Start Tradition Mit 15.000 jungen Pilgern nach Chartres: Heute die Kirche von morgen sehen

Mit 15.000 jungen Pilgern nach Chartres: Heute die Kirche von morgen sehen

Von Daniel Kupke

Auch in diesem Jahr machten sich wieder 15.000 zumeist junge Menschen aus aller Welt von Paris aus auf den Weg, um über die Pfingsttage zum Schleier der allerseligsten Gottesmutter nach Chartres zu pilgern.

Beseelt vom Klang des gerade verhallten Veni creator spiritus der Pfingstvigil und getragen vom innigen Verlangen ihre persönlichen Anliegen, aber auch ihre Bitten für die heilige Kirche, ihre Vaterländer und das christliche Abendland vor die Füße Mariens zu legen, zogen sie von der Kirche St. Sulpice in ihren Chapitres mit Gebet und fröhlichen Gesängen los, von Anfang an bereit, die mit zahlreichen Entbehrungen und Anstrengungen verbundenen 100 Kilometer bis zum Ziel auf sich zu nehmen.

Manch ein verwunderter Zuschauer am Wegesrand mag sich gefragt haben, was diese jungen Menschen- ihr Altersschnitt mag höchstens 21 Jahre gewesen sein- heutzutage antreibt an die Grenze des körperlich Ertragbaren zu gehen und sich auf einen solchen Weg zu machen. Und wäre er mitgekommen, er hätte es gewiss erkannt. Sie waren alle geeint in der Bereitschaft Zeugnis für ihren Gott vor der Welt zu geben und Sühne zu leisten, um so auch das diesjährige Motto „Der Friede Christi durch die Herrschaft Christi“ ganz persönlich im Kleinen zu verwirklichen, damit es dann auch im Großen realisierbar ist.

Direkt erfahrbar wurde dieser Aufbau des Reiches Christi im Inneren durch die ständige Möglichkeit das Sakrament der Beichte zu empfangen, um den Geist zu ordnen und die Angriffe des Widersachers auf das Reich Christi in uns abzuwehren und das selten so konkret werdende Bußwerk seine Schmerzen aufzuopfern.

Der fromme Ernst der Pilger, der sie jedoch nicht daran hinderte frisch und froh ihrem Ziel entgegen zu ziehen, war wieder einmal Beispiel dafür, dass die Jugend kein Interesse an einem weichgespülten und ausgehöhlten Wohlfühlkatholizismus hat, der keinen Einfluss auf ihre täglichen Lebensentscheidungen hat. Stattdessen ersteht aus diesen Reihen eine Generation, die unter der Führung authentischer und in Christus verwurzelter Priester, die die ganze Wahrheit verkünden, bereit zum Kampf für die Herrschaft Christi in dieser Welt und zur Ganzhingabe ihres Lebens ist.

Nach einer kurzen Nacht machte sich der Pilgerzug bereits in den frühen Morgenstunden erneut auf den Weg und stand dabei sinnbildlich für ein christliches Leben zu aller Zeit, in dem es heißt sich trotz aller Müdigkeit, Schlaffheit und Trägheit- egal, ob auf körperlicher oder geistiger Ebene- sich immer wieder neu aufzuraffen und dem Ziel, das letztlich in allem Christus sein soll, entgegenzugehen.

Mitbauen am Reich Gottes

Einen zur Verwirklichung des zuvor genannten Aufbaus des Reichs Christi wichtigen Aspekt griff auch der Benediktinerpater auf, der die Pfingstmesse auf einem Feld auf halber Wegstrecke zelebrierte und in der Predigt dazu aufrief dem heiligen Geist im täglichen Leben den Raum zum Wirken geben, indem man sein Leben bewusst im Lichte des Glaubens strukturiert und so auf das Wehen des Geistes im Alltag hören kann. Obwohl an diesem zweiten Tag die Pilger bereits sichtlich erschöpft waren, hinderte es sie nicht daran die heilige Messe mit der ihr gebührenden Ersthaftigkeit und Würde mitzufeiern und die im Ablauf vorgeschriebenen Körperhaltungen trotz schmerzender Beine einzunehmen, ehe man sich später für einige Minuten ausruhen konnte, bevor es wieder weiterging, um Chartres am nächsten Tag erreichen zu können. Kurz vor der Ankunft im Lager konnten auch am Horizont zum ersten Mal die Türme der Kathedrale erblickt werden und in der Freude über die baldige Ankunft schallte das Salve regina über die französischen Felder.

Nach einer von vielen Wackeren in der eucharistischen Anbetung verbrachten Nacht ging es am nächsten Morgen auf die letzte Etappe und im freudigen Gesang der einzelnen Chapitres konnte man erkennen, dass die Ankunft am Nachmittag sehnlich erwartet wurde und nicht mehr weit entfernt war. Als man schließlich in Chartres angekommen war, ging es nochmals einen letzten Anstieg hinauf, an dem sich einige deutsche Chapitres versammelten, um gemeinsam, das Te deum singend, hinaufzuziehen. An diesem Punkt wurde zum wiederholten Male die Geisteshaltung der Pilger offensichtlich, da sie die körperlichen Anstrengungen nicht als reinen Selbstzweck erbracht hatten und deshalb Lobeshymnen auf sich selbst sangen, sondern als Zeichen der Huldigung ihres Herrn und als Geschenk an ihre glorwürdige Mutter und liebe Fürsprecherin, deren Schleier ihr Ziel war.

Trotz der Strapazen nach 100 Kilometern traten die Seminaristen, Ordensleute und Priester aufrechten Schrittes an den Altar, die vom Schmutz des Weges verdreckten Enden der Soutanen bezeugten, dass sie den gleichen Weg auf sich genommen hatten, um das Volk zu führen, durch die Beichte gereinigt an ihren Zielort zu bringen und es durch Gebet und geistliche Gespräche für seine Aufgaben in der Welt zu stärken. Die Schmerzen waren sicherlich nicht verflogen und dennoch kniete die Pilgerschar ehrfürchtig und voller Dank vor ihrem Heiland. Bischof André Léonard ermutigte in seiner Predigt dazu den Kampf für die Königsherrschaft Christi anzunehmen und sich entschlossen gegen die Verwirrungen des Zeitgeistes zu stellen, um so die Kirche, die Familien und die Welt im Frieden Christi erneuern zu können.

Die Pilger, die auch in diesem Jahr den Weg auf sich nahmen, haben bewiesen, dass „Kirche auf dem Weg“ kein Herumirren um des bloßen Bewegens willen, wie es ein um sich selbst kreisender Aktionismus der Modernisierung sagen will, ist, sondern ein klar definiertes Ziel hat und braucht, das immer der Himmel sein muss. So wurde zu diesem Pfingstfest allen Anwesenden die Gnade geschenkt, die Kirche von morgen sehen zu dürfen, die trotz vieler verschiedener Sprachen und Nationalitäten geeint ist in der einen Sprache der heiligen Messe nach der überlieferten Form des römischen Ritus und die geeint ist in ihrem Ziel, das letztendlich Christus und nicht die Welt ist.

Siehe auch:

1 KOMMENTAR

  1. Wie wunderbar. In der römischen Liturgie wird für den rechten Katholischen und Apostolischen Glauben gebetet.Danke an die Pilger die mit Ihrer Wallfahrt dafür Zeugnis abgelegt haben. Gelobt sei Jesus Christus.

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