Freitag, 19. August 2022

Was ist vorüber? – Eine Glosse von P. Engelbert Recktenwald

„Die nachkonziliare Zeit ist vorüber“, so äußern sich manche Reformer in der Kirche.
Hoppla, ich muss mich korrigieren! In Wirklichkeit sprechen sie von der „alten “ Zeit. Aber damit kann doch eigentlich nur die nachkonziliare Zeit gemeint sein, oder nicht? Die vorkonziliare Zeit ist ja bereits mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil zu Ende gegangen. Wie oft haben wir aus berufenem oder unberufenem Mund gehört, dass mit dem Konzil eine neue Zeit begonnen habe, eine Zeit des Frühlings und des Aufbruchs, eine neue Ära. Und die soll jetzt auch schon wieder zu Ende sein? Immerhin hat diese Zeit mit über 50 Jahren auch schon ein gewisses Alter erreicht. Also kann, wenn von der alten Zeit die Rede ist, die jetzt vorüber sei, nur die nachkonziliare Zeit gemeint sein, oder? Ich kenne eine Menge Leute ( „Traditionalisten“ genannt), die sich wirklich freuen würden, wenn dem so wäre.

Aber so meinen es die Reformer dann wohl doch nicht. Es geht ja um Themen wie Zölibat und kirchliche Morallehre. Und da müssen wir feststellen, dass das Konzil noch viel zu vorkonziliar war. Der Zölibat sei im Geheimnis Christi und seiner Sendung begründet, hat das Konzil gelehrt, durch die Jungfräulichkeit und die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen seien die Priester in neuer und vorzüglicher Weise Christus geweiht.

Der Priester sei in vorzüglicher Weise Christus geweiht? Mit Leichtigkeit erkennen wir hier ganz klar jenen vorkonziliaren Klerikalismus, der schuld am tausendfachen sexuellen Missbrauch in der Kirche ist. Diese Konzilsaussage ist eine Beleidigung der Laien und eine Gefahr für unschuldige Kinder. Das Konzil ist schuld am Missbrauch, weil es die vorkonziliare Zeit nicht radikal genug beendet hat. Das Konzil war einfach zu wenig konzilsgemäß. Wir müssen das Konzil um des Konzils willen überwinden! Wir müssen es retten, indem wir seine Texte entsorgen. Dann beginnt endlich der echte und wahre Aufbruch …

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