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Betrachtungen zur Fastenzeit

2. Fastensonntag: der Lärm

Der Lärm hat die Eigenschaft, sich in den Vordergrund, in die erste Wahrnehmung zu drängen. Wenn der Lärm erst einmal da ist, dann ist es laut und er verändert uns Menschen maßgeblich! Das Schwierige ist: Man bekommt diesen schwerer los als man denkt! Ist es denn laut in Ihrem Leben?

Der Lärm

Wir gehen in der Wüste weiter (1. und 2. Artikel zu dieser Serie). Wie ist es Ihnen mit der ersten Challenge ergangen? Haben Sie die Stille gefunden? Haben Sie sich Zeit dafür genommen oder bewusst darauf geachtet? Wenn es Ihnen so wie mir früher ergangen ist, dann nur sehr schwer bis kaum. Der Alltag ist so voll mit Terminen, Aufgaben, Verpflichtungen, Hobbys, Aktivitäten und anderem, sodass bewusstes Erleben der Stille und darin Eintauchen eine echte Herausforderung darstellen! Aber es gibt ein Geheimnis dahinter, wie man trotz allem in die Stille kommt!

Dazu müssen wir uns wieder auf eine Suche begeben, das Problem analysieren! Der heilige Johannes Paul II. war darin ein Meister. Er stellte Probleme oder schwierige Begriffe bildlich gesprochen auf den Tisch und betrachtete diese von allen Seiten. Langsam und immer wieder. Er holte dazu einen Expertenrat ein und verschaffte sich einen Überblick. Diese Vorgehensweise, so finde ich, wird zu wenig gelebt. Heute wird jedem Bauchgefühl, jeder kleinen oder größeren Emotion hinterhergejagt, ohne in Ruhe darüber nachzudenken. Die Ratio, der Verstand wäre gefragt, aber der wurde irgendwo zwischen den Teletubbies, der Spielekonsole und „Es-geht-ja-um-nichts“-Mentalität abgegeben!

Zurück zum Lärm. Mit dem Begriff LÄRM verbindet man automatisch eine Geräuschquelle, die als negativ einzustufen ist. Der Duden erklärt wie folgt:

Lärm: als störend und unangenehm empfundene laute, durchdringende Geräusche.

Wir halten also fest, dass der Lärm der Stille entgegengesetzt ist, dass er als störend, unangenehm empfunden wird und vieles durchdringt! Weiters wissen wir aus dem Beitrag zum 1. Fastensonntag, dass Lärm gesundheitsschädlich und krankmachend wirken kann (NORAH-Studie). Wir haben eine unglaubliche Menge an Lärm und Geräuschquellen in unserem Leben. Ich will erst gar nicht beginnen, diese aufzuzählen. Sicher ist, dass wir in der lautesten aller Zeiten leben. Dabei beziehe ich mich nicht nur auf die allgemeine Geräuschkulisse, sondern auch auf die ganz persönliche! Sehen Sie sich doch einmal um! Wie viele Menschen haben draußen die Kopfhörer auf? Wie viele Menschen arbeiten heutzutage am Arbeitsplatz unter Einfluss von Maschinenlärm, der Gehörschutz notwendig macht?

Ich nenne diesen Lärm, den Lärm der Welt. Um aber hinter mein Geheimnis zu kommen, müssen wir weitergehen.

Der Lärm im Herzen

Ja, es gibt noch einen anderen Lärm! Der ist noch viel schlimmer und feindseliger als der Lärm der Welt!

Wie ich auch im Beitrag zum 1. Fastensonntag erklärt habe, gibt es die Stille des Herzens. Ergo muss es auch einen Lärm im Herzen geben! Den gibt es tatsächlich bzw. hat jemand großes Interesse, dass es dort schön laut ist. Denn wie wir wissen, würde im Herzen gerne jemand sprechen. Diese Stimme ist aber wie ein sanftes, leises Säuseln (1. Kön. 19,12) und kann im Getöse nicht wahrgenommen werden!

Was könnte dieser Lärm in unseren Herzen sein? Was ist das Geheimnis im Alltag, in jeder Situation, trotz allem eine Ruhe in sich zu haben? Dabei, wohlgemerkt, ist nicht die Rede davon, dass ich zuerst zehn Weihrauchstäbchen abbrenne, im Hintergrund das Wellenrauschen von irgendwo zu hören ist und ich mich in eine Sitzposition begebe, die ein maßlos übergewichtiger, vor sich hingrinsender Mann vorgibt, und dabei Laute von mir gebe, die mich eher an den Geburtsvorbereitungskurs meiner Frau erinnert. Nein, ich meine und rede davon, was es heißt, ein ruhiges Herz und eine reine Seele (soweit uns möglich!) zu erlangen, zu haben und zu bewahren!

Ja – es geht um die Sünde in unserem Leben!

Ich weiß, dieses Wort und das ganze Thema herum ist wie ein Minenfeld, auf das man wie ein naives Kind tritt, aber das macht gar nichts, ich bin ein Kind Gottes, da kann man schon mal loslaufen und es krachen lassen!

„Unter Sündern gibt es keine Sünde.“ © Erhard Horst Bellermann (*1937), deutscher Bauingenieur, Dichter und Aphoristiker

Wir haben es uns einfach bequem gemacht. Wir sitzen in unserer Komfortzone und wollen nichts von Sünde, Gewissen, Seelenheil und Beichte hören. Ist es nicht so? Die böse Kirche habe die Beichte nur erfunden, um die Menschen erpressbar, gefügig und kontrollierbar zu machen, lautet eines meiner ironischen Lieblingsargumente, wenn man mit Menschen zu diesem Thema diskutiert. Heute „versündigt“ man sich, wenn man während der Fastendiät mal eine Schokolade oder eine Packung Chips in sich reinschiebt, aber doch nicht, wenn man die Ehefrau seit Jahren mit der Nachbarin betrügt – oder zwar für jede Menge unwichtiger Gegenstände tausende von Euro übrig hat, aber keine 15,60 Euro, mit denen man ein Kind ein ganzes Jahr (!) vor dem Hungertod bewahren könnte (Quelle: www.marysmeals.de) – oder ein schutzloses Kind abtreibt, weil man gerade keine „Lust“ auf Veränderung im Leben hat! Nein, nein – wir haben mit der Sünde schon lange abgeschlossen. Und wenn sich doch mal ein Priester darüber zu predigen traut, schwingen wir die Moralkeule, denn als Pauschalkinderschänder darf er uns nicht sagen, was Sünde ist – ENDE der Diskussion!

Gut, dass ich kein Priester bin! Da werde ich zumindest nicht von vorneherein verurteilt und kann davon sprechen, wie heilsam, befreiend und faszinierend für mich immer wieder die Beichte, das Sakrament der Versöhnung ist! Wie sehr es mein Leben verändert hat und immer noch verändert! Dass es mich als Ehemann, als Papa und als Christ, der versucht authentisch zu sein, ständig neu mit Power ausstattet und wie eine Tankstelle für meine Seele wirkt. Das ist auch mein Geheimnis! Ich trage die Stille und den Frieden IN mir. Ich kann mitten im Shopping-Center unter tausenden Menschen stehen, alles ist laut und Trubel ohne Ende, aber ich schließe nur kurz die Augen und bin in der Stille meines Herzens – GENIAL!

Der Friede und die Ruhe

Was sucht diese Welt denn so sehr? Lesen Sie die Tageszeitung oder schauen Sie die Abendnachrichten im TV? Dann werden Sie wohl mit mir übereinstimmen, dass sich diese Welt nach nichts anderem sehnt als Frieden und Ruhe statt Tod, Krieg, Streit, Hass und Verfolgung.

Was bringt die Sünde hervor?

Können wir nicht mehr verstehen, dass diese Dinge zusammenhängen oder wollen wir es erst gar nicht? Das würde nämlich heißen, dass das auch etwas mit mir zu tun hat. Das würde auch heißen, dass das etwas mit Ihnen zu tun hat. Ja, es würde heißen, dass dieser Lärm in unserem Herzen die konkrete Sünde ist, wir deshalb Gottes Stimme nicht wahrnehmen und somit keine Nähe und Vertrautheit mit diesem, uns liebendem Vater aufbauen können!

Er will aber, dass wir Frieden und Ruhe haben. Er hat dafür sogar seinen einzigen Sohn als Vorbereitung in die Wüste gehen und schlussendlich ans Kreuz nageln lassen, um uns FREIzukaufen!

Ist das alles nur ein nettes Märchen mit der überzogenen Selbsthingabe eines Typen namens JESUS?

Ich sehe das so: Wir alle haben einen 50/50-Joker. Es könnte alles von vorne bis hinten gelogen, erfunden, dahergeredet und verdreht, in Szene gesetzt und ausgeschmückt sein. Die Kirche, die Person Jesu und sogar Gott himself sind so ein Märchen wie „Herr der Ringe“ oder „Star wars“. Also ein wenig Popcorn und Bier – und am Ende weiß man erst wieder nicht, wer nun wirklich die Guten waren!

ODER aber: Es stimmt ganz einfach! ES IST WAHR! Es ist die alles entscheidende Sache in unserem Leben. Glaubst du daran, dass Gott dich kennt, dich liebt und deinen Namen in seiner Hand trägt? Dass er, dein himmlischer Vater, seinen einzigen Sohn hingab, um dich zu retten und dir so die Chance auf ein ewiges Leben eröffnet?

Für immer Frieden, Ruhe und eine Party, die du dir nicht mal im Traum vorstellen kannst?

Also, wenn das wahr ist, möchte ich keinen Tag missen, an dem ich alles getan habe, um am Tag X (wir haben schon über die Schärfe des Todes nachgedacht und dass diese für alle ansteht) vor diesem Gott stehen und sagen zu können:

YES! Ich bin zu Hause! Danke, mein Vater!!!

Die Wochen-Challenge:

Ich lade Sie diese Woche ein, Ihr Leben nach Unversöhntheit zu durchstöbern! Mit sich selbst, Ihrer Vergangenheit, Ihrer Situation und mit Menschen in Ihrem Umfeld. Was würden Sie tun, wenn morgen Ihr letzter Tag wäre?

Ich ermutige Sie, Ihr Gewissen zu prüfen und sich auf eine gute, tiefe und heilsame Beichte vorzubereiten. Die Fastenzeit ist genau dafür die perfekte Zeit! Gehen Sie erst, wenn Sie sich dafür Zeit genommen haben, um der Reue auch den nötigen Platz zu geben, den sie braucht. Jesus kennt Ihre Fehler ohnehin – es ist nur die Frage, ob und wie Sie diese zu ihm bringen.

Von Christian Schallauer 

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