Von Shannon Doty, übersetzt von Quintus N. Sachs

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Ein ausgiebig geschnitzte Rosenkranztotenschädelperle aus Elfenbein, gefunden am Rosenkrans einer Nonne, 15. Jahrhundert (Detroit Institute of Arts)

Manchmal werden wir nach der Bedeutung von Rosenkränzen mit Totenschädeln gefragt. Sind sie sakrilegisch oder gar anti-katholisch? Überraschenderweise sind sie so ziemlich das Gegenteil. Die Totenkopfperle an einem Rosenkranz ist gedacht als Fokussierpunt um die eigene Sterblichkeit zu kontemplieren. Natürlich ist so ein Rosenkranz nicht Jedermanns Sache; mancherlei würde meinen, so ein Rosenkranz sei – morbid.

Der Gebrauch von symbolischen Totenschädeln in Rosenkränzen und Gesätze datiert zurück ins späte Mittelalter (1050 – 1500). Besonders in Italien, Deutschland und Mexico waren sie beliebt bei Priestern, Mönchen und Schwestern. Also seit Jahrhunderten wurden diese Totenkopfe in Rosenkränzen verarbeitet, und Kunstgeschichte und Lehre der Kirche unterstützen diesen Brauch.

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Der Totenschädel in religiöser Kunst

In der Kunst werden viele Heilige mit Totenschädel abgebildet. Einige Kruzifixe zeigen einen Totenschädel am Fußende des Kreuzes, als Zeichen für Christi Sieg über den Tod. Einige Rosenkränze haben eine Totenschädelperle als tastbares „Memento mori“, als mahnende Erinnerung dass des Menschen Leben nicht unendlich ist.

Auch die Kreuzigung wird öfters dargestellt mit einem Schädel am Fuße des Kreuzes. Der hebräische Name des Kreuzigungsortes Christi lautet „Golgotha“. Das bedeutet „Schädelort“. Nach der Überlieferung lag dieser Hügel über dem Grab Adams. So wird dieser symbolischer Schädel oft benutzt um sowohl der erste von Gott erschaffene Mensch, als auch auf den neuen Adam hinzuweisen.

Katholische Textstellen die auf „Memento mori“ hinweisen

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Der lateinische Satz „Memento mori“ bedeutet „Gedenke dass du sterben wirst“. Während des Mittelalters war dieser Satz ein großer Einfluß auf Kunst und religiösem Leben. Er erinnert uns sowohl an unserer Sterblichkeit als auch an dem Urteil das nach unserem Tod erfolgt.

In dem Sonnenlied des hl. Franz von Assisi finden wir:

Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod;
ihm kann kein lebender Mensch entrinnen.
Wehe jenen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig jene, die sich in deinem heiligsten Willen finden,
denn der zweite Tod wird ihnen kein Leid antun. 1

Und der hl. Benedikt von Nursia ruft uns zu:

Fürchtet den Tag des Urteils: sorgt euch um die Hölle. Verlangt eifrig das ewige Leben mit tiefer spiritueller Sehnsücht. Halte den Tod täglich vor Augen. (Regel des Benedikt 4,44-47). 2

Die Worte die der Priester spricht, wenn er die Menschen auf die Stirn das Kreuz mit Asche zeichnet, verweisen auf unsere Sterblichkeit. Sie sind der hl. Schrift entnommen: … denn du bist Staub, und sollst zum Staube zurückkehren. (Gen 3,19).3

Und zum Schluß, im Ave Maria, gibt es einen Hinweis auf unsere Sterblichkeit:

Heilige Maria, Mutter Gottes,

bitte für uns Sünder,

jetzt – und in der Stunde unseres Todes.

Amen.

Wenn wir also beten, ist eine Schädelperle nur ein Erinnerungszeichen daran, dass wir auf dieser Erde sterblich sind. Man soll sie nicht benutzen als „Goth-Schmuck“ oder für diejenigen die Santa Muerte verehren, sondern vielmehr als andächtige Erinnerung an unsere Zeit auf Erden und an dem Jüngsten Gericht wenn unsere Zeit vorüber ist.

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1Wikipedia; Sonnengesang (Franz von Assisi)

2In Die Regel des heiligen Benedikt (Beuroner Kunstverlag) ISBN 978-3-87071-188-7 steht das wie folgt:

  1. Den Tag des Gerichtes fürchten.
  2. Vor der Hölle erschrecken.
  3. Das ewige Leben mit allem geistlichen Verlangen ersehnen.
  4. Den unberechenbaren Tod täglich vor Augen haben.

3Die Bibel; Glasfenster des Jugendstils (Allioli-Übersetzung, St-Ulrich Verlag) ISBN 978-3867440561

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