KulturZwischen Apokalypse und Tinder-Dates: Der Milchschaum der Moderne

Zwischen Apokalypse und Tinder-Dates: Der Milchschaum der Moderne

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Zwischen Apokalypse und Tinder-Dates: Der Milchschaum der Moderne

„Eine neue Zeit ist angebrochen, ein großes Zeitalter, in dem zu leben eine Lust ist.“ Galileos Jubel in Brechts gleichnamigem Theaterstück ist das Versprechen der Moderne: Es kommt eine neue Zeit, in der alles besser wird.

Besser werden soll es vor allem durch den Bruch mit dem Alten, konkret heißt das: durch den Bruch mit Religion und Tradition. Sie stehen für Verbindlichkeit und Vorgaben, für Pflichten und Werte, für Unterordnung unter Gott. Damit muss die Moderne brechen, um ihre Lustakklamation durchzusetzen. Der Mensch muss an die Stelle Gottes treten, die Selbstbestimmung an die der Religion, der Hedonismus an die der Tradition.

Gefeiert wird das Fleisch, gepriesen wird die Sünde, gefordert wird kein Preis.

Wenn letztverbindliche Orientierungen wegbrechen – also Gott und Vernunft, bleibt nur das Gefühl. Als Maßstäbe bleiben dann subjektive Empfindungen und Bedürfnisse. Es gibt nichts Verbindliches mehr, woran ich mich halten muss.

Gefühle haben den Vorteil, dass sie motivieren können. Das Gefühl ermöglicht das Martyrium fürs Ego. Liebeskummer rührt zu Tränen, Lesekummer zu Langeweile.

Wie sehr Gefühle zum Maßstab geworden sind, zeigt die subversive Gender-Ideologie. Es gibt kein Richtig oder Falsch – nur die Realisierung des Selbstgefühls: Wer man letztlich – auch geschlechtlich – ist, bestimmt man selbst durch sein Gefühl oder durch OPs.

All das ist aber letztlich leer und lustlos. Der Ich-Kult ist längst schon degeneriert und feiert die fleischfressende Zombie-Apokalypse ebenso wie die Fleischbeschau in Tinder-Apps. Die Moderne hat ihr Versprechen gebrochen. Es ist kälter geworden, und dunkler. Das Streben nach Lust ist ein Luftschloss, es löst sich auf wie Milchschaum.

Niemand hat Kathedralen und Kultur gebaut, weil er nach Lust strebte. Schönes schafft, wer an Schönheit glaubt – und wächst dabei über sich selbst hinaus.

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1 KOMMENTAR

  1. „Wie sehr Gefühle zum Maßstab geworden sind, zeigt die subversive Gender-Ideologie“
    .
    Darf ich einmal freundlich fragen, was „subversive Gender-Ideologie“ ist?

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