Ist die Hölle leer? Die katholische Lehre über die ewige Verdammnis

Was lehrt die Kirche über die Hölle? Dürfen wir hoffen, dass alle Menschen gerettet werden? Oder lehrt die Kirche, dass ganz sicher Menschen in der Hölle sind? Und wenn ja, wer und wie viele?

Diesen Fragen geht dieser Artikel anhand der katholischen Lehre nach. Es wird hier keine Privatmeinung wiedergegeben, sondern das, was im „Lexikon für Theologie und Kirche“ (LThK, 1933), im „Grundriss der Dogmatik“ von Ott (1954) und im Katechismus der katholischen Kirche (1997) steht.

Dogmatikprofessor Dr. Engelbert Krebs über die Hölle

„Die ewige Bestrafung der in der Todsünde Dahingeschiedenen bezeugen das Athanasianische Glaubensbekenntnis: ‚Die aber Böses getan haben, werden in das ewige Feuer gehen‘ (Denzinger n. 40); Papst Pelagius I. 557: ‚Die den Weg des Herrn nicht erkannt haben oder ihn zwar erkannt, aber in mancherlei Auflehnungen verlassen haben, wird Christus dem gerechtesten Gerichte überliefern in den Strafen des ewigen u. unauslöschlichen Feuers, so dass sie ohne Ende brennen‘ (Denz. 3028); Innozenz III. 1201 an Erzbischof Ymbert von Arles: ‚Strafe der Erbsünde ist die Entbehrung der Anschauung Gottes, Strafe der Tatsünde aber die Qual der ewigen Hölle‘ [gehennae perpetuae cruciatus] (Denz. 410); das 4. Laterankonzil 1215: ‚Alle werden Vergeltung empfangen gemäß ihren Werken, mögen sie gut oder schlecht gewesen sein, die einen mit dem Teufel die ewige Strafe, die anderen mit Christus die ewige Glorie‘ (Denz. 429). Innozenz IV. 1254: ‚Wenn einer ohne Buße in der Todsünde stirbt, erleidet er unzweifelhaft dauernde Qual in den Gluten der ewigen Hölle.‘ Den sofortigen Eintritt der Höllenstrafen schon vor der Auferstehung des Fleisches und die Verschiedenheit der Strafen für die verschiedenen Sünder definierten das 2. Konzil von Lyon 1274, Benedikt XII. 1336 und das Konzil von Florenz 1439 (Denz. 464, 530, 693).“

„Die physische Wirklichkeit des Höllenfeuers ist als sichere Glaubensüberzeugung der Patristik und Scholastik anzusehen; doch handelt es sich nicht um irdisches Feuer, vielmehr um ein uns unbekanntes äußeres d.h. vom Sünder selbst verschiedenes Agens, das ihm seelische und leibliche Qual verursacht und ob deren Heftigkeit mit ‚Feuer‘ bezeichnet wird …“

Dogmatikprofessor Dr. Ludwig Ott über die Hölle

„Die Seelen derer, die im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, gehen in die Hölle ein. De fide.“ (De fide heißt, dass diese Lehre eine Glaubenswahrheit mit dem höchsten Gewissheitsgrad ist.)

„Die Hölle ist ein Ort und Zustand ewiger Unseligkeit, in dem sich die von Gott verworfenen befinden … Jesus droht den Sündern die Höllenstrafe an. Er nennt sie Gehenna“ (u.a. in Mt. 5, 29 f; 10, 28; 23, 15. 33; Mk 9, 43. 45. 47).“

„Die Höllenstrafe dauert in alle Ewigkeit. De fide.“

„Das Strafmaß der einzelnen Verdammten ist verschieden je nach dem Grade ihrer Schuld. Sent. communis.“ (Sententia communis heißt, dass es eine Lehre ist, die an sich in das Gebiet der freien Meinungen gehört, von den Theologen aber allgemein vertreten wird.)

„Augustin lehrt: „In der Unseligkeit wird es dem einen Verdammten erträglicher ergehen als dem anderen“ … Es ist eine Forderung der Gerechtigkeit, dass die Größe der Strafe der Schwere der Schuld entspricht.“

Der Katechismus der katholischen Kirche über die Hölle

„1035 Die Lehre der Kirche sagt, dass es eine Hölle gibt und dass sie ewig dauert. Die Seelen derer, die im Stand der Todsünde sterben, kommen sogleich nach dem Tod in die Unterwelt, wo sie die Qualen der Hölle erleiden, „dass ewige Feuer.“ Die schlimmste Pein der Hölle besteht in der ewigen Trennung von Gott, in dem allein der Mensch das Leben und das Glück finden kann, für die er erschaffen worden ist und nach denen er sich sehnt.“

„1037 Niemand wird von Gott dazu vorherbestimmt, in die Hölle zu kommen; nur eine freiwillige Abkehr von Gott (eine Todsünde), in der man bis zum Ende verharrt, führt dazu. Bei der Eucharistiefeier und in den täglichen Gebeten ihrer Gläubigen erfleht die Kirche das Erbarmen Gottes, der „nicht will, dass jemand zugrunde geht, sondern alle sich bekehren“ (2 Petr 3,9)“.


Zurück zu den Eingangsfragen: Was lehrt die Kirche über die Hölle? – Die Kirche lehrt, dass derjenige, der im Stand der Todsünde stirbt in die Hölle kommt und dass die Hölle ewig ist. Es wird angenommen, dass die Strafe in der Hölle unterschiedlich ist, je nach Größe der Schuld.

Dürfen wir hoffen, dass alle Menschen gerettet werden? Oder lehrt die Kirche, dass ganz sicher Menschen in der Hölle sind? Und wenn ja, wer und wie viele? – Die Kirche lehrt nicht, dass alle Menschen gerettet werden. Es wird aber nicht gesagt, wer konkret in der Hölle ist. Über die konkrete Verdammnis von Einzelmenschen äußert sie sich nicht.

Quellen und Literaturangabe:

Katechismus der katholischen Kirche, Neuübersetzung aufgrund der Editio typica Latina 1997, Vatikanstadt 2003, Nr. 1035 und 1037.

Krebs, Engelbert, Hölle. I. Dogmatisch., in: LThK 5 (1933), Sp. 116 f.

Ott, Ludwig, Grundriss der katholischen Dogmatik, Freiburg i.B. 1954, S. 549-552.

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