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Theodizeefrage und Liebesgeschichte – Der Film: „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“

John Greens Werk „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ wurde 2014 verfilmt. Der Film stellt die grundlegenden Fragen angesichts tödlicher Krankheiten und zeigt wie man dennoch glücklich leben kann.

Bild: StockSnap / pixabay.com

John Green, der Autor des Buches, das dem gleichnamigen Film zugrunde liegt, absolvierte ein Praktikum im Kinderkrankenhaus mit dem Ziel Pastor zu werden. Schockiert von dem unendlich tragischen Leid, stellte er seinen bisherigen Glauben und sein Gottesbild in Frage. Nach diesen Leiderfahrungen  hat er sich von dem Berufswunsch  losgesagt und offenbart sich in Interviews nun als eine Art liberal-säkularer Autor, der den Fragen nicht ausweicht, aber eine dezidiert christliche Antwort ablehnt. Er stellt in seinen Büchern Fragen und antwortet nicht immer explizit darauf.

Zusammenfassung des Films

Der Film handelt vor allem vom Leben der 16-jährigen „Hazel Grace Lancaster“, die seit ihrer Kindheit an Schilddrüsenkrebs leidet und dadurch permanent eine Atemhilfe benötigt und auf ärztliche Behandlung angewiesen ist. Nie ist sicher, wie lange sie noch zu Leben hat, ob der Krebs wieder ausbricht und wie lange ihr Körper noch durchhält. Ein normales Leben ist ihr nicht mehr möglich, ihren Alltag kann sie nur im Ruhemodus vollziehen, Sport und körperlich anstrengende Tätigkeiten verkraftet Hazel Grace nicht. Ihre Eltern motivieren sie zu einem christlichen (episcopal) Jugendtreff für Krebskranke zu gehen. Der Leiter dieses Treffen ist selbst ehemaliger Krebspatient und beginnt jede Sitzung, indem er in der Mitte eines Stuhlkreises einen riesigen Teppich ausbreitet, der das Herz Jesu zeigt.

Bei den Treffen sind die Teilnehmer um das „Sacret Heart of Jesus“, das Heilige Herz Jesu, versammelt. Der Host spielt Gitarre und möchte die krebskranken Teilnehmer motivieren ins Gespräch zu kommen. Es findet primär keine Glaubenskatechese statt, nur der Hintergrund ist religiös, der Inhalt ist sozial. Hazel Grace entzieht sich zunächst dem Dialog. Auf die Aussage eines Teilnehmers, dieser wolle im Leben etwas bewirken an das man sich erinnere, entgegnet Hazel Grace, dass eine Zeit kommen werde, in der sowieso alle tot seien, die nun leben und sich erinnern können, weshalb dieser Wunsch, etwas zu bewirken, letztlich sinnlos sei. Dennoch freundet sich Hazel Grace mit dem Teilnehmer Augustus Waters, einem Knochenkrebsüberlebenden mit Beinprothese, an.

Hazel hat einen Lebenswunsch: Sie will in den Niederlanden ihr Idol, den Schriftsteller Peter Van Houten treffen und ihn fragen, wie sein Buch weitergeht, wenn dessen Protagonist an Krebs stirbt. Peter Van Houten ist für Hazel Grace eine Art philosophisch-weltanschauliche Inspiration. Als sie ihn nach schwierigen Komplikationen in Holland zusammen mit Augustus Waters besucht, endet die Begegnung in totaler Enttäuschung. Peter Van Houten entpuppt sich als völlig desinteressierter und depressiver Mensch, der für Hazel Graces Fragen nichts übrig hat. Seine Wohnung ist voller Unordnung, er ist Alkoholiker, vom Leben enttäuscht und verzweifelt. Als Hazel Grace den ehrlichen Austausch über sein Buch sucht, wird Peter Van Houten nur ausfällig. Er betrachtet sie aus Störung in seinem Leben und konfrontiert Hazel Grace schonungslos mit seiner Weltsicht: Hazel Grace sei durch ihre Krankheit nichts weiter als ein Fehler der biologischen Mutation, sie lebe nur noch aus Mitleid ihrer Eltern, sie solle endlich die Sinnlosigkeit ihrer Fragen erkennen und abhauen. Traumatisiert verlassen Hazel Grace und Augustus Waters das Haus von Peter Van Houten.

Die Sekretärin von Peter ist traurig über diese Begegnung und lädt die beiden ins Anne-Frank-Haus von Amsterdam ein. Inmitten all der Tragik, des Leides und der anscheinend hoffnungsleeren Tragödie, entdeckt Hazel Grace ihre Liebe zu Augustus Waters, die sie bisher, auch wegen ihrer Krankheit, nicht zulassen wollte. Nun küssen sie sich. Das Glück ist da. Das Schicksal scheint es – zumindest kurzfristig – gut mit den beiden gemeint zu haben.  Aber genau jetzt schlägt der „Verräter“ zu. Augustus Winters outet sich gegenüber Hazel Grace, dass sein Krebs schlimmer als zuvor zurück ist und es  diesmal es keine Hoffnung auf Heilung gibt. Die Realität zerstört das Glück. Die Liebe wird durch Krankheit dem Tod ausgeliefert. Zurück in den USA ist klar: Augustus Waters muss sich auf den Tod vorbereiten.

Eine Zukunft von Hazel Grace und Augustus gibt es nicht. Die restlichen Tage sind eine Vorbereitung zum Tode. Hazel Grace und Augustus führen eine „Vorbeerdigung“ durch, da Augustus gerne mitbekommen möchte, welche Trauerrede Hazel Grace für ihn halten möchte. Einige Tage später stirbt Augustus Waters. Es ist ein amerikanischer Film, also trotz allem optimistisch aufgeladen, so erscheint auch Peter Van Houten auf Augustus Beerdigung. Er ist auf Augustus Wunsch hin angereist, um Hazel Grace mitzuteilen, wie sein Buch weitergeht. Hazel  verweigert jedoch die Kontaktaufnahme. Am Ende erhält sie einen Brief von Peter Van Houten. Isaac, ein Freund von Augustus, erklärt Hazel Grace, dass der Brief die Grabesrede ist, die Augustus für ihre Beerdigung vorgesehen hat. Hazel Grace liest die Grabesrede, die für ihre Beerdigung bestimmt war. Sie liegt auf der Wiese. Der Film endet, wie er beginnt.

Die Theodizeefrage oder: Wo ist der „liebe“ Gott bei all dem Leid?

Wo ist Gott, wo ist Gott?“, lässt Nietzsche den „tollen Menschen“ fragen. Die Leidfrage angesichts eines (allgemein) geglaubten guten Gottes durchzieht den ganzen Film: Die Frage wird gestellt, die Antwort muss sich der Zuschauer selbst geben. Im Film erscheint Hazel Grace als die skeptische Agnostikerin und Augustus als der eher Glaubende. Radikal ist niemand von beiden, denn die Krankheit hat eine desillusorische Prägung hinterlassen. In einem Gespräch zwischen Hazel und Augustus über die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gint, ist Hazel Grace eher skeptisch und Augustus bejahend, denn ohne dieses sieht er keinen Sinn im Leben. Auch die Namen der Darsteller sind theologisch interessant: Der niederländische Nachname „Van Houten“ heißt auf Deutsch etwa soviel wie „vom Hölzernen“, dies kann man aus einem theologisch-christlichen Hintergrund auf das Kreuz beziehen, denn in verschiedenen christlichen Frömmigkeits- und Liturgiepraktiken wird auf das Holz (lat.: “lignum“) Bezug genommen. Holz gilt in christlicher Spiritualität als Inbegriff des Kreuzes. Dieser Name passt auch gut zum gesellschaftlich gescheiterten Dasein von „Peter Van Houten“. Sein Leben schreit den Ausruf Jesu am Kreuz: “eli, eli lama sabachthani“ (Mt. 27,46)  weiter, es ist der ewige Karfreitag. Erlösung und Auferstehung lehnt er ab.

Interpretatorisch offen ist auch der Name Hazel Grace Lancaster – in der keltischen Mythologie gilt der Haselstrauß als Weisheit gebend, der Zweitname Grace – Gnade –  spricht für sich. Lancaster der Name eines englischen Adelsgeschlechtes. Augustus Waters verweist in vielem komplementär auf Hazel Grace. Augustinus, der bedeutende lateinische Kirchenvater, ist der Theologe der Gnadenlehre. Wasser ist das Symbol der Taufe, der Neugeburt und des Todes. Mit Wasser beginnt ein neues und endet ein altes Leben.

Liebesgeschichte trotz Leid

Ebenfalls sehr bedeutend, und viel weniger kitschig, als es auf den ersten Blick scheinen mag, ist die Darstellung des  „Heiligen Herz Jesu“ im Film. Beide, Hazel Grace, als auch Augustus, können als modern-aufgeklärte Menschen natürlich wenig mit der Herz-Jesu Frömmigkeit anfangen. Aber sie gehen dennoch zum christlichen Jugendtreffen, bei dem in der Mitte des Raumes ein Herz-Jesu Teppich liegt. Hazel Grace steht durch ihre Krankheit und Leiderfahrung dem Ganzen eher skeptisch und zynisch gegenüber. Doch um das Herz-Jesu sind die beiden mit den anderen Kranken versammelt und sprechen über ihre Krankheit, mal verzweifelt, mal hoffend. So gibt es im Film eine Wirklichkeit, die über allem Zynismus steht: Der Herz-Jesu-Glaube des Jugendleiters ist es, der das Treffen ermöglicht, er bringt Hazel Grace und Augustus zusammen und ermöglicht so eine wahre Liebesgeschichte.

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