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Volksmissale

Orare cum Ecclesia

2015 erschien die erste Auflage des "Volksmissale. Das vollständige römische Messbuch nach der Ordnung von 1962, lateinisch/deutsch". Pater Martin Ramm, Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus, hatte den deutschen Text unter Mithilfe anderer Priester seiner Gemeinschaft vollständig neu erarbeitet.

Bild: CC-0

Eine Buchbesprechung zur dritten Auflage des lat.-dt. Volksmissale der Petrusbruderschaft

2015 erschien die erste Auflage des „Volksmissale. Das vollständige römische Messbuch nach der Ordnung von 1962, lateinisch/deutsch“. Pater Martin Ramm, Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus, hatte den deutschen Text unter Mithilfe anderer Priester seiner Gemeinschaft vollständig neu erarbeitet.

2015 erschien die erste Auflage des „Volksmissale. Das vollständige römische Messbuch nach der Ordnung von 1962, lateinisch/deutsch“. Pater Martin Ramm, Priester der Priesterbruderschaft St. Petrus, hatte den deutschen Text unter Mithilfe anderer Priester seiner Gemeinschaft vollständig neu erarbeitet. Bereits diese Tatsache an sich ist beachtlich, war dieses Unternehmen doch seit 1928/29, als in zwei Anläufen eine sogenannte deutsche Einheitsübersetzung von Ordo und Canon Missae erstellt worden war, überhaupt das erste Mal, dass jemand erneut daranging, die gleichbleibenden Teile der überlieferten römischen Messliturgie eigenständig und im Zusammenhang eines einheitlichen liturgisch-theologischen wie altphilologischen Gesamtkonzepts ins Deutsche zu übertragen. Diese Leistung überbot sich gewissermaßen sogleich selbst, da das Volksmissale Ramms ja auch alle Proprien in eigener, neuer Übersetzung ebenso bietet, wie es in neu erstellten Einführungen zu den Zeiten und Festen des Kirchenjahres deren liturgischen Gehalt und Geist erschließt.

Trotzdem ragt die feststehende Liturgie durch ihre tägliche Wiederkehr besonders hervor und sieht sich Ramm gerade in diesem Bereich mit seinem Text der Prägekraft einer sprachlichen Gestalt gegenüber, die allgemein von 1929 bis 1967 das Glaubensbewusstsein und gottesdienstliche Verständnis deutschsprachiger Katholiken bestimmt hat und dies in jenen Kreisen, die auch über die nachkonziliare Phase hinaus der überlieferten Liturgie verbunden geblieben waren oder sich ihr zwischenzeitlich wieder zugewandt haben, im wesentlichen bis heute tut.

Die Textversion , die im Volksmissale seit 2015 vorliegt, sollte nun gerade nicht als eine neue Einheitsübersetzung verstanden werden. Schon diejenige von 1929 wurde nicht nur befürwortend aufgenommen. Nicht so sehr wegen einzelner, strittiger sprachlicher Formulierungen, sondern wegen der Grundsatzfrage, ob für einen ohnehin amtlich und öffentlich in lateinischer Liturgiesprache vollzogenen Gottesdienst eine unbedingt Wort für Wort identische, volkssprachliche Fassung notwendig oder auch nur wünschenswert ist. Für diejenigen, die den Gottesdienst weiterhin oder wieder in ihrer überlieferten römischen Gestalt feiern, gilt diese Frage auf jeden Fall unverändert, und sie gilt gewissermaßen verstärkt, weil Ramm aktuell keine Mitstreiter oder Konkurrenten in der Messbuchübersetzung besitzt, nur die historischen des Schott und in verringertem Maße des Bomm, an denen als antiquarischen Alternativen längst keine Überarbeitungen und Verbesserungen mehr stattfinden.

Uniformität der Übersetzung schon früher auch skeptisch betrachtet

Seinerzeit, im Umfeld der damaligen Einheitsübersetzung und als Reaktion darauf, formulierte etwa Pater Ambros Hiestand OSB (1905-1954) die Skepsis gegenüber einem vorschnell standardisierten Text wie folgt: „Wer die ganze Schwierigkeit der Übersetzung liturgischer Texte kennt, wird wissen, daß die Arbeit daran nie zu Ende geht, und daß es für ein Laienmeßbuch nur ein Lob sein kann, wenn es von Auflage zu Auflage die Übersetzung verbessert “ (Hiestand, A., Herr, lehre uns beten. Von der rechten Weise, nach dem Volksmeßbuch mit der Kirche zu beten, Einsiedeln 1938, S. 16). Wenig später sagt Pater Hiestand sogar, das „vorgebliche (!) Ideal eines Einheits-Übersetzungstextes“ liege „völlig außerhalb des Aufgabenbereiches eines Laienmeßbuches, weil es in der (…) Ordnung eines lateinisch geführten Gottesdienstes die Brücke zwischen Priester und Gemeinde bauen will, nicht eine volkssprachliche Gottesdienstform begründen soll“ (vgl. ebd., S. 17). Die Schrift, aus der diese Zitate entnommen sind, stellt eine Art Werbe- oder Begleitbroschüre zum Volksmessbuch des Pater Urbanus Bomm (1901-1982) von der Eifelabtei Maria Laach dar, das seit 1927 dem seit 1884 erscheinenden Schott konkurrierend und alternativ zur Seite stand. Angesichts dieser kritischen Stimme ist es ziemlich erstaunlich, dass es ausgerechnet das Laacher Volksmessbuch war, welches als erstes Messbuch den Einheitstext von 1929 übernahm, nämlich schon ab seiner 5. Auflage von 1930 (vgl. Häußling, A. A., Das Missale deutsch. Materialien zur Rezeptionsgeschichte der lateinischen Meßliturgie im deutschen Sprachgebiet bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, Tbd. 1, Münster 1984, S. 149). Dieser historische Horizont und Rahmen findet deshalb in dieser Rezension des Ramm-Messbuches Platz, weil man nur so versteht, worin das Besondere einer nach so langer Zeit neu erreichten, geschlossenen Übersetzungsleistung besteht, ohne diese deshalb selbst wieder jahrzehntelang für definitiv zu halten.

Ramms Volksmissale bereits nach zwei Jahren in dritter Auflage erschienen

So war es erfreulich, dass um Pfingsten 2017 herum bereits die zweite Auflage des Ramm erscheinen konnte, in der schon einige Verbesserungen vorgenommen wurden, die auf praxisgereiften Erfahrungswerten mit der Erstauflage beruhten. So wurde ein etwas dunkler Ton des Rot gewählt, in dem Rubriken und sonstige Erläuterungen im Unterschied zum liturgischen Text gedruckt sind, um so gut als möglich das Durchschimmern des modernen Dünndruckpapiers zu kompensieren, das an der ersten Auflage verschiedentlich kritisiert worden war. Hier muss aber durchaus Pater Ramm oder der Verlag gegen Kritik in Schutz genommen werden; man hat tatsächlich schon das beste, heute verfügbare Dünndruckpapier verwendet. Wegen des heutzutage weit geringeren Holzanteils ist die einstige Qualität des von früheren Bibeln oder Gebetbüchern bekannten Papiers beim besten Willen leider nicht mehr zu erreichen.

Inhaltliche Ergänzungen gegenüber der Erstauflage, eigene Großdruckauflage

Auch inhaltlich kamen in der zweiten Auflage einige Ergänzungen hinzu, etwa das Messformular zum Fest der Patrona Bavariae, das Benutzer in bayerischen Diözesen zunächst schmerzlich vermisst hatten. Die als dritte Auflage gezählte erschien rechtzeitig vor Weihnachten im November 2017. Sie unterscheidet sich außer in einem Punkt, auf den wir anschließend zu sprechen kommen, nicht wesentlich von der zweiten, sondern ist strenggenommen nur deren Großdruckausgabe für Menschen mit verminderter Sehkraft. Das vergrößerte Druckbild führt dazu, dass das Format des Buches gegenüber der Normaldruckausgabe um circa 20 Prozent anwächst. Da das Format der Normaldruckausgabe schon größer als vom Schott und Bomm gewohnt ausfällt, was an sich als zusätzlicher Komfort und Vorteil des Ramm zu werten ist, ist die Anschaffung der Großdruckausgabe wirklich nur jenen Gläubigen zu empfehlen, die darauf aus Gründen des Alters oder individueller Sehbehinderung tatsächlich angewiesen sind, da man andernfalls das Buch zweifelsohne rasch als unhandlich empfindet und im Bücherregal zurücklässt, statt es als Begleiter zum Kirchgang mitzunehmen.

Katechetisch-liturgische Erklärung der heiligen Messe und ihres überlieferten Ritus

Was bisher ebenfalls vermisst wurde, ist eine zusammenhängende Einführung in Verständnis und Geist der Liturgie des Messopfers. Eine solche erscheint jetzt erstmals in die Großdruckausgabe eingefügt unter der Überschrift: „Die Messe verstehen – die Messe lieben“. Sie umfasst insgesamt 76 Seiten. Sie schließt sich der schon aus der ersten und zweiten Auflage in Normaldruck bekannten, praktischen „Hinführung zum Gebrauch des Volksmissale“ an und geht nunmehr dem Text des Motu Proprio Summorum Pontificum voraus, das die aktuelle Rechtsgrundlage für den Gebrauch der liturgischen Bücher in ihrer Editio typica von 1962 darstellt. Manche werden es daher bedauern, dass der Wortlaut der zugehörigen Instruktion Universae Ecclesiae weiterhin fehlt. Die neueingefügte Messerklärung vervollständigt unbestreitbar sehr glücklich die schon bisher in den Text von Ordo und Canon Missae eingestreuten liturgisch-dogmatischen Erläuterungen. Deshalb ist lebhaft zu wünschen, dass sie künftig standardmäßig in etwaige, weitere Normaldruckauflagen Eingang findet. Angesichts des nüchtern und objektiv betrachtet doch sehr überschaubaren Radius der überlieferten Liturgie im deutschsprachigen Raum und des gewohnheitsmäßigen Festhaltens am bekannten Schott seitens nicht weniger „Traditionalisten“ fragt sich allerdings, ob die vorhandenen Auflagen und Ausgaben des Ramm nicht langsam schon den vorhandenen Bedarf gesättigt haben werden. Sollten weitere Auflagen folgen, ist es eine Chance zu fortgesetzten Verbesserungen in Übersetzung und Erschließung von Text und Gestus des überlieferten Ritus in Pater Ramms Volksmissale.

Neuübersetzung von Ordo und Canon nicht Schlusspunkt, sondern Chance

Da die Übersetzung im überlieferten Ritus gerade nicht dem unmittelbaren liturgischen Vollzug, sondern dem persönlichen Mitvollzug der objektiven liturgischen Handlung dient, braucht sie nicht als in Stein gemeißelt verstanden zu werden und kann Text und Deutung Ramms ohne Probleme sowohl weiter verbessert und überarbeitet werden und gleichzeitig ohne weiteres im Nebeneinander zum Schott (und auch Bomm) innerhalb ein und derselben Gottesdienstgemeinde bestehen und benutzt werden. Wer weder einen Schott oder Bomm bereits besitzt, dem ist auf jeden Fall anzuraten, nicht diese Bücher antiquarisch oder im Nachdruck zum aktuellen Gebrauch in der Liturgie anzuschaffen, sondern zu diesem Zweck zum Volksmissale Ramms zu greifen.

Sprachliche und theologische Präzision der Übersetzung weiterhin wichtiger Wert

In Zeiten, in denen die Weitergeltung der Instruktion Liturgiam authenticam, die die getreue Wiedergabe lateinischer Liturgietexte in der Volkssprache regelt, in Frage gestellt oder die Verbindlichkeit der dort festgelegten Kriterien und Standards zumindest relativiert erscheint, ist es wertvoll, dass mit der Übersetzung Ramms eine aktuelle Leistung vorliegt, die sich bewusst an diesen Normen orientiert und ihnen voll genügt. Sie bietet eine Textgestalt, die zugleich echt zeitgenössisch und sakral dem Alltagsgebrauch und kurzlebigen Sprachmoden des Deutschen überlegen ist. Es wäre reizvoll und lohnend, unter diesem Gesichtspunkt insbesondere den deutschen Wortlaut des Canon Missae theologisch-altphilologisch detailliert zu untersuchen. Eine Aufgabe, die in diesem Rahmen nicht geleistet werden kann, aber als Desiderat ausdrücklich angesprochen sei. Ein bestimmtes Detail möchte ich dennoch erwähnen. Neben dem Text des römischen Messbuchs umfasst der Ramm auch einen Gebetsteil im Anschluss an das eigentliche liturgische Beten der Kirche. In diesem Teil finden wir auch die Lauretanische Litanei. Es ist zu begrüßen, dass diese vollständig vorliegt, das heißt, auch die von Paul VI. und Johannes Paul II. eingefügten Anrufungen Mater Ecclesiae beziehungsweise Mater Familiae anführt. Die Übersetzung der Anrufung Auxilium Christianorum mit Du Helferin der Christen möchte ich gerade vom Anspruch der sprachlichen Präzision her kritisieren: Sie sollte, wie es auch herkömmlich ist, weiterhin mit Du Hilfe der Christen wiedergegeben werden, zumal zumindest lokal auch der marianische Titel der Auxiliatrix existiert. Es ist dies die lateinische Bezeichnung des Innsbrucker Gnadenbildes Mariahilf, das Lucas Cranach d. Ä. geschaffen hat und das seit 1650 durchgehend in der heutigen Innsbrucker Kathedralkirche, dem Dom zu St. Jakob, verehrt wird. Maria Auxiliatrix, was mit Maria Helferin zu übersetzen wäre, ist jedoch nicht identisch mit dem Titel Auxilium Christianorum und selbst keine Anrufung der Lauretanischen Litanei.

Das Volksmissale: Sentire, orare et offerre cum Ecclesia

Vom Ramm-Messbuch gilt, was Pater Hiestand über das Bomm-Messbuch schrieb: „Mit der Kirche beten, das heißt: eintreten, in die Gemeinschaft von Priester und Gemeinde, die dem Gebet der Kirche wesentlich ist. Das ist für diejenigen am leichtesten, die die Sprache gut verstehen, in der die eucharistische Liturgie gefeiert wird. Sie brauchen kein Buch, sonder nur ihr Ohr; und wenn sie dann noch in derselben Sprache die Gebete sprechen und die Antworten geben können, die der Gemeinde zukommen, dann ist der lebendige Zusammenklang von Priester- und Gläubigengebet erreicht, der als ideal bezeichnet werden muß“ (Hiestand, Herr, lehre uns beten, S. 14, kursiv im Original) und weiter an anderer Stelle: „Es wäre ein falsches Ideal, wenn man sich möglichst schnell auf eine glatte Einheitsübersetzung einigen würde, statt ständig daran zu arbeiten, die Übersetzung immer sinngemäßer und genauer zu gestalten. Denn sie muß das, was der Priester spricht, in einer Weise vermitteln, daß das Amen, welches der Gläubige auf Grund der Übersetzung, die er liest, zum Gebet des Priesters spricht, wirklich und genau denselben Inhalt bejaht“ (ebd., S. 16). Da die Verbindlichkeit des Textes, der von 1929 bis 1967 beziehungsweise bis in die Gegenwart hinein das Gedächtnis und Verständnis der deutschsprachigen Gläubigen bestimmt hat, uns nicht mehr verpflichtet, ist der neuen und heutigen Übersetzung Ramms gerade diese Möglichkeit und Aufgabe mitgegeben. Da sie keine neue Einheitsübersetzung ist, noch sein will, besitzt sie wieder größere Freiheit und Offenheit zu ständiger Vervollkommnung in Entsprechung und Deutung der heiligen Liturgie. So kann das Volksmissale das Sentire cum Ecclesia immer besser und treffender in ein Orare cum Ecclesia übersetzen und hineinführen, ja zu einem echten Offerre cum Ecclesia formen und gestalten.

Volksmissale (1962),
 Einfache Ausgabe, 1920 Seiten,
 flexibler Umschlag aus schwarzem italienischen Rindsleder,
 leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
 17,5 x 12,5 x 3,5 cm
 mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
 2. Auflage, 2017
 Preis: EUR 50,- zzgl. Versandkosten

Volksmissale (1962),
 Großdruckausgabe, 2000 Seiten,
 gebunden in schwarzes Rindsspaltleder,
 leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
 21,5 x 15 x 3,8 cm,
 mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
 3. Auflage, 2017
 Preis: EUR 70,- zzgl. Versandkosten

Zur gewöhnlichen Ausgabe gibt es optional zusätzlich eine Reiß­verschluss­hülle aus Rindsleder.

Das Volksmissale ist erhältlich bei introibo.net
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