen – jetzt!“ Damit meinte er nicht das Zentralkomitee selbst. Dem Selbstverständnis nach verkörpert dieser Verband der Funktionäre die demokratisch legitimierte Stimme der Laien in Deutschland, freilich ohne demokratisch gewählt zu sein – oder erinnern Sie sich an eine Stimmabgabe? Schade ist, dass das Zentralkomitee nicht demokratisch gewählt ist – und schade ist auch, dass es sich nicht dafür einsetzt, dass alle Katholiken, die in Deutschland leben, künftig die Chance haben, Vertreter in ein solches Gremium in freien, gleichen und direkten Wahlen zu entsenden.

Thomas Söding fordert also Reformen für die Kirche, so etwa eine neue Moral, denn Sexualität dürfe „nicht nur unter der Last von Verboten ächzen“. Die Neuerfindung der Sexualmoral ist ein traditionalistisches Thema von etablierten Kirchenkritikern seit Jahrzehnten. Weiterhin äußerte er sich über den Skandal des sexuellen Missbrauchs in der Kirche und brachte eine neue Bezeichnung auf – nämlich das „Missbrauchs-Syndrom“: „Wir müssen sehen, dass sich im Missbrauchs-Syndrom ein kulturelles und ein theologisches Problem verbergen, das an die Wurzeln geht. … Dieses Problem besteht darin, wie die katholische Kirche eigentlich im 21. Jahrhundert, einer globalen Welt, katholisch und Kirche sein und bleiben kann – und wie sie mit ihren Traditionen, Riten, Dogmen und Ethik in einer pluralistischen Gesellschaft, die demokratische Strukturen entwickelt, Kirche sein kann. Kirche ist immer heute – oder sie ist nur eine Organisation, die relativ wenig zu bedeuten hat!“ Und was ist eigentlich die „globale Welt“? In jedem Fall handelt es sich um eine denkwürdige Begriffsfigur. Aber könnte die deutschkatholische Erde nicht doch eine Scheibe sein, auf der gegenwärtig so gut wie alle Wege nicht nach Rom, sondern in Synodale Abgründe führen? An welche „Wurzeln“ mag das „Missbrauchs-Syndrom“ gehen? Der gläubige Katholik ist ja verwurzelt im Credo der Kirche – und recht verstanden bewahrt im weiten Raum der Kirche, geborgen im Glauben, den zu schützen die Bischöfe, sogar in Deutschland, bestellt sind.

Die Kirche benötige, so Söding, „mehr Foren, auf denen offen diskutiert und auch entschieden wird“. Was heißt eigentlich: offen diskutieren? Oder entscheiden? Schafft dann irgendeine Mehrheit irgendwelche Wahrheiten, die alle anzunehmen haben, auch jene, die noch immer am Evangelium Jesu Christi festhalten oder in der Gemeinschaft der Kirche aller Zeiten und Orte, die Himmel und Erde umspannt, zu Hause sind? Professor Söding fragt: „Wo haben wir eigentlich gegenwärtig in der Kirche die Orte, die Foren, die Prozesse, auf denen diese Fragen offen und freimütig diskutiert werden und auf denen man sich auch streiten kann und auf denen auch Entscheidungen möglich sind? Da zeigt sich schlicht und ergreifend, dass die katholische Kirche zu wenige solche Orte hat.“

Wir alle, scheint mir, kennen fruchtlose Debatten, vermeintlich „herrschaftsfreie Diskurse“ (Jürgen Habermas) und eine lähmende Diskursgläubigkeit nur zu gut. Was engagiert vorgetragen wird, kann trotzdem narkotisch wirken. In der Kirche sollte heute nicht über alles Mögliche geredet werden, sondern allein von Gott. Ein positives außersynodales Beispiel sei noch genannt: Im Bistum Regensburg wird an jedem Fastensonntag eine Kreuzwegandacht an einem anderen Ort gefeiert. So stelle ich mir einen gelebten Glauben und Evangelisierung heute vor, abseits aller müßigen Debatten. Wäre es nicht schön, wenn in der Kirche weniger über alles Mögliche geredet, sondern mehr gebetet würde? Der selige Clemens August von Galen, der Löwe von Münster, hätte dem gewiss nicht widersprochen.

2 Kommentare

  1. Beten wir also und vertrauen wir. Hoffen wir. Und seien wir allzeit bereit: „Fürchtet euch nicht vor ihnen und lasst euch nicht erschrecken, heiligt vielmehr in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt… “ (1.Petrus 3)

  2. Die Diskutierer kapieren es einfach nicht. Kirche ist nicht und wird nie basisdemokratisch laufen .. und sozialistisch schon mal gleich gar nicht …
    Und im Text ist es ja benannt: weniger reden, mehr beten …

    Im Schwäbischen gibt es ein Sprichwort: viel Schwätz .. viel Sch … !

    Sie sollten sich alle mal den Katechismus wirklich „reinziehen“ … und mal ernsthaft nachdenken …

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