Montag, 15. Juli 2024

Pius XII. über die Medien

Wir leben – was weithin bekannt ist, aber doch leicht übersehen wird – in einem Zeitalter der Medien und Reizüberflutung, in der nicht allein Pornographie, gewaltverherrlichende Filme und polarisierend-polemische Darstellungen über die Kirche, sondern auch regionale Phänomene wie rebellische Priester Beachtung finden. Dies alles sind bedenkliche Signaturen der Zeit.

Pius XII., im Ruf der Heiligkeit stehend, hat in der Enzyklika „Miranda prorsus“ im Jahr 1957 über Film, Funk und Fernsehen nachgedacht, nicht moralisierend, sondern klarsichtig. Er würdigt die „wunderbaren Erfindungen der Technik“ und sieht gleichzeitig ihre Ambivalenz, ja ihren Missbrauch. Die Kirche ist stets berufen und bestrebt, die „Gefahr des Bösen“ zu bannen, die Gebote Gottes heilig zu halten und die „Würde der menschlichen Person“ zu schützen. Die Würde des Menschen aber ist antastbar geworden – wir sehen das an den oben genannten Beispielen, die Pornographie und Gewaltdarstellungen bezeichnen, zugleich auch daran, dass der Einfluss der Medien auf die Menschen besteht, weil sie nicht nur zur Schönheit führen, sondern ins „Dunkel der Finsternis“ und in die „Berührung mit dem Bösen“ münden können, wenn „sittlich Schlechtes“ dargeboten wird. Pius XII. appelliert daran, sich auf das „Senden des Guten“ zu konzentrieren und „gute Samenkörner, die Früchte der Wahrheit und Güte bringen“, auszusäen. Doch statt auf das Gute zu verweisen, werden „Pfade des Lasters“ aufgezeigt: „Nun kann all das Böse, das den rechten sittlichen Grundsätzen sich widersetzt, nicht aus Gott stammen, der das vollkommene und absolute Gute ist; auch nicht aus den technischen Errungenschaften selbst, die seine kostbaren Gaben sind; also doch nur daher, daß der mit freiem Willen ausgestattete Mensch diese Gaben eben mißbrauchen kann, wenn er Böses vollbringt und verbreitet und sich so zum Verbündeten des Fürsten der Finsternis und zum Feind Gottes macht.“ Das Böse zu benennen und davor zu warnen, gehört zum Auftrag der Kirche, damit zum Auftrag des Christen in der Welt von heute. Pius XII. erkennt und benennt irrige Meinungen über die Freiheit des Sendens, etwa im Bereich von Politik, Ökonomie und bloßer Propaganda, aber eben auch hinsichtlich einer – im Zuge der 1968er-Jahre und der sogenannten „Sexuellen Revolution“ dann doch deutlicher gewordenen – Freiheit, die Verwahrlosung der Sitten verkündet: „Gleicherweise kann die Anschauung derer nicht gebilligt werden, die einer Freiheit das Wort reden, auf einer Freiheit bestehen, daß man alles darstellen und verbreiten dürfe, obwohl es doch offen zutage liegt, welch großes Verderbnis für Leib und Seele in den vergangenen Jahren aus solcher Voraussetzung erwachsen ist; hier handelt es sich nämlich nicht um die echte Freiheit, von der wir oben gesprochen haben, vielmehr um zügellose Ungebundenheit, die schrankenlos alles an alle weitergibt, auch wenn es gegen die guten Sitten verstößt und zu schwerer Gefahr für die Seelen werden kann.“

Die Medien sollen im Dienst der Wahrheit und des Guten stehen: „Der Verbreitung der Wahrheit sollen sie so dienen, daß die Bande zwischen den Völkern täglich enger werden; daß sie Verständnis für einander gewinnen; daß sie sich in jeder Notlage helfen; daß schließlich die öffentlichen Gewalten wie die Einzelnen hilfreich zusammenarbeiten. Der Wahrheit dienen erfordert, daß alle sich der Falschheit und des Betrugs vollkommen enthalten und daß sie auch alles vermeiden, was eine verkehrte oder einem Teil schädliche Lebens- und Handlungsweise fördern könnte. An erster Stelle aber mögen die durch Gottes Offenbarung überkommenen Wahrheiten als heilig und unverletzlich gelten.“ Zugleich stehen die Medien im Dienst der Belehrung, doch wie oft – und dies auch gerade heute – geschieht dies „unter Verschweigung des Namens Gottes“ und in der Haltung eines tückischen „Als ob“, nämlich „als ob es keine göttlichen Gebote gäbe“. Was Pius XII. über die sozialistischen Staaten ausführt, gilt heute auch in großer Breite für die Staaten im alten Europa, wenn man so will im christlichen Abendland: „Nun ist uns aber leider bekannt, daß in bestimmten Nationen, in denen die Irrlehren des gottlosen Kommunismus herrschen, die neuen technischen Mittel, die Auge und Ohr von fern her erreichen, in den Schulen auch dazu benützt werden, die Religion mit der Wurzel aus den Herzen zu reißen. Wer dies ruhig und vorurteilsfrei erwägt, kann nicht umhin, zu sehen, daß hier das Gewissen der heranwachsenden Jugend, weil der göttlichen Wahrheit beraubt, in neuer und verdeckter Form vergewaltigt wird. Die Jugend kann ja nicht zur Kenntnis jener göttlich geoffenbarten Wahrheit kommen, die, wie unser Erlöser versichert, uns frei macht. In raffinierter Art ist so hier eine neue Verfolgung gegen die Religion im Gange.“ Ein Beispiel dafür – in den späten 1950er Jahren und ungleich mehr heute – ist der „sittliche Relativismus“ in vielen Filmen. Auch der Rundfunk – weiten wir dies auf unsere Zeit aus: ebenso das Internet – können Segen und Fluch sein. Darum erinnert Pius XII. an die Pflichten der Hörerschaft: „Jeder Rundfunkhörer ist besonders verpflichtet, aus der Sendefolge sorgfältig auszuwählen; man soll die Sendungen nicht wahllos durch die Wohnungen schallen lassen, sondern ihnen Zutritt gestatten wie einem Freund, der mit kluger Überlegung eingeladen wird. Unverantwortlich handelt doch wohl, wer die in das Heiligtum der Familie einzuführenden Freunde nicht auswählt. Die dort zugelassenen Rundfunksendungen in Wort und Ton sollen darum so ausgewählt werden, daß sie der Wahrheit und dem Guten das Wort schenken, daß sie die Familienmitglieder nicht ablenken von der gewissenhaften Erfüllung ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Pflichten, sie vielmehr in deren rechter Ausführung bestärken und, wo es sich um Jugendliche und Kinder handelt, statt ihnen zu schaden, die gesunde Erziehung der Eltern und der Schule unterstützen und weiterführen.“

Papst Pius XII. warnt vor dem „unbeherrschten Mißbrauch“ des Fernsehens, insbesondere für die „sittliche Entwicklung“ der Kinder: „Ein Frevel ist es, die Heiligkeit des Familienlebens auf irgendeine Weise zu gefährden. Darum kämpft die Kirche, wie es ihr Recht und ihre Pflicht ist, immer mit allen Kräften dafür, daß unter keinen Umständen schlechte Fernsehsendungen jenes Heiligtum entweihen. Da das Fernsehen unter anderem auch den sicher heilsamen Vorteil mit sich bringt, daß Jung und Alt eher geneigt sind zu Hause zu bleiben, trägt es viel zur Festigung des Bandes der Liebe und Treue in der häuslichen Gemeinschaft bei, aber doch nur für den Fall, daß nichts eingeführt wird, was mit den Tugenden der Treue und reinen Liebe nicht übereinstimmen würde.“

Diese Botschaft von 1957 ist mitnichten altmodisch, sondern hellsichtig, denn Pius XII. spricht von Gefahren, an die wir uns heute vielleicht gewöhnt zu haben scheinen, die wir achselzuckend akzeptieren oder ignorieren. Der große Papst mahnt zur Wachsamkeit. Diese Mahnung, diesen Aufruf könnten wir heute bedenken und neu annehmen. Es gilt, das Gute zu suchen, die unantastbare Würde des Menschen zu achten, zu hüten und zu verteidigen, die Gebote Gottes über alles wertzuschätzen und den Weisungen der Kirche aller Zeiten und Orte mit ganzem Herzen zu folgen.

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