7 Vorurteile gegen die Alte Messe 

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Tridentinischer Triumphalismus ist Trumpf

1. Bei der Alten Messe steht der Priester mit dem Rücken zum Volk

Bei der Alten Messe betet der Priester gemeinsam mit dem Volk zum eucharistischen Heiland. Daher ist er dem Altar hingewandt. Diese Zelebrationsrichtung ist in hohem Maße der Emanzipation des Priesters dienlich. Beim sogenannten Volksaltar ist der Priester nämlich gezwungen, Gott den Rücken zuzuwenden.

2. Bei der Alten Messe versteht man nichts

Die Messe auf Latein zu feiern ist eine sehr gute Sache. Zu viel Landessprache innerhalb der Kirchenmauern fördert nämlich den Trugschluss, dass die verehrten Mysterien als solche im herkömmlichen Sinne begreifbar wären. Wer gegen das Latein in der Messe ist, kann auch fordern, dass bei der Hochzeit das Brautkleid durch einen Cindy-von-Marzahn-Jogginganzug ersetzt werde.

3. Die Alte Messe ist homo-erotisch

Die Alte Messe ist deo-erotisch.

4. Die Alte Messe ist passé

Schon Josemaria Escriva warnte davor, die Alten Messbücher wegzuwerfen. Grund: eines Tages werde man sie wieder brauchen!

5. Die Alte Messe ist nur was für Schnösel, Blender und Bonzen

Gerade die Arbeiter haben nach der Liturgiereform in Scharen die Kirche verlassen. Man hatte sie um den transzendenten Glanz gebracht, der vormals ihren grauen Alltag versüßt hatte. Ulla Hahn soll gesagt haben, dass es gerade das lateinische Hochamt am Sonntag war, welches ihrer Familie Halt gab.

6. Hippie-  und Lobpreismessen sind cooler als die Alte Messe

Wenn in einem Hollywoodfilm eine Kirchenszene gezeigt wird, greifen die Schöpfer der Blockbuster lieber auf das coole Original zurück: Weihrauch, Pomp und Latein. Lobpreisbands, zumal katholische, hätten es bei Bohlen meistens nicht in den Recall geschafft.

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7. Die Alte Messe ist gegen die Volksfrömmigkeit

Die Alte Messe ist eine wahre Quelle der Volksfrömmigkeit. Im Gegensatz zu modernen liturgischen Bestrebungen setzt sie in ihrem Ordo so hohe objektive Maßstäbe, dass sie dadurch die Volksfrömmigkeit als Gegensatz möglich macht. Anbiederungen an die Volksfrömmigkeit während der ordenlichen Liturgie – wie zum Beispiel das „Segne du Maria“ als Asperges-Ersatz beim sonntäglichen Amt in Maria Vesperbild – sind peinlich.

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Weiterlesen: Alte Messe und Alltagsheiligung

1 Kommentare

  1. Zu dem Sprachenargument, mit dem sich insbesondere @ Nepomuk auseinandersetzt:

    Man kann sich wirklich überlegen, ob das Lateinische nicht eine Art sprachlicher „Sonntagsstaat“ ist, der sehr wohl auch ganz kleine, ungebildete Leute erhoben hat. Es sind ja auch heute durchaus nicht nur die Lateiner, die die „Alte Messe“ besuchen. Man müsste mal eine Umfrage machen – sicher können die wenigsten, die da hingehen, ein ordentliches Latein verstehen oder gar sprechen! Und doch gehen sie lieber da hin… und verstehen tun sie das, was da passiert, sehr wohl!

    Das Argument, dass bei der Frage, wer denn dann die Hl. Messe in welcher „Volkssprache“ zelerbieren soll bzw. wer in welcher „Volkssprache“ an ihr teilnehmen soll, Abgründe an problemen aufgetan werden, ist richtig.
    Die Überbetonung der „Volkssprache“ in formellen Zusammenhängen wirkt auf mich immer infantil oder zwanghaft. Der „Struwwelpeter“ auf Fränkisch“, das Neue Testament auf Plattdeutsch – das ist alles sehr pittoresk und vervollständigt ein regionales Kuschelgefühl samt Heimatmuseum… man zieht seine Trachtenklamotten an, kocht regionale Erntegerichte und sonntags hört man das Evangelium auf Trachtendeutsch… bravo!
    Wir sind ja auch bereit vor Gericht oder wenn wir schreiben auf Hochdeutsch zu reden oder zu schreiben – egal ob wir sonst Dialekte sprechen, die von der Hochsprache stark abweichen. Wir lernen in der Schule vom 1. Tag an die Hochsprache. Ohne sie wäre ein geordnetes Leben im Staat kaum oder nur sehr erschwert möglich. Hannah Arendt wies jedoch darauf hin, dass durch die Konsolidierung von Nationalsstaaten in Europa bald ein Fünftel der Gesamtbevölkerung (oder war es sogar ein Viertel?) „heimatlos“ wurde und sehr oft nicht einmal mehr seine eigene Sprache richtig lernen durfte…
    Was also spricht dagegen, wenn Katholiken sich überall auf dem Erdkreis ein Minimum an Latein aneignen als „unserer Hochsprache“ und sonst ihre einheimische Sprache sprechen?

    Ein Zerfall der Sprache der Menschheit in viele Sprachen hängt nach der Schrift mit einer Sündenfolge zusammen: der Turmbau zu Babel als Anmaßung des Menschen, eigenmächtig in den Himmel wachsen zu wollen, hat die Folge der Sprachvereinzelung gehabt. Das ist also kein Ideal, dass es „Nationen“ gibt und viele Sprachen, sondern ein Element der Sünde, des Hochmuts und der Unordnung in dieser Welt.
    Die Kirche wurde am Pfingsttag „geboren“, dem Tag, an dem diese Verwirrung der Sprachen aufgehoben wurde, allerdings nur in einem „Vorgeschmack“, als „Unterpfand“ der kommenden Herrlichkeit, in der alle nur noch eine Sprache sprechen werden, die allerdings hier kein Ohr hören kann.
    Das Latein ist auch ein Symbol für diese zukünftige Einheit der Sprache, die auch keine Barriere zu Gott hin mehr kennt und die Sprache eines vollkommen erleuchteten und restaurierten menschlichen Geistes sein wird, eines Geistes, den wir jetzt noch nicht bzw. nur als „Werdenden“ haben.

    Die Kirche hat nie eine „Einheitssprache“ für alle im Alltag verlangt, wie das der schrecklliche Islam getan hat, der viele einheimische Sprachen total verwüstet und arabisiert hat. Das tat die Kirche nie! Sie wandte das Zeichen der zukünftgen himmlischen Sprache nur auf die Liturgie und die Theologie- und Wissenschaft an und dort auch nicht immer und zwingend.

    Wir haben leider das Maß verloren – das ist unser Problem.

  2. Ich weiß, folgende Sätze sind modernistische Ohren verletzend, aber Folgendes hat das Konzil von Trient über die Liturgiesprache ausgesagt:
    „Obwohl die Messe viel Belehrung für das gläubige Volk enthält, so schien es den Vätern doch nicht zu frommen, dass sie an den verschiedenen Orten ihrer Landessprache gehalten werde. Damit aber deswegen bei der Beobachtung des alten und von der Heiligen Römischen Kirche, der Mutter und Lehrerin aller Kirchen, genehmigten Ritus jeglicher Kirche überall, die Schafe Christi nicht hungern und die Kinder nicht um Brot bitten und niemand sei, der es ihnen breche. So gebietet der heilige Kirchenrat den Hirten und allen denen, welche die Seelsorge verwalten, dass sie öfters während der Messfeier entweder selbst oder durch andere, besonders an Sonn- und Festtagen, einiges von dem, was in der Messe gelesen wird, auslegen und unter anderem irgend ein Geheimnis dieses heiligsten Opfers erklären sollen.“

    Und jetzt kommt der Oberhammer (22. Sitzung, Kanon 9):
    „Wenn jemand sagt, der Ritus der Römischen Kirche, nach welchem ein Teil des Kanons die Konsekrationsworte mit leiser Stimme ausgesprochen werden, sei verdammungswürdig oder DIE MESSE MÜSSE NUR IN DER LANDESSPRACHE ABGEHALTEN oder dem Weine im Opferkelch soll kein Wasser beigemengt werden, deswegen, weil es gegen die Einsetzung Christi sei, DER SEI IM BANNE. „

    • Das ist richtig. Allerdings ist das richtig zu verstehen.

      Der Anathem betrifft, Leute, die glauben, die Heilige Messe müsse (wohl falsch übersetzt: gemeint: „dürfe“) nur in der Landessprache gehalten werden.

      Wer meint, die Messe könne schon auch auf Latein gehalten werden, ihm sei die Landessprache aber lieber, ist von dem Anathem nicht betroffen.

      Natürlich hat anschließend an diesen Kanon (nicht durch ihn selbst) die katholischen Kirche mit einem „nun gerade!“ die Einführung der Landessprache ganz ausgeschlossen – die Protestanten hatten ja genau das gelehrt, was der Kanon verwarf, und man wollte auf alle Fälle den Eindruck vermeiden, man habe wohl in der Theorie gelehrt, aber in der Praxis tue man doch, was der Gegner will. (Für uns Heutige mag das vielleicht geradezu unwahrscheinlich kämpferisch vorkommen.) Und damit natürlich, wie ich unten erwähnte, zur emotionalen Bindungen gerade der besonders treuen Katholiken an das Lateinische beigetragen.

      Nur, vorgeschrieben ist es damit nicht. Man darf nur nicht so tun, als sei die lateinische Messe unnütz, weil das Verständnis des Volkes für die Wirksamkeit der Messe nötig sei (eine Grenze, die freilich einige der progressiven Lateingegner durchaus touchieren).

    • Im lateinischen 🙂 Orginal heißt es: „aut lingua tantum vulgari Missam
      celebrari debere“
      Ich würde es mit „sollte“ übersetzen.

    • debere heißt „müssen“. In der Verneinung, wozu auch das „nur“ zählt, wird daraus im Deutschen ein „dürfen“ . Danke für’s Originalzitat.

  3. Völlig richtig. Im allgemeinen.

    Im einzelnen:

    zu 1:

    Genau. Zum einen ist in einer traditionell gebauten Kirche (ausgenommen Kathedralen und römische Papstbasiliken?) am Hochaltar das Allerheiligste Sakrament verwahrt, und es ist der natürliche Instinkt der Katholiken, sich dem mit Leib, Blut, Seele und Gottheit anwesenden Christus (und den in Ihm wegen der Einheit der Dreifaltigkeit zugleich anwesenden anderen göttlichen Personen) dann auch im allgemeinen zuzuwenden – da braucht man auch nicht gleich „Götzendienst“ zu schreien, wenn das, dem der Dienst hier erwiesen wird, tatsächlich Gott ist.

    Zum anderen und als Zusatz, auch wenn das Allerheiligste (in Kathedralen, bei Feldmessen, an Seitenaltären oder gar 😉 in einer modern gebauten Kirche) nicht am Hochaltar sein sollte: so ist doch recht verstanden die Ausrichtung in die gleiche Richtung viel naheliegender. Es ist zwar richtig, daß Gott mitten unter uns ist, doch elementarerweise trägt es psychisch besser zur Vergegenwärtigung der Gegenwart Gottes bei, wenn man nicht gerade aufeinander, sondern woandershin schaut. Das „mitten unter uns“ kann ja dann beim sich an die Messe anschließenden Weißwurstfrühstück ausgiebig gelebt werden.

    Nebenbei ist das dann ausgerechnet für jeden unvoreingenommenen Beobachter auch noch ausgerechnet das Egalitärere und weniger Klerikale. Wo steht bitte der Priester mehr im Mittelpunkt, wenn er an der Spitze des Volkes seinen priesterlichen Dienst verrichtet oder wenn er gewissermaßen „präsidiert“?

    (Und wenn man die Wahl hat, etwa beim Bau einer Kirche, sich diese Richtung auszusuchen, dann ist natürlich der Osten die geeignete Wahl. Nicht weil das besonders wichtig wäre, aber nach dem Motto „was denn bitte sonst“. Wenn das freilich nicht geht, *dann* kann man mit Recht sagen, Gott ist ja überall.)

    zu 2:

    es haben sich mehrere über die Wendung „Sprache Adolf Hitlers“ aufgeregt, und zwar nicht ganz zu unrecht. Auch war, systematisch gesehen, die Erlaubnis der Volkssprache wohl einer der geringsten Eingriffe der ganzen Liturgiereform, wenn auch zweifelsohne einer der auffälligsten. (Dabei ist natürlich eine akkurate Übersetzung vorausgesetzt, wie wir sie in Deutschland – mit der allerdings einschneidenden Ausnahme des zweiten Wandlungswortes – haben, wie sie allerdings z. B. die doch recht zahlreichen Englischsprachigen mehrere Jahrzehnte lang nicht hatten.)

    Dennoch gibt es auch für das Lateinische eine ganze Reihe von Gründen, die ich jetzt mal in einen Unterkommentar verlagere.

    zu 3:

    „deo-erotisch“ kann man durchaus sagen (wenn ich auch selbst nicht auf dieses Wort gekommen wäre), weil ja die Messe (und die Alte Messe noch einmal speziell) auch gerade auf der emotionalen Ebene und eben nicht nur auf der Entscheidungsebene zur Gottesliebe anreizt.

    Das bedeutet freilich an und für sich nicht, daß sie nicht auf „homo-erotisch“ wäre. Es ist auch völlig richtig (wie die werte @zeitschnur bemerkt), daß alles von allen mißverstanden und mißbraucht werden kann. Zur empirischen Wahrheit gehört aber auch dazu, ob den bei der alten Messe in nennenswerter Zahl Homosexuelle, Metrosexuelle und ähnliche Männergestalten herumlaufen. Ich würde sagen: nein; Homosexuelle habe ich noch gar keinen gesehen; etwas komische Männer (wenn man mir die Formulierung mal durchgehen lasse) allenfalls einige wenige; die meisten sind das, was man gestandene Mannsbilder nennt.

    [Und irgendjemand muß es ja sagen: Was die Kirche schärfstens ablehnt, ist die widernatürliche Sünde. Die *sonstigen* Neigungen, die so ein Mensch hat, auch die vielleicht etwas eigene Ausrichtung in Stilfragen etc., müssen nicht unbedingt schlecht sein, nur weil sie auch Homosexuelle gut finden.]

    zu 4.

    Ich denke, werte @Zeitschnur, der fragliche Kommentator hat das ironisch gemeint. Jedenfalls ist dieses Dekret Pius‘ V. an und für sich mit dem unausgesprochenen Zusatz „es sei denn die Veränderung erfolgt durch päpstliche Anordnung“ zu lesen: schon seine unmittelbaren Nachfolger haben ja Heiligenfeste eingeführt…

    zu 5:

    daß die Arbeiter aus den verschiedensten Gründen die Kirche verlassen haben, ist sicher richtig. (Wobei, das nur nebenbei, auch einige von *denen* mit den nachkonziliaren Reformen bzw. der verzerrten Form, in der sie in der Gemeinde ankamen, zu tun haben könnten. Nur ein Beispiel: ein Arbeiter, der jahrelang nicht unbedingt mit fühlbarer Begeisterung, aber aus ernster Überzeugung die Messe besucht hat, auch eine Form von Arbeit halt – woraus ein freundlicher Beobachter eine tiefe, wenn auch ggf. verborgene, Religiosität schließen könnte – und dem man dann plötzlich erzählt, daß all das nichts wert ist, sofern er nicht den größten Spaß daran hat: kann man sich wundern, wenn der dann nicht mehr hingeht?)

    Allerdings waren die Arbeiter und hier speziell die männlichen bei den Verlassenen interessanterweise stärker vertreten als andere Gruppen. (Zumindest laut Hörensagen.)

    zu 6:

    Hippiemessen gibt es nicht (ich kenne zumindest keine).

    >>Lobpreisbands, zumal katholische, hätten es bei Bohlen meistens nicht in den Recall geschafft.

    Seien wir ehrlich: die übliche tridentischische Gemeindeschola-im-Aufbau hätte das auch nicht unbedingt. Es ist auch nicht so wichtig.

    Solang’s den Sängern Spaß macht und den Gemeindebesuchern nicht die Ohren weh tun und das ganze nicht zu einer Lobpreismonokultur ausartet… Übrigens ist Lobpreis systematisch gesehen auch nichts anderes als etwa die Lieder der Deutschen Messe und somit *eigentlich* eher in der Alten Messe zu Hause, weil in der Alten Messe jedenfalls immer ein Priester vorne die tatsächlichen Texte des Ordinariums betet, während in der Neuen Messe diese entweder von der ganzen Gemeinde gebetet werden (was sowohl Lobpreislieder meistens, wie die Deutsche Messe immer, ausschließt, außer zu Anfang und Schluß und in der Neuen Messe zur Gabenbereitung) oder wegfallen.

    Dennoch: das Wort „cool“ beschreibt eine Alte Messe mit gregorianischem Choral, und für den Kenner auch eine Stillmesse, ziemlich gut. Bei Lobpreismessen kommt man nicht auf das Wort „cool“, sondern allenfalls auf „fetzig“ (oder, nicht erschrecken, vielleicht auch „geil“); das sind unterschiedliche Dinge.

    zu 7:

    Ich würde die Volksfrömmigkeit nicht *nur* als Gegensatz zur Hochform der Messe verstehen. Aber ja, die gibt es in Deutschland schon noch. Wenn in einer Maiandacht dem Zelebranten, salopp gesagt, sonst nichts anderes einfällt und er mit „Jungfrau Mutter Gottes mein“ anfängt, kann der Beobachter mit Staunen vernehmen, wie die Leute reagieren.

    („Segne Du Maria“ als Aspergesersatz? Wurde dazu Weihwasser gesprengt?)

    • Ergänzung zu 1:

      Reintheoretisch könnte man alternativ auch immer in den Himmel bzw. nach oben zur Kirchendecke schauen, um sich nicht gegenseitig anzuschauen, aber dann tun irgendwann die Hälse weh.

    • Und zum Lateinischen: wie gesagt, an und für sich war das eine kleinere Änderung, und richtig, das Deutsche kann für Hitler ebensowenig wie das Lateinische für Nero.

      Nebenbei übrigens interessanterweise: die Theologen machen darauf aufmerksam, daß das Meßopfer in drei bestimmten Sprachen mit Vorzug gefeiert wird: und zwar sind das ausgerechnet („by design“) die Sprachen der Kreuziger… nämlich die, die auf dem Titulus zu finden sind: Hebräisch, Griechisch und Latein. Vor *diesem* Hintergrund ließe – Vorsicht, Scherz folgt – sogar ein Argument dafür finden, das Meßopfer auf deutsch zu feiern: wir waren zwar bei der Kreuzigung nicht anwesend, außer vielleicht in untergeordneter Funktion (germanische Auxiliartruppen?), aber immerhin haben wir Namen wie Hitler, Luther, Zwingli, Feuerbach, Nietzsche und Konsorten aufzubieten…

      Aber nun ernsthaft:

      1. Ja, das Latein hat eine verhüllende Funktion. Auch wenn man’s im Schott nachlesen kann.

      2. Damit vor allem verbunden: Das Latein ist gegenüber dem Nichtkatholiken und Nichtpraktizierenden, der einmal in eine Kirche kommt, ehrlich. Der versteht nämlich auch auf Deutsch nichts – und denkt sich dann: „Was haben diese Priester doch nur für eine ausgefallene und verschwurbelte Sprache drauf! Das kann der Mensch doch gar nicht verstehen!“ – und nach der Messe denkt er sich, mit solchen Leuten wolle er nichts zu tun haben.

      [* Unabhängig davon, ob sie nun tatsächlich verschwurbelt ist, kommt sie doch jedenfalls bei so jemandem so an.]

      Wenn man gleich zum Lateinischen greift, kommt das an als „jou, das kann man gar nicht völlig verstehen. Und was daran zu verstehen ist, das mußt du jetzt erst einmal noch nicht verstehen, laß dir Zeit“ an – und genau das zu vermitteln empfiehlt sich.

      3. Ist die Sprache Latein, so ist die Versuchung, an gewissen Stellen frei formulierte Einschübe zu machen – die dann häufig auch noch abschweifen, nicht zum Punkt kommen und dasselbe voll Begeisterung drei-, vier- oder fünfmal sagen – nicht vorhanden. Zumal Latein, sicher auf Grund seiner Rolle als quasi-tote Sprache und wohl auch auf Grund von Eigenheiten der Sprache selbst, besonders gut dazu geeignet ist, sich mit Präzision auszudrücken.

      Und falls irgendjemand es schlecht findet, wenn sich unter den Gläubigen ein Jargon entwickelt: auch dem wirkt das Lateinische entgegen, bzw. der Jargon wird dann zumindest lateinisch, und damit deutlich als Fachsprache zu erkennen.

      4. Es widerspricht anscheinend dem Instinkt, zu Gott in der eigentlichen Volkssprache zu beten. Oder kennt hier irgendjemand allzu viele Dialektsprecher, die beim Gebet nicht doch auf einmal ganz natürlicherweise in die Hochsprache wechseln*? [* Vorausgesetzt, man erkennt den Unterschied zwischen einer natürlich mit, ggf. starkem, Akzent versehenen Hochsprache und dem Dialekt selbst.]

      In Bayern wurde bei der Liturgiereform eine in der Schule erlernte Sprache** durch eine andere ersetzt. [** ja okay… nur von einem Teil der Gymnasiasten…]

      5. Das Lateinische durch die Volkssprache zu ersetzen setzt voraus, daß es überhaupt eine Volkssprache gibt.

      Das ist trivial, aber gerade Trivialitäten werden gern einmal übersehen. Und wenn man aus den meisten großen europäischen Ländern oder der USA kommt (und Dialekte als Dialekte einer Hochsprache auffaßt), wird es schwierig, wenn man einmal nach Katalonien geht, Irland, Südtirol. Und sogar in den USA gibt es Gebiete, die von Spanien aus besiedelt worden waren und die USA den Spaniern und ihren Nachfolgestaaten schlicht kriegerisch abgeknüpft haben, und wo auch immer noch spanischsprachige Christen leben – sollen die nun im Gottesdienst die Sprache des Eroberers sprechen? Montréal: englisch oder französisch? Südamerika: was ist mit den Eingeborenensprachen? Afrika und Indien: Die einzige realistische Alternative zu Latein ist die Sprache des Kolonisators…

      Nebenbei wird damit auch das Konzept des Nationalstaats vorausgesetzt, das bekanntlich jüngeren Datums ist und dem nicht unbedingt ewige Dauer garantiert ist.

      6. Das Lateinische ist die Sprache, in der der gregorianische Choral geschrieben wurde, und offensichtlich auch die, in der man ihn am besten singen kann.

      7. Die klassischen Meßkompositionen liegen auf Latein vor. Mehr noch, sogar die zeitgenössischen Komponisten komponieren mit wenigen Ausnahmen auf Latein, warum auch immer – vielleicht verstehen sie ja was davon.

    • Korrektur:

      >>Und wenn man aus den meisten großen europäischen Ländern oder der USA kommt (und Dialekte als Dialekte einer Hochsprache auffaßt), wird es schwierig, wenn man einmal nach Katalonien geht, Irland, Südtirol.

      Da ist was rausgefallen. Gemeint war:

      Und wenn man aus den meisten großen europäischen Ländern oder der USA kommt (und Dialekte als Dialekte einer Hochsprache auffaßt) kann man das schon einmal übersehen. Aber selbst hier in Europa wird es schwierig, wenn man einmal nach Katalonien geht, Irland oder Südtirol.

    • Und Punkt 8.

      Das Tridentinische Konzil hat gelehrt, daß die Riten auf Latein sein dürfen. Nicht (versteht sich), daß sie es müssen – aber in der Folge des Konzils hat man das unter anderem auch deshalb so vorgeschrieben, um gegenüber den Protestanten, die das für gänzlich unnütz hielten, offensiv auf dieser Lehre zu bestehen.

      Und vierhundert Jahre lang wurden wir dafür zum einen von den Nichtkatholiken bekrittelt; vierhundert Jahre lang, oder zumindest in deren letzten hundertfünfzig, wurde andererseits das Lateinische auch deswegen bekrittelt, weil es ja die katholische Sprache war. (Esperanto wurde erfunden, um der naheliegenden Wahl Latein bzw. vereinfachtes Latein aus dem Weg zu gehen.) Und vierhundert Jahre oder zumindest die letzten hundertfünftig haben wir oft sehr emotional unser Latein gegenüber solchen Anwürfen verteidigt.

      Auch wenn sonst nichts fürs Latein spräche (was es wie gesagt tut), wie will man, wenn man es abschafft, das Gefühl vermeiden, das alles sei für die Katz gewesen?

  4. Latein als Liturgiesprache zu verwenden empfiehlt sich, weil dadurch die Einheit und das Katholische der Kirche zum Ausdruck gebracht wird. Auch im Urlaub oder bei internationalen Treffen (wie z.B. dem WJT) hat die lateinische Messe ihre Vorteile.

    Insgesamt kann man von der alten Messe sagen, dass sie besonders ehrfurchtsvoll ist.
    Da Gott heilig ist (also der „vollkommen Andere“), ist die im Vergleich zum alltäglichen Leben vollkommen andere alte Messe, meiner Meinung nach, die zu bevorzugende Form.
    Wer sie noch nicht kennt, dem kann ich nur empfehlen sie mal zu besuchen!

  5. Die Zelebrationsrichtung geht nicht weg oder hin zu Gott, sondern entweder „versus orientem“ (gen Osten, weil „ex oriente lux“, der Erlöser kam „aus dem (himmlischen) Osten“ bzw. er ist der „Oriens ex alto“, der „Morgenstern aus der Höhe“) oder „versus populum“ (zum Volk hin).

    Natürlich drückt beides eine „ideologische“ Richtung für die Hl. Messe aus, aber nicht die, ob man sich generell von Gott abwendet oder ihm zuwendet, denn er ist überall.

    Nicht von der Hand zu weisen ist allerdings, dass die Zelebrationsrichtung hin zum Volk viele Nachteile hat. Unter anderem den, dass der Zelebrant sich bei dem, was er tut am Altar, wie ein Fernsehkoch zuschauen lassen muss. Es handelt sich aber doch um tiefe Geheimnisse. Nachteil ist auch, dass Priester und Volk so keine gemeinsame Zelebratiosnrichtung mehr einnehmen. Das war früher anders – gemeinsam „versus orientem“ – das ist doch angemessener, wie es mir scheint. Der NOM sieht jedoch nicht vor, dass man NICHT versus orientem zelebrieren soll…

    Völlig daneben ist die Bemerkung über die „Sprache Hitlers“ – welch ein Quatsch. Mit dem Argument müsste man das Latein auch die „Sprache Neros“ nennen… Es geht dabei auch nicht drum, ob man etwas versteht oder nicht (noch nie vom „Schott gehört?), sondern darum, dass die ganze Kirche eine einzige Sprache hat, um nicht zu viele Missverständnisse zu erzeugen und eine unantastbare „heilige Formel“ zu haben. Das haben übrigens alle traditionellen Kirchen, auch die orientalischen, so.

    Escriva ist belanglos – dessen Motive sollten erst mal untersucht werden. Die „alte Messe“ ist sehr wohl auch Fetisch missbrauchender Gruppen – die Homosexuellen nicht ausgenommen. Dafür kann sie zwar nichts, aber das ist nun mal auch eine Tatsache. Und die Frage, warum das so ist, muss sehr wohl gestellt werden.

    Das Argument eines Komentators, dass diese Liturgie durch Pius V. für alle Zeiten vorgeschrieben sei, ist fragwürdig. Man lese dazu „Mediator Dei“ von Pius XII. Demnach hat die Hl. Messe Teile, die „für alle Zeiten“ gelten müssen und solche, die die Kirche das Recht hat, zu verwandeln, wenn es notwendig scheint. Auch der tridentinische Ritus war vorher so in der genauen Art nicht zelebriert worden, sondern wollte eine Zäsur setzen und eine liturgische Reform einleiten. Sowohl Pius V. als auch Paul VI. haben jeweils Forscher angewiesen, möglichst das „ursprüngliche“ zu finden. Wer hatte nun recht? Riten, die älter als 200 Jahre waren, hat Pius V. weiterhin als rechtmäßig zugelassen.

    Wir haben schlicht die Erfahrung gemacht, dass der NOM irgendein Elememnt der Unordnung in sich trägt, vielleicht ist es sogar wirklich der der Volkssprache. Es hat vielleicht wirklich ungute Folgen, wenn man die Sprache, die man in der Küche und am Schanktisch spricht, in liturgischen Zusammenhängen einsetzt – das verführt zur Anmaßung und Ehrfurchtslosigkeit. Die „alte Messe“ scheint dieser Unordnung enthoben. Der lateinische NOM müsste jedoch ebenfalls dem enthoben sein.
    Dazu muss man allerdings zur Kenntis nehmen, dass der alte Ritus oft nicht so „schön“ und ehrfürchtig zelebriert wurde, wie das heute getan wird. Nicht umsonst war der Ruf nach einer Liturgiereform laut zu hören. Heruntergehaspel, Unaufmerksamkeit, Bigotterie – all das waren spürbare Folgen einer Liturgie, die in vielem nicht mehr zur Realität der Kirche zu passen schien. Es ist sehr schwer zu sagen, wo der Fehler wirkloich liegt. Ich dachte früher auch eher schwarz weiß, muss aber nach vielen Jahren Erfahrung sagen, dass es ganz so einfach wohl nicht ist…

    Vielleicht ist Benedikts Idee ja nicht schlecht, beide Riten simultan zuzulassen und zu hoffen, dass sich daraus eine vernünftige Reform ergeben wird.

  6. 1. Bei der alten Messe steht der Priester mit dem Rücken zum Volk. Ok. „In der neuen Messe wendet er Gott den Rücken zu.“ Dem liegt aber schon ein sehr groteskes Gottesbild zugrunde. Wäre Gott nur im Tabernakel, dass ist das Götzendienst. Gott kann man gar nicht „den Rücken zukehren“. Außerdem sind auch die Osterkerze, das Buch und der Altar Symbole Christi.

    2. „Die Messe auf Latein und nicht in der Sprache Adolf Hitlers zu feiern ist eine sehr gute Sache.“ Auf einen derart abstrusen Satz muss man erst kommen! Das ist keines weiteren Kommentars würdig! Und die Lateinische Sprache wurde nicht eingeführt, damit sie die Leute nicht verstehen oder weil sie so mystisch ist, sondern deshalb, weil die Leute das Griechische nicht mehr verstanden haben.

    4. Natürlich muss man den alten Ritus nichtverwerfen, um die neue Liturgie zu feiern.

    5. „Gerade die Arbeiter haben nach der Liturgiereform in Scharen die Kirche verlassen.“ Das hat viele Gründe, die Liturgiereform hat da wohl der geringsten Anteil.

    6. Müssen wir jetzt immer in Hollywood anfragen, wenn uns theologische Fragen bewegen?

    7. Der alten Messe hat man „beigewohnt“, die neue wird mitgefeiert. Das war die Intention. Noch früher war das Volk überhaupt unbeteiligt.

  7. 1. „Beim sogenannten Volksaltar ist der Priester nämlich gezwungen, Gott den Rücken zuzuwenden.“ – Wieso denn das? Gott ist nicht in Menschengestalt während der Messe anwesend und steht irgendwo im Raum. Darüber hinaus wandeln sich Brot und Wein immer noch **vor** dem Priester in den Leib und das Blut Christi, weil der Priester sie vor sich hält.

    2. „Die Messe auf Latein“ als allein seligmachend zu propagieren, ist natürlich Unfug. Jesus von Nazareth hat nicht Latein gesprochen, sondern sehr wahrscheinlich Aramäisch, vielleicht noch Hebräisch, fraglich ob Griechisch. Er hätte wohl kein Wort von der Messe in Latein verstanden – so wie das „Volk“ heute auch kein Wort verstünde.

    3. „Die Alte Messe ist homo-erotisch. – Die Alte Messe ist deo-erotisch.“ – Die Messe ist „erotisch“??? Ich hatte noch keinerlei derartige Gefühle dabei.

    4. „Die Alte Messe ist passé.“ Laut Pius V. ist sie doch für alle Zeiten vorgeschrieben …

    5. „Gerade die Arbeiter haben nach der Liturgiereform in Scharen die Kirche verlassen.“ – Ob das wohl an der Liturgiereform lag?

    6. „Wenn in einem Hollywoodfilm eine Kirchenszene gezeigt wird, greifen die Schöpfer der Blockbuster lieber auf das coole Original zurück“ – Effektfilmen fehlt meistens die Tiefe.

    7. „Die Alte Messe ist gegen die Völksfrömmigkeit.“ – Es gibt noch Volksfrömmigkeit in Deutschland???

    Insgesamt: Es ist gut, wie es jetzt ist.

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