VATIKANSTADT, April 2016  (CNA Deutsch).- In seinem apostolischen Schreiben „Amoris Laetitia“ über die Liebe in der Familie, das am 8. April im Vatikan veröffentlicht wurde, bat Papst Franziskus, die jungen Menschen nicht mit Einladungen wie jener zu „sicherem Sex“ in die Irre zu führen, sondern mahnte im Gegenteil dazu, sie zu „gegenseitiger Fürsorge“ und zu „respektvoller Zärtlichkeit“ zu erziehen.

Der heilige Vater kritisierte, dass „sich die Sexualerziehung häufig auf die Einladung konzentriere, sich zu ´hüten´, und für einen ´sicheren Sex´ zu sorgen.“

„Diese Ausdrücke“, heißt es weiter, „vermitteln eine negative Haltung gegenüber dem natürlichen Zeugungszweck der Geschlechtlichkeit, als sei ein eventuelles Kind ein Feind, vor dem man sich schützen muss“.

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„Eine Sexualerziehung, die ein gewisses Schamgefühl hütet, ist ein unermesslicher Wert, auch wenn heute manche meinen, das sei eine Frage anderer Zeiten. Es ist eine natürliche Verteidigung des Menschen, der seine Innerlichkeit schützt und vermeidet, zu einem bloßen Objekt zu werden.“ (Amoris Laetitia, Nr. 282) Foto: Maumau97 via Pixabay (Gemeinfrei)

Franziskus ruft dazu auf, „die jungen Menschen nicht zu täuschen, indem man sie die Ebenen verwechseln lässt: Die sexuelle Anziehung ´schafft zwar im Augenblick die Illusion der Vereinigung, aber ohne Liebe bleiben nach dieser ´Vereinigung´ Fremde zurück, die genauso weit voneinander entfernt sind wie vorher´ „.

„Die Körpersprache verlangt eine geduldige Lehrzeit, die ermöglicht, das eigene Verlangen zu deuten und zu erziehen, um sich wirklich hinzugeben“ liest man im Schreiben.

Der Papst präzisiert, dass „Verständnis zu haben für die Schwachheiten oder Verwirrungen der Heranwachsenden etwas anderes sei, als sie zu ermutigen, die Unreife ihrer Art zu lieben in die Länge zu ziehen.“

„Doch wer spricht heute über diese Dinge? Wer ist fähig, die jungen Menschen ernst zu nehmen? Wer hilft ihnen, sich ernsthaft auf eine große und großherzige Liebe vorzubereiten? Mit der Sexualerziehung wird sehr leichtfertig umgegangen“ beklagt er.

Franziskus betonte, dass die Anregung zum „sicheren Sex“ „narzisstische Aggressivität statt Annahme fördere. Es ist unverantwortlich, die Jugendlichen einzuladen, mit ihrem Körper und ihren Begierden zu spielen, als hätten sie die Reife, die Werte, die gegenseitige Verpflichtung und die Ziele, die der Ehe eigen sind.“

„Auf diese Weise ermutigt man sie leichtsinnig, den anderen Menschen als Objekt von Kompensationsversuchen eigener Mängel oder großer Beschränkungen zu gebrauchen.“

Im Gegenteil wäre es wichtig „ihnen einen Weg aufzuzeigen zu verschiedenen Ausdrucksformen der Liebe, zur gegenseitigen Fürsorge, zur respektvollen Zärtlichkeit, zu einer Kommunikation mit reichem Sinngehalt“.

„Denn all das bereitet auf ein ganzheitliches und großherziges Sich-Schenken vor, das nach einer öffentlichen Verpflichtung seinen Ausdruck findet in der körperlichen Hingabe.“

Der Papst erläuterte, auf diese Weise werde „die geschlechtliche Vereinigung als Zeichen einer allumfassenden Verbindlichkeit erscheinen, die durch den ganzen vorangegangenen Weg bereichert ist“.

Sexualerziehung

Franziskus spricht auch die Notwendigkeit einer „positiven und klugen Geschlechtserziehung“ an, wie sie vom Zweiten Vatikanischen Konzil entworfen worden war.

Er weist darauf hin, dass es schwierig sei „in einer Zeit, in der die Geschlechtlichkeit dazu neigt, banalisiert zu werden und zu verarmen, eine Sexualerziehung zu planen“. Sie könne „nur im Rahmen einer Erziehung zur Liebe, zum gegenseitigen Sich-Schenken verstanden werden.“

„Auf diese Weise sieht sich die Sprache der Geschlechtlichkeit nicht einer traurigen Verarmung ausgesetzt, sondern wird bereichert. Der Sexualtrieb kann geschult werden in einem Weg der Selbsterkenntnis und der Entwicklung einer Fähigkeit zur Selbstbeherrschung, die helfen können, wertvolle Fähigkeiten zur Freude und zur liebevollen Begegnung zu Tage zu fördern“ betont er.

Der Heilige Vater hob auch hervor, dass „eine Sexualerziehung, die ein gewisses Schamgefühl hüte, ein unermesslicher Wert sei, auch wenn heute manche meinten, das sei eine Frage anderer Zeiten“.

Dieses gesunde Schamgefühl „ist eine natürliche Verteidigung des Menschen, der seine Innerlichkeit schützt und vermeidet, zu einem bloßen Objekt zu werden“.

„Ohne Schamhaftigkeit können wir die Zuneigung und die Sexualität zu Formen von Besessenheit herabwürdigen, die uns nur auf den Geschlechtsakt konzentrieren, auf Krankhaftigkeiten, die unsere Liebesfähigkeit entstellen, und auf verschiedene Formen sexueller Gewalt, die uns dazu führen, unmenschlich behandelt zu werden oder andere zu schädigen.“

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau respektieren und wertschätzen

Der Papst verwies darauf, dass diese Sexualerziehung auch „die Achtung und die Wertschätzung der Verschiedenheit“ von Mann und Frau mit einbeziehen muss.

„Jenseits der verständlichen Schwierigkeiten, die jeder erleben mag, muss man helfen, den eigenen Körper so zu akzeptieren, wie er geschaffen wurde.“

Franziskus unterstrich: „Nur wenn man die Angst vor der Verschiedenheit verliert, kann man sich schließlich aus der Immanenz des eigenen Seins und aus der Selbstverliebtheit befreien.“

„Ebenso wenig darf man übersehen, dass in der Ausgestaltung der eigenen weiblichen oder männlichen Seinsweise nicht nur biologische oder genetische Faktoren zusammenfließen, sondern vielfältige Elemente, die mit dem Temperament, der Familiengeschichte, der Kultur, den durchlebten Erfahrungen, der empfangenen Bildung, den Einflüssen von Freunden, Angehörigen und verehrten Personen sowie mit anderen konkreten Umständen zu tun haben, welche die Mühe der Anpassung erfordern.“

Der Papst wies auch darauf hin, „dass man das, was männlich und weiblich ist, nicht von dem Schöpfungswerk Gottes trennen kann, das vor allen unseren Entscheidungen und Erfahrungen besteht und wo es biologische Elemente gibt, die man unmöglich ignorieren kann.“

„Doch es ist auch wahr, dass das Männliche und das Weibliche nicht etwas starr Umgrenztes ist. Darum ist es zum Beispiel möglich, dass die männliche Seinsweise des Ehemannes sich flexibel an die Arbeitssituation seiner Frau anpassen kann.“

„Häusliche Aufgaben oder einige Aspekte der Kindererziehung zu übernehmen, machen ihn nicht weniger männlich, noch bedeuten sie ein Scheitern, ein zweideutiges Benehmen oder ein Schande“ bekräftigte er.

„Die Starrheit wird zu einer übertriebenen Darstellung des Männlichen oder Weiblichen und erzieht die Kinder und die Jugendlichen nicht zur Wechselseitigkeit, die in den realen Bedingungen der Ehe ´inkarniert´ sind.“

Dieser Artikel erschien hier auf CNA Deutsch und darf von The Cathwalk nach Rücksprache übernommen werden.
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