„Ich MUSSTE sie nehmen“ – Ein Jahr „Pille Danach“ ohne Rezept

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Von Monika Espe

Die großen Leitmedien rufen es inzwischen von den Dächern: Wer die Antibabypille nimmt, kann an einer Lungenembolie oder einer Thrombose erkranken oder sterben. Die ‚Pille danach‘ ist noch deutlich höher dosiert.

Die großen Leitmedien rufen es inzwischen von den Dächern: Wer die Antibabypille nimmt, kann an einer Lungenembolie oder einer Thrombose erkranken oder sterben. Die Frauen bekommen Angst und suchen nach einer sicheren und gesunden Alternative. Schließlich wollen sie leben, lieben und geliebt werden.

Im Netz befinden sich genügend Blogs und Facebook-Gruppen mit der allgemeinen Bezeichnung ‚NFP Natürliche Familienplanung‘. Viele wissen jedoch nicht, dass darunter alles und nichts gemeint sein kann. Dort findet sich zwischen vernünftigen Beiträgen allerhand Halbwissen, das die eilige Leserin dann nur partiell erfasst. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Pharmaindustrie und ihre ideologischen Partner in diesen Foren als Privatperson getarnt, gezielt Verwirrung stiften. Die Wahrheit wird zum Leidwesen der Frauen bis zur Unkenntlichkeit verdreht, verschwiegen oder auf unhöfliche Weise in der Luft zerfetzt.


Der moderne Mensch wollte frei sein. Welches Paar wollte die hart erkämpfte Freiheit aufgeben, um durch „unsichere“ Methoden gegen den eigenen Willen eine große Kinderschar untergejubelt zu bekommen. Der Papst hatte ja nichts Anderes anzubieten als katholikenvermehrende Methoden?!? Oder?

Doppelter Käse, wir wissen das inzwischen. Ihrem Auftrag gemäß erzieht die Kirche Jesu Christi zur Freiheit und Verantwortung. Die am Ende aufgelisteten natürlichen Methoden erkannte die Kirche als gut. Diese sind sehr sicher, wenn gerade kein Kinderwunsch besteht, ausschließlich gesund, liebevoll, für Kinder offen und so gut wie kostenlos. Außerdem begrüßt die Kirche eine verantwortliche Planung der Kinderzahl durch die Ehepaare.

Erfreulicherweise zieht die Mär vom Papst nicht mehr so wie früher. Heute dominiert zunehmend die Angst vor den lebensbedrohlichen Komplikationen durch die Pille.

Mit Hilfe diverser Apps oder Zykluscomputern verlässt sich die wenig informierte Nutzerin dann unhinterfragt auf einen Algorithmus, den eine fremde Person gegen Geld zur Verfügung stellt. In den fruchtbaren Tagen wird mit einer der unsicheren Barrieremethoden verhütet, obwohl gerade kein Kinderwunsch besteht. Das Kondom ist nach wie vor Barrieremethode Nummer 1. Selbstverständlich ist die Knistertüte immer noch unsicher und versagt auf die eine oder andere Weise.

„Hilfe“! Da haben wir den Notfall. Die Angst und der Zeitdruck führen die über ihren Zyklus uninformierte Frau alternativlos in die nächste Apotheke.

Dort wartet bereits die „Pille Danach“, die jetzt ohne Umwege zum Arzt rezeptfrei erworben werden kann. Wobei wir endlich beim eigentlichen Thema angekommen wären.

Was du ohne Hürden bekommen kannst, kann so schlimm nicht sein. Das entlastet die Seele, denn die spürt mehr oder weniger, dass ein Präparat mit einer derart durchschlagenden Wirkung nicht ohne Nebenwirkungen sein kann.

Bereits nach acht Monaten Rezeptfreiheit der „Pille danach“ verdoppelte sich der Umsatz. 81 % der Frauen kamen ohne Rezept in die Apotheke. Heute holen sich 85 % der Frauen aller Altersgruppen die „Notfallverhütung“ ohne Verordnung. Zu den Kundinnen gehören Mädchen ab 14 Jahren, die hierzu keine Einverständniserklärung der Eltern benötigen. Die Apotheken in meiner Nähe berichten, dass die Frauen diese Hormone überwiegend erstmals einnehmen. „Wir geben das Präparat an Frauen unter 14 nur im Beisein der Eltern ab.“ Das ist aber ganz schön verantwortlich. Die Pharmaindustrie kennt die deutschen Kundinnen sehr gut, denn Deutsche lieben die Selbstmedikation. Da ist bestimmt noch Luft nach oben, im Hinblick auf steigende Umsätze.

In meiner Arbeit als Referentin für Natürliche Empfängnisregelung bin ich mit folgenden Beratungssituationen konfrontiert:

„Ich MUSSTE die Pille danach nehmen!“ Bei diesen Gesprächen ist viel Feingefühl notwendig, weil die Frauen mit dem Wort „müssen“ bereits ihre Not zum Ausdruck bringen. Ich biete ihnen dann an, die Regeln noch einmal durchzugehen und diese der eigenen Gesundheit zu liebe klug zu nutzen. Wenn gerade kein Kinderwunsch besteht, darf das Paar die fruchtbare Zeit abwarten und die volle Intimität in der sicher unfruchtbaren Zeit (Regeln nach Rötzer) genießen. Ich ermutige sie, gut zu überlegen, was sie wollen und authentisch danach zu leben. An Enthaltsamkeit ist noch niemand gestorben. In diesen Gesprächen ist selbstverständlich Platz um Trauer, Ängste und Enttäuschungen aussprechen zu können.

„Bei mir geht NER nicht.“, höre ich ab und an, wenn nicht auswertbare Zyklen auf den Tisch gelegt werden. Nicht selten stellt sich heraus, dass es eine „Panne“ in der fruchtbaren Zeit gab. Natürlich läuft nach der Einnahme der „Notfallverhütung“ der Zyklus nicht weiter, als wäre nichts geschehen. Dass Barrieremethoden miserabel verhüten, haben die Paare selbst erlebt. Somit erledigt sich die Annahme: „Bei mir geht NER nicht“, und ein Neubeginn ist möglich.

Eine weitere junge Frau MUSSTE die PiDaNa nehmen. „Warum?“ wollte ich wissen, „weil ich mich nicht mehr erinnern konnte, ob…“ Durch das Gespräch, in dem ich hauptsächlich Zuhörerin war, konnte die Frau ihr Verhalten überdenken. Sie kam zur Erkenntnis, dass es besser sei, weniger Alkohol zu trinken, um einem Filmriss vorzubeugen. Nach einigen sachlichen Informationen setzte sie für ihre Zukunft neue Maßstäbe. Wir sprachen über die 50fache Dosierung der PiDaNa im Vergleich zur Minipille. Wenn eine Frau gerade so gut zweieinhalb Packungen der Minipille schlucken könnte, um das gleiche Ergebnis zu erzielen, dann bleibt das im Bildgedächtnis der Frauen durchaus haften. Für die Minipille ist ein ärztliches Rezept auch heute obligatorisch.

Würden die Frauen über ihren Zyklus Bescheid wissen, würden sie die Überflüssigkeit der PiDaNa/EllaOne-Intervention erkennen. Da ist von professionellen Beratern der verschiedenen natürlichen Methoden sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Darunter zählen Referenten des Institutes für Natürliche Empfängnisregelung Prof. Dr. med. Rötzer e. V., die Gruppe nfp/sensiplan ® der Maltheser, fertilityCare, NaProTec und nicht zuletzt die für Ehe- und Familie zuständigen Abteilungen der Bischöfe.

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Monika Espe ist 43 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder, sie ist Lehrerin für Gesundheits- und Pflegeberufe und seit 2009 Referentin am Institut für Natürliche Empfängnisregelung INER Prof. Dr. Rötzer e. V.

Dieser Artikel erschien am 10. März auf kath.net und wurde uns von der Autorin zur weitern Verbreitung zugesandt.

4 KOMMENTARE

  1. Ich zähle mich zu den gut informierten Frauen, die seit Jahren erfolgreich auf natürliche Verhütungsmethoden setzt. Auch hatte ich, ich nenne es mal Glück, noch nie auf die PiDANA zurückgreifen müssen. Unsere „Knistertüte“ hat im wahrsten Sinne des Wortes bisher standgehalten. Natürlich ist an Enthaltsamkeit noch keiner gestorben, wenn man sich allerdings liebt ist es leichter gesagt als getan. Vor allem bei Jugendlichen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ist dies gewiss keine Option. Durch die oftmals falsche Handhabung ist der Pearl-Index bei Kondomen recht hoch. Aber auch natürliche Verhütungsmethoden bieten keinen 100% Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft, selbst wenn man seinen Zyklus und NER kennt. Ebenfalls weiß ich aus Erfahrung, dass eine verantwortungsvolle Kinderplanung in der Stillzeit schier unmöglich ist. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Vielleicht haben Sie als Referentin in Ihrem Institut hilfreiche Tipps für Langzeitstillerinnen wie mich.

    • Liebe Lea-Marie, ich danke Ihnen für Ihren Kommentar und will gerne darauf antworten.
      1. Verhütung oder Regelung? Als Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege denke ich bei „Verhütung“ an die Verhütung von Krankheiten. Deshalb sträube ich mich, von Verhütung zu sprechen, wenn ich die NER beschreibe. Das Wort „Regelung“ erscheint mir passender. NER bedeutet, die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen sicher zu unterscheiden und je nach dem was wir wollen, zu leben. Ich denke, deshalb wählte Prof. Dr. Rötzer auch das Wort „Regelung“. Rötzer hat das Menschsein immer positiv bewertet, also auch das geplante oder nicht geplante Baby liebevoll willkommen geheißen. Das Baby begriff er niemals als „Unfall“, das passte für ihn mit seinem Menschenbild nicht zusammen. Mir ist aber klar, dass die Paare, die heute von natürlicher Verhütung sprechen, eine ökologische Haltung mitbringen, die finde ich klasse.
      2. Die natürlichen Methoden beschäftigen sich mit drei Bereichen. Das Paar kann eine Schwangerschaft vermeiden oder anstreben und Zyklusstörungen erkennen, die oft bei unerfülltem Kinderwunsch oder zur Erkennung von Krankheiten und deren Therapie hilfreich sind.
      3. Die ehemalige Managerin einer Abtreibungsklinik, Carol Everett, beantwortete meine Frage, die sich mir schon lange stellte. Weshalb wurde und wird gerade unter 20jährigen die unsichere Minipille oder seit einiger Zeit die unsichere Kupferkette verschrieben? Sie erzählte davon, dass sie besonders minderjährigen Frauen gezielt unsichere Verhütungsmethoden aushändigte, um Kundinnen für die Abtreibung zu akquirieren. Bis zum 18. Geburtstag hatten die Mädchen durch Versagen der Minipille, Kondomen und anderen unsicheren Verhütungsmittel zwischen drei bis fünfmal abgetrieben. Das war die „Folge einer gezielten, bis ins Detail ausgeklügelten Strategie…“, erklärte Everett.
      4. Seit 2009 arbeite ich am Institut und habe seither viele Brautpaare kennenlernen dürfen, die sich für die Enthaltsamkeit vor der Ehe entschieden haben. Das hält heute keiner durch, ohne eine entsprechende Begleitung. Der Wille ist bekanntlich schwächer, als der Bauch, aber im Gegensatz zu den instinktgelenkten Rehen, die gerade an unserem Gartenzaun vorbeigingen, haben wir Menschen den freien Willen. In der Brunftzeit der Tiere gibt es einen kurzen Zeitraum im Jahr, der den Fortbestand der Tierart völlig unromantisch sichert. Die Paare, von denen ich erzählt habe, heiraten früher, leben also in einer verbindlichen Beziehung und haben dann auch weniger Angst vor einer Schwangerschaft, weil die potentielle Mutter und das Kind vom Ehemann und Vater den entsprechenden Rahmen für eine angemessene Mutterschaft bekommen. Sexualität kann dann viel entspannter genossen werden und wenn noch kein Kinderwunsch besteht, haben sie Enthaltsamkeit bereits eingeübt. Die Scheidungsquote liegt bei unter 3 %. Die Liebe wird nicht langweilig, sondern behält ihre Spannung. Dabei möchte ich den Verzicht keineswegs schönmalen. Ein Verzicht kostet uns etwas, wir gewinnen aber viel dafür. Wenn die sicher unfruchtbare Zeit beginnt, kann das jedes Mal zu einem kleinen Fest werden, da sind der romantischen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der liebevolle Aspekt wird also gefördert.
      5. Dass es keine 100%ige Regelung gäbe, um eine Schwangerschaft aus einer gebotenen Kontraindikation heraus zu vermeiden, ist falsch. Die NER bietet das, wie keine andere natürliche Methode. Deshalb ist die NER in ein onkologisches Fachbuch von Prof. Dr. med. Rhomberg mit aufgenommen worden. Wenn sich die Frau beispielsweise einer Krebstherapie unterziehen muss, darf sie nicht schwanger werden. Sie könnte durch eine Schwangerschaft sterben oder das Kind könnte behindert werden. Somit legte Rötzer wissenschaftlich untermauert die erweiterten Regeln für diese Situation vor. Das Paar nimmt zum Zyklusbeginn keine unfruchtbare Zeit an und wird die Intimität im Vollsinn ausschließlich ab dem Beginn der sicher unfruchtbaren Zeit leben. Die fruchtbare Zeit wird keine Zeit ohne Liebe sein, im Gegenteil. Deshalb kommen in der fruchtbaren Zeit keine Barrieremethoden zum Einsatz. Den Paaren ist in so einer Situation noch einmal ganz anders bewusst, wie wertvoll das Leben und wie wichtig die Kraftquelle Sexualität für ihre Bindung ist. Der endokriniologische Aspekt für die Festigung der Ehe durch den Akt böte Stoff für einen eigenen Artikel. In der sicher unfruchtbaren Zeit können Ehepaare die Sexualität in vollkommener Hingabe und völlig unmanipuliert genießen. Das wäre nicht mal durch Sterilisation möglich (Sicherheit nicht 100%ig).
      6. Am Institut liegen mehr als 2500 Dokumentationen nach Geburt und/oder in Stillzeit vor. Rötzer entwickelte dazu die Höhepunktregel, bis wieder ein erster Eisprung beobachtet wird. Dazu finden sich umfassende Informationen und sehr viele Zyklusbeispiele in den beiden Büchern: „Natürliche Empfängnisregelung – der partnerschaftliche Weg – Rötzer“ und „Der Zyklus der Frau von der Vorpubertät bis in die Wechseljahre – Rötzer/Rötzer“. Dann gibt es noch die Stillmappe, in der die Regeln auf einer Seite übersichtlich aufgeführt werden. Sicher ist es von Vorteil, sich in dieser Phase von einer NER-Beraterin begleiten zu lassen. Ich habe unsere Kinder lange gestillt und durch die von Rötzer ausgefeilten Stillregeln bin ich von der nfp/sensiplan® auf NER umgestiegen. Der PI liegt unter 1. Die Sicherheit ist mit der „Stillpille“ vergleichbar. Mit der „Stillpille“ hätte ich neben dem ethischen Aspekt so meine Probleme, da bekannt ist, dass sie die Zusammensetzung der Muttermilch verändert. Zusammenfassend kann ich Ihnen raten, sich als Langzeitstillende mit Ihrem Mann zusammen eine Beratung zu gönnen. Schließlich gehen wir ja auch zur Stillberaterin, Nachgeburtshebamme, Steuerberaterin…

  2. Ich zähle mich zu den gut informierten Frauen, die seit Jahren erfolgreich auf natürliche Verhütungsmethoden setzt. Auch hatte ich, ich nenne es mal Glück, noch nie auf die PiDANA zurückgreifen müssen. Unsere „Knistertüte“ hat im wahrsten Sinne des Wortes bisher standgehalten. Natürlich ist an Enthaltsamkeit noch keiner gestorben, wenn man sich allerdings liebt ist es leichter gesagt als getan. Vor allem bei Jugendlichen, die gerade ihre Sexualität entdecken, ist dies gewiss keine Option. Durch die oftmals falsche Handhabung ist der Pearl-Index bei Kondomen recht hoch. Aber auch natürliche Verhütungsmethoden bieten keinen 100% Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft, selbst wenn man seinen Zyklus und NER kennt. Ebenfalls weiß ich aus Erfahrung, dass eine verantwortungsvolle Kinderplanung in der Stillzeit schier unmöglich ist. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen. Vielleicht haben Sie als Referentin in Ihrem Institut hilfreiche Tipps für Langzeitstillerinnen wie mich.

    • Liebe Lea-Marie, ich danke Ihnen für Ihren Kommentar und will gerne darauf antworten.
      1. Verhütung oder Regelung? Als Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege denke ich bei „Verhütung“ an die Verhütung von Krankheiten. Deshalb sträube ich mich, von Verhütung zu sprechen, wenn ich die NER beschreibe. Das Wort „Regelung“ erscheint mir passender. NER bedeutet, die fruchtbaren von den unfruchtbaren Tagen sicher zu unterscheiden und je nach dem was wir wollen, zu leben. Ich denke, deshalb wählte Prof. Dr. Rötzer auch das Wort „Regelung“. Rötzer hat das Menschsein immer positiv bewertet, also auch das geplante oder nicht geplante Baby liebevoll willkommen geheißen. Das Baby begriff er niemals als „Unfall“, das passte für ihn mit seinem Menschenbild nicht zusammen. Mir ist aber klar, dass die Paare, die heute von natürlicher Verhütung sprechen, eine ökologische Haltung mitbringen, die finde ich klasse.
      2. Die natürlichen Methoden beschäftigen sich mit drei Bereichen. Das Paar kann eine Schwangerschaft vermeiden oder anstreben und Zyklusstörungen erkennen, die oft bei unerfülltem Kinderwunsch oder zur Erkennung von Krankheiten und deren Therapie hilfreich sind.
      3. Die ehemalige Managerin einer Abtreibungsklinik, Carol Everett, beantwortete meine Frage, die sich mir schon lange stellte. Weshalb wurde und wird gerade unter 20jährigen die unsichere Minipille oder seit einiger Zeit die unsichere Kupferkette verschrieben? Sie erzählte davon, dass sie besonders minderjährigen Frauen gezielt unsichere Verhütungsmethoden aushändigte, um Kundinnen für die Abtreibung zu akquirieren. Bis zum 18. Geburtstag hatten die Mädchen durch Versagen der Minipille, Kondomen und anderen unsicheren Verhütungsmittel zwischen drei bis fünfmal abgetrieben. Das war die „Folge einer gezielten, bis ins Detail ausgeklügelten Strategie…“, erklärte Everett.
      4. Seit 2009 arbeite ich am Institut und habe seither viele Brautpaare kennenlernen dürfen, die sich für die Enthaltsamkeit vor der Ehe entschieden haben. Das hält heute keiner durch, ohne eine entsprechende Begleitung. Der Wille ist bekanntlich schwächer, als der Bauch, aber im Gegensatz zu den instinktgelenkten Rehen, die gerade an unserem Gartenzaun vorbeigingen, haben wir Menschen den freien Willen. In der Brunftzeit der Tiere gibt es einen kurzen Zeitraum im Jahr, der den Fortbestand der Tierart völlig unromantisch sichert. Die Paare, von denen ich erzählt habe, heiraten früher, leben also in einer verbindlichen Beziehung und haben dann auch weniger Angst vor einer Schwangerschaft, weil die potentielle Mutter und das Kind vom Ehemann und Vater den entsprechenden Rahmen für eine angemessene Mutterschaft bekommen. Sexualität kann dann viel entspannter genossen werden und wenn noch kein Kinderwunsch besteht, haben sie Enthaltsamkeit bereits eingeübt. Die Scheidungsquote liegt bei unter 3 %. Die Liebe wird nicht langweilig, sondern behält ihre Spannung. Dabei möchte ich den Verzicht keineswegs schönmalen. Ein Verzicht kostet uns etwas, wir gewinnen aber viel dafür. Wenn die sicher unfruchtbare Zeit beginnt, kann das jedes Mal zu einem kleinen Fest werden, da sind der romantischen Kreativität keine Grenzen gesetzt. Der liebevolle Aspekt wird also gefördert.
      5. Dass es keine 100%ige Regelung gäbe, um eine Schwangerschaft aus einer gebotenen Kontraindikation heraus zu vermeiden, ist falsch. Die NER bietet das, wie keine andere natürliche Methode. Deshalb ist die NER in ein onkologisches Fachbuch von Prof. Dr. med. Rhomberg mit aufgenommen worden. Wenn sich die Frau beispielsweise einer Krebstherapie unterziehen muss, darf sie nicht schwanger werden. Sie könnte durch eine Schwangerschaft sterben oder das Kind könnte behindert werden. Somit legte Rötzer wissenschaftlich untermauert die erweiterten Regeln für diese Situation vor. Das Paar nimmt zum Zyklusbeginn keine unfruchtbare Zeit an und wird die Intimität im Vollsinn ausschließlich ab dem Beginn der sicher unfruchtbaren Zeit leben. Die fruchtbare Zeit wird keine Zeit ohne Liebe sein, im Gegenteil. Deshalb kommen in der fruchtbaren Zeit keine Barrieremethoden zum Einsatz. Den Paaren ist in so einer Situation noch einmal ganz anders bewusst, wie wertvoll das Leben und wie wichtig die Kraftquelle Sexualität für ihre Bindung ist. Der endokriniologische Aspekt für die Festigung der Ehe durch den Akt böte Stoff für einen eigenen Artikel. In der sicher unfruchtbaren Zeit können Ehepaare die Sexualität in vollkommener Hingabe und völlig unmanipuliert genießen. Das wäre nicht mal durch Sterilisation möglich (Sicherheit nicht 100%ig).
      6. Am Institut liegen mehr als 2500 Dokumentationen nach Geburt und/oder in Stillzeit vor. Rötzer entwickelte dazu die Höhepunktregel, bis wieder ein erster Eisprung beobachtet wird. Dazu finden sich umfassende Informationen und sehr viele Zyklusbeispiele in den beiden Büchern: „Natürliche Empfängnisregelung – der partnerschaftliche Weg – Rötzer“ und „Der Zyklus der Frau von der Vorpubertät bis in die Wechseljahre – Rötzer/Rötzer“. Dann gibt es noch die Stillmappe, in der die Regeln auf einer Seite übersichtlich aufgeführt werden. Sicher ist es von Vorteil, sich in dieser Phase von einer NER-Beraterin begleiten zu lassen. Ich habe unsere Kinder lange gestillt und durch die von Rötzer ausgefeilten Stillregeln bin ich von der nfp/sensiplan® auf NER umgestiegen. Der PI liegt unter 1. Die Sicherheit ist mit der „Stillpille“ vergleichbar. Mit der „Stillpille“ hätte ich neben dem ethischen Aspekt so meine Probleme, da bekannt ist, dass sie die Zusammensetzung der Muttermilch verändert. Zusammenfassend kann ich Ihnen raten, sich als Langzeitstillende mit Ihrem Mann zusammen eine Beratung zu gönnen. Schließlich gehen wir ja auch zur Stillberaterin, Nachgeburtshebamme, Steuerberaterin…

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