Press "Enter" to skip to content
Volksmissale

Wichtige Aspekte des Volksmissale der Petrusbruderschaft näher betrachtet

Im Anschluss an die kürzlich hier erschienene Vorstellung des Volksmissale der Priesterbruderschaft St. Petrus, das 2017 in zweiter und dritter Auflage erschienen ist, möchte ich eigens auf einen Vorzug der Disposition dieses Messbuchs für die mitfeiernde Gemeinde eingehen und ihn gesondert herausstellen, weil er ohne Hinweis vielleicht gar nicht auffällt und ins Bewusstsein tritt.

Bild: volksmissale10

Orare cum Ecclesia II. 

Das Altarmessbuch enthält außer den Rubriken keine weiteren, kommentierenden Gliederungen, die die innere Struktur des Ritus nochmals verdeutlichen. Das bedeutet, dass ein Bearbeiter, der das Missale zweisprachig für den Gebrauch der Gläubigen aufbereitet, bei der Vornahme einer solchen Gliederung relativ frei ist, mit seiner Entscheidung aber auch durchaus eine Aussage über das eigene Verständnis der Liturgie der heiligen Messe trifft.

Wer den Schott kennt, dem fällt im Volksmissale, dem Ramm, auf, dass bereits vor der Präfation die eingeschobene Zwischenüberschrift  „Wandlung“ erscheint. Darin folgt Pater Martin Ramm FSSP der Anlage im Volksmessbuch von Pater Urbanus Bomm (1901-1982), wo wir an dieser Stelle „Wandlungsteil“ lesen.  Von Bomm übernimmt Ramm auch die Eingliederung aller Präfationen, die das römische Messbuch kennt, in den Ordo, während Schott in diesen nur die gewöhnliche Präfation aufnimmt, alle anderen aber erst im Anschluss an den Messritus, sogar erst nach der Danksagung post Missam, folgen lässt.

Schon Adalbert Ebner schrieb im 19. Jahrhundert: „Die stete Einleitung zum Canon bildet die Präfation, die wegen ihres engen Zusammenhanges mit demselben (er beginnt mit ausdrücklicher Bezugnahme auf die vorausgehende Präfation: Te igitur clementissime Pater) häufig als Bestandtheil des Canon selbst betrachtet wurde“ (Ebner, A., Quellen und Forschungen zur Geschichte und Kunstgeschichte des Missale Romanum im Mittelalter. Iter Italicum, Freiburg i. Br. 1896, Nachdruck Graz 1957, S. 395, Orthographie und Hervorhebung  im Original). In der zugehörigen Fußnote vermerkt Ebner: „Mehrfach steht in Handschriften v o r der den Canon einleitenden Praefatio communis die Ueberschrift: Incipit Canon actionis“ (ebd.).  Als Abschluss des Hochgebets wird häufig intuitiv, zumal sie mit der sogenannten kleinen Elevation und mit Glockenzeichen verbunden ist, die Doxologie aufgefasst. Dies legen Schott und Bomm durch die jeweiligen Einteilungen, welche sie vornehmen, gleichermaßen nahe, Ramm disponiert anders und lässt den mit „Kommunion“ überschriebenen Teil mit dem Agnus Dei anfangen.

Zum konsekratorischen Charakter des gesamten Canon Missae und zu seinem Umfang

Im Registrum der Briefe Gregors des Großen finden wir ein Schreiben des Papstes an den Bischof Johannes von Syrakus vom Oktober 598 (VII. 12), worin er sich gegen ihm aus Sizilien zugetragene Vorwürfe verteidigt, seine liturgischen Anordnungen hätten den Ritus der Kirche Roms durch Übernahme von Bräuchen aus Konstantinopel, also der Griechen, in seiner Unversehrtheit korrumpiert.

Einer der vier genannten Vorwürfe lautet, er habe das durch die Anweisung getan, das Vaterunser „mox post canonem – gleich nach dem Canon“ zu sprechen. Es ist allgemein bekannt, dass das Vaterunser seine heutige Stellung in unserer Liturgie durch Papst Gregor I. erhalten hat.

In dem hier behandelten Brief, dessen Echtheit gesichert ist,  liegt uns also die Bestätigung dieser Tatsache durch Gregor selbst vor, denn er stellt nicht in Abrede, dies angeordnet zu haben, sondern begründet es folgendermaßen: „Das Herrengebet (orationem dominicam)  aber sprechen wir deshalb gleich anschließend (idcirco mox post) an das Hochgebet (precem), weil es der Brauch der Apostel war, allein zu diesem Gebet das Opfer der Darbringung zu konsekrieren (ut ad ipsam solum modo orationem oblationis hostiam consecrarent) und es mir [daher] sehr unpassend erschien, dass wir [zwar] das Gebet (precem), das ein Gelehrter (scolasticus) zusammengestellt hatte, über die Darbringung sprechen sollen, [gleichzeitig aber] das Vermächtnis selbst (ipsam traditionem), das unser Erlöser zusammengefügt hat, über seinen Leib und [sein] Blut nicht sprechen sollten. Aber auch das Gebet des Herrn wird bei den Griechen [wie das Kyrie, dessen liturgischer Gebrauch von Gregor in seinem Brief in dem Abschnitt dargestellt wird, der dem vorliegend übersetzten Passus vorausgeht] vom ganzen Volk gesprochen, bei uns jedoch vom Priester allein (a solo sacerdote).“

Man erkennt in der Argumentation des gesamten Briefes klar das Selbstverständnis Gregors, mit seinen liturgischen Bestimmungen keine Neuerungen oder der römischen Kirche fremde Gebräuche eingeführt zu haben, sondern sich vielmehr  auf die Tradition der Apostel bezogen und diese wieder zur Geltung gebracht zu haben.

Konkret wird die Zuordnung des Vaterunsers zum Canon und seine Zugehörigkeit zu ihm mit der Überzeugung begründet, von den Aposteln sei allein dieses, vom Erlöser selbst stammende Gebet, zur Konsekration des Opfers gesprochen worden.

Dass dem Vaterunser dieser konsekratorische Charakter im Kontext des Hochgebetes auch weiterhin zukommt, unterstreicht der betonte Hinweis, dass es nach der Anordnung Gregors bei den Lateinern und im Unterschied zu den Griechen – wie der konsekratorische Canon selbst  –  vom Priester allein gesprochen wird.

Dies wiederum kann durchaus als der Anspruch des Papstes verstanden werden, keineswegs eine fremde liturgische Praxis übernommen, sondern vielmehr eine  apostolische Tradition aufgegriffen zu haben. Ja, diese mit der von ihm vorgeschriebenen  liturgischen Praxis sogar überhaupt erst in ihrer ursprünglichen Reinheit wiederhergestellt zu haben.

Doxologie finaler Höhepunkt – statt Abschluss des Canon

Es ist vorstellbar, dass Ramm für seine Entscheidung, das Paternoster dem Canon zuzurechnen, auch kritisiert werden wird, weil er damit von der gewohnten Einteilung abgeht. Aber wir konnten hier sehen, dass er dafür das stärkere Argument als bloße Gewohnheit anführen kann, nämlich die Entscheidung Gregors des Großen, dem Vaterunser seine bis heute bestehende Stellung und Übung in der überlieferten Liturgie zu geben und die Begründung dieser Entscheidung, nämlich die Überzeugung, das Vaterunser sei integrierender Bestandteil im Konsekrationsgeschehen. Nach der Argumentation Gregors ist es daher zu begrüßen, dass in der überlieferten Liturgie das Vaterunser eigentlich allerorten Gebet des Zelebranten bleibt, obgleich der Codex Rubricarum von 1960 bereits die Möglichkeit geschaffen hatte, es auch gemeinsam zu sprechen.

Tradierte Position des Friedensgrußes wohlbegründet

In einer Erläuterung zum Vaterunser sagt Ramm zwar zunächst: „Mit dem Gebet des Herrn schließt feierlich der Kanon ab“ (S. 37*), sodann aber vor dem sogenannten Embolismus: „Mit der anschließenden Pax wird der Kanon endgültig zum Abschluss gebracht“ (ebd.). Wenn auch die Pax dem Canon angehört, spricht das übrigens auch gegen die Überlegung Benedikts XVI. im Anlehnung an Matt 5, 23 f, den Friedensgruß vor die Gabenbereitung zu verlegen; eine Reform die zwar wohl ohnehin nur das Messbuch Pauls VI. betroffen hätte, aber auch dort glücklicherweise niemals umgesetzt worden ist.  Dass auch der Embolismus als enge Einheit mit dem Vaterunser und mit diesem noch dem Canon zugehörig betrachtet wurde, ersehen wir auch daran, dass es sogar zu Demonstrationen der römischen Bevölkerung geführt haben soll, als Gregor der Große in den Text des Embolismus die Bitte:“Da propitius pacem in diebus nostris“ einschob, welche offensichtlich auch den Bezug zum folgenden Friedensgruß verstärkt.

Ganzheitliche Sicht des Canon Missae, Frage seines definitiven Abschlusses

In Anbetracht dessen, dass die von Ramm gewählte Einteilung die Kommunionriten erst mit dem Agnus Dei beginnen lässt, was auch sehr stimmig und überzeugend ist, würde demnach aber das Gebet Haec commixtio eine sonderbare Zwischenstellung einnehmen und weder den Canon- noch den Kommunionriten zugehören. Obgleich es bereits eine gewisse Ähnlichkeit mit der Formel aufweist, mit der die heilige Kommunion den Gläubigen gespendet wird, sagt es doch ausdrücklich haec commixtio et consecratio (!) und sollte vielleicht am besten selbst als der definitive Abschluss des Canon Missae betrachtet werden, zumal sich das Demonstrativpronomen haec sowohl auf commixtio als auch auf consecratio bezieht.

Dies sollte meines Erachtens nicht nur auf die Erklärung dieses Gebetes Einfluss haben, sondern sich ebenso auf seine Wiedergabe im Deutschen auswirken. Die sogenannte Einheitsübersetzung von 1929 ist hier sehr frei und sagt ungenau: „diese geheiligte Mischung“. Ramm übersetzt besser: „diese Mischung und Weihung“ (S. 38*), am präzisesten wäre es indes wahrscheinlich, von „Zusammenmischung“ oder wenigstens „Vermischung“ (gemeint ist ja eine Art Wiedervereinigung der getrennten, eucharistischen Gestalten und zusätzlich der gebrochenen heiligen Hostie mit dem konsekrierten  Wein) zu sprechen und auch im deutschen Text den spezifischen Ausdruck „(diese) Konsekration“ zu benutzen. Damit würde nochmals dem konsekratorischen Charakter des gesamten Hochgebets mit Präfation und Sanctus sowie dem Vaterunser Rechnung getragen.

Mit diesen Ergänzungen, die vielleicht auch über das Volksmissale Ramms hinaus nicht uninteressant sind, möchte ich dieses nochmals empfehlen. Die genannten Details zeigen, dass es sich wirklich lohnt, dieses neue Laienmessbuch  genau anzuschauen und aufmerksam zu benutzen.

Volksmissale (1962),
 Einfache Ausgabe, 1920 Seiten,
 flexibler Umschlag aus schwarzem italienischen Rindsleder,
 leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
 17,5 x 12,5 x 3,5 cm
 mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
 2. Auflage, 2017
 Preis: EUR 50,- zzgl. Versandkosten

Volksmissale (1962),
 Großdruckausgabe, 2000 Seiten,
 gebunden in schwarzes Rindsspaltleder,
 leicht cremefarbenes 30g Biblioprint-Papier,
 21,5 x 15 x 3,8 cm,
 mit Goldschnitt und sechs farbigen Lesebändern,
 3. Auflage, 2017
 Preis: EUR 70,- zzgl. Versandkosten

Zur gewöhnlichen Ausgabe gibt es optional zusätzlich eine Reiß­verschluss­hülle aus Rindsleder.

Das Volksmissale ist erhältlich bei introibo.net
Dieser Artikel wurde bereits 27 mal geteilt. Nun bist Du gefragt:

Teile diesen Artikel jetzt!

One Comment

  1. Isidor Matamoros 3. Februar 2018

    Mensch Christoph, ist ja toll Dich hier zu treffen. Hätte ich gar nicht gedacht. Mensch ist die Welt klein!
    Dein Artikel inspiriert mich, die von P. Martin Lugmayr FSSP so intensiv ventilierte Frage nach Eucharistiegebeten ohne Wandlungsworte hier einmal neu zu stellen. Mein Beitrag im Kreuzgang-Forum greift auf das zurück, was Lugmayr dort vor zwölf Jahren hinterlassen hatte, wobei ich aber seine Beiträge einer rigorosen Kritik unterwerfe. Ich denke, mein Beitrag paßt kontextlich zu Deinem:

    http://www.kreuzgang.org/viewtopic.php?f=21&t=19323

    Alles Gute, der Matamoros

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.