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Betrachtung zur Fastenzeit

1. Fastensonntag: Die Stille

Willkommen in der Wüste! (nehme Bezug auf den Leitartikel: Die Fastenzeit – ab in die WüsteIch freue mich, dass Sie mitgekommen sind! Ich hoffe, Sie haben etwas Mut eingepackt, denn es könnte ein ziemliches Abenteuer werden …

Die Stille

Wir stehen nun am Anfang dieser Reise. Ein Reise durch die Fastenzeit – von mir die Wüstenzeit genannt. Ich habe im Leitartikel darauf hingewiesen, dass Jesus ganz bewusst diesen Weg gegangen sei, sich vom Heiligen Geist gezielt in diese Todeszone leiten habe lassen. Diese sehr konkrete Gegenwart des Todes in der Wüste hat mich tiefer nachdenken lassen (bitte im Artikel nachlesen) und bringt mich nun zum Thema vom ersten Fastensonntag: die Stille!

Jesus ging nicht mit seinen Aposteln, nicht mit ein paar Fans und schon gar nicht mit seinen Gegnern, den Schriftgelehrten, in die Wüste. Nein, er ging ganz allein! Er, die Wüste in ihrer Erbarmungslosigkeit mit Hitze, Sand, Fels, Kälte, ohne Nahrungsquelle und – ja richtig – Stille waren dort! Moment, war nicht doch noch jemand bei Jesus?

Ach ja, dieser stolze Typ, ehemaliger Lichtträger und Anführer einer „Möchte-gerne-Gott-sein-Gang“ – aber der kam erst am Ende der vierzig Tage. Auf diesen Typ werde ich in dieser Serie noch eingehen.

Also die Stille! Ist sie nun denn von Bedeutung für uns Menschen?

Als Kind und Jugendlicher verbindet man mit diesem Wort oft nur Langweiliges oder sogar Unangenehmes, man wurde vielleicht dazu gezwungen, „endlich mal still zu sein!“ Als Erwachsener ist eine stille Zeit eher kaum bis nie Teil unseres Alltages. Der Schlaf als solches zählt nicht, denn man schläft ja – und, genau, selbst hier läuft noch die Glotze in den meisten Schlafzimmern der westlichen Welt oder zumindest das Schnarchen des lieben Ehemannes durchpflügt die „stille“ Nacht. Die Stille – also die Abwesenheit von Lärm oder Geräuschen – hat aber eine vielfach größere Bedeutung als wir auf den ersten oder sogar zweiten Blick wahrnehmen können bzw. als uns bewusst ist.

„Erst wenn die Stille dich umstellt, entdeckst du deine innere Welt.“, Erich Limpach (1899 – 1965), deutscher Dichter

Die Stille in der Welt

Professor Rainer Guski von der Universität Bochhum und dessen Team haben erforscht, wie die Stille oder eben ihre Abwesenheit – der Lärm – sich auf den menschlichen Körper auswirken können. In einer Lärmstudie namens NORAH kamen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass sehr viel Risiken zur Krankheiten wie zum Beispiel Depression aus dem Lärm kommen können! So wird mehrmals darauf hingewiesen, dass wir Menschen die Stille dringend benötigen und Das-in-der-Stille-sSein, NEU erlernen müssen und sollten! (Quelle: http://www.laermstudie.de/)

Wo waren Sie das letzte Mal wirklich – ich meine wirklich bewusst – in einer absoluten Stille?

Ist es nicht so, dass bei uns von morgens (Wecker) über Mittag (Musik) bis abends (Nachrichten und TV), ja sogar bis in die Nacht hinein („Nachtleben“) es immer und ständig etwas laut ist? Allein der Verkehrslärm, der in der angegebenen Studie erforscht wurde, ist beinahe rund um die Rund vorhanden. Sicher, am Land weniger als in der Stadt – aber bei der heutigen Landwirtschaft mit Traktoren, die größer als ein Lkw und mit starken Scheinwerfern ausgestattet sind, die jene für eine Landepiste fasst erbärmlich wirken lassen, hat man auch dort keine Ruhe mehr.

Ganz extrem ist es natürlich in der Wirtschaft. Wussten Sie, dass im Business die Stille als der Feind schlechthin gilt? Darum wird überall, wo es um das Verkaufen und den Konsum geht, und in jedem Shopping-Tempel ständig eine Hintergrundmusik eingespielt. Es darf einfach nicht still sein! Ich möchte das nicht zu überzeichnen, aber ich kenne meinen Alltag als Papa mit Kindern und in der Berufswelt – mit allem Drum und Dran, da wird es richtig rar mit den stillen Momenten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist de facto so, dass wir in der heutigen modernen Zeit uns die Stille erarbeiten müssen. Sie ist einfach nicht mehr vorhanden!

Doch in der Wüste – dort ist sie – ganz von allein! Jesus hatte wohl noch nicht so sehr das Problem mit Hintergrundmusik im Einkaufszentrum, dem Fluglärm über Jerusalem oder dem Ghetto-Blaster vom Nachbarn im Plattenbau. Aber aus den Evangelien liest man schon heraus, dass ihm die Leute oft ganz schön zu viel geworden sind! Er suchte, jetzt abgesehen von den vierzig Tagen in der Wüste, auch so oft die Berge auf, oder ging in die Nacht hinein, um für sich zu sein. Dort war er dann, in der Stille der Welt!

Diese räumliche Stille sollten wir auch suchen. Diese Orte und Möglichkeiten, einfach in eine Ruhe zu kommen, die sonst diese Welt nicht einfach so bietet. Ich laufe oft allein, setze mich aufs Rennrad und wähle eine abgelegene Bergstraße oder wandere in den Bergen. Mir wurde durch diese Lektionen von Jesus bewusst, wie wichtig Das-in-die-Stille-Gehen für uns Menschen ist. Wenn das schon der Sohn Gottes sucht und „braucht“, wieviel mehr dann wir, die Schafe seiner Herde?

Die Stille in deinem Herzen

Wenn nun diese räumliche Stille einmal als wertvoll, wichtig und überaus bereichernd entdeckt worden ist, man sich darauf eingelassen hat, kann noch viel mehr passieren! Bitte nicht erschrecken! Rechnen Sie mit dem völlig Unfassbaren, Unmöglichen, dass jemand plötzlich „Hallo!“ sagt!

Okay, vielleicht nicht gerade „Hallo“, aber dass jemand mit Ihnen spricht. Wie? In der Stille? Um das zu verstehen, brauchen wir eine heilige Frau, die uns darüber lehrt, was es heißt, die Stille des Herzens zu haben:

„In the silence of the heart God speaks to you!“  Hl. Mutter Teresa von Kalkutta

Bei Männerexerzitien im Stift Seckau (Steiermark, Österreich) war Pater Leo Maasburg einer der geistlichen Leiter. Er war lange Wegbegleiter, Beichtvater und Vertrauter von Mutter Teresa. Er erzählte uns so viele persönliche Erlebnisse, dass ich vor lauter Staunen nicht mehr herauskam. Diese Frau faszinierte mich! Ihr Zitat bohrte sich in mein Herz! In der Stille des Herzens spricht Gott zu dir – bums!

Ich konnte in dieser Nacht kaum ein Auge zu tun. Wie oft habe ich mit mir und diesem nicht greifbaren, nicht hörbaren, nicht sichtbaren Gott gerungen. Und nun gibt mir diese einfache, aber so heilige Frau die Antwort: Du musst die Stille deines Herzens finden – dort spricht er zu dir!

Ich musste weinen! Keine Ahnung mehr, warum, aber mir kullerten die Tränen über die Wangen. Was ist das für eine Zusage?

Seit diesem Tag versuche ich mehr und mehr, diese Stille meines Herzens zu suchen, zu pflegen und zu vertiefen! Es ist nicht leicht heutzutage – wir haben das schon betrachtet –, aber es geht und ich kann nur Zeugnis dafür ablegen, wie sehr mich diese Suche verändert hat!

Die Wochen-Challenge:

Es wird für jeden Impuls pro Fastensonntag auch eine Aufgabe geben. Natürlich, nur wer möchte, darf diese annehmen 😉

Für die erste Woche lade ich Sie ein, eben genau diesen beschriebenen Weg zu gehen. Suchen Sie ganz konkret nach räumlicher Stille! Schaffen Sie eine Zeit, die es ihnen ermöglicht, einmal die Abwesenheit von Lärm, Geräuschen und ständiger Bewegung zu erleben. Beispiele: Kein TV am Abend, lassen Sie mal das Radio ausgeschaltet – auch im Auto, kein Handy oder etwas, was Sie ständig ablenkt.

Geübte oder jene, denen es leichter fällt, in räumlicher Stille zu sein, dürfen sich als weiteren Schritt gerne auf die Suche nach der Stille des Herzens machen!

Mein Tipp: Gehen Sie in die Natur, in den Wald, in die Berge oder am besten in die Wüste! Dort ging auch Jesus hin, sicher nicht ohne Grund!

von Christian Schallauer

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