Geschenk und Geheimnis. Eine geistliche Betrachtung zur Weihnachtszeit

Geschenk und Geheimnis. Eine geistliche Betrachtung zur Weihnachtszeit

Von Thorsten Paprotny

In den Schulhäusern dieser Welt vernehmen Kinder und Jugendliche die bestimmende Meinung, dass die Bildungsanstalt die „Schule des Lebens“ sei. Alles Wesentliche scheinen wir dort zu lernen. Früher verhielt es sich so: Erst Rechnen und Schreiben, dann Schönschrift, auch Fleiß, Disziplin und Untertanengeist. Früher gehorchte man dem Kaiser und huldigte allen möglichen Herren dieser Welt. Man zeigte sich später demütig gegenüber den Götzen der atheistischen, neuheidnischen und kulturchristlichen Aufklärung. Von Klassengemeinschaft wurde gesprochen und von effektiver Selbstdarstellung im Unterricht. Positiv genannt wurde auch Selbstverwirklichung. Der säkularen Religion des Ich habe ich nicht geglaubt, sie wurde aber gläubig verkündet. Ich schaute lieber aus dem Fenster und betrachtete die im Wind sich wiegenden Bäume. Manchmal sang draußen eine Lerche.

Wer sich in der Schule bewähre, erwerbe Lebenstüchtigkeit. Sei gefällig, werde ein Tausendkünstler, der überall beliebt ist und Erfolg hat. Nichts werde uns geschenkt, alles müsse erarbeitet werden. Hart erarbeitet. Dazu leite die Schule an. Die letzten Geheimnisse dieser Welt würden aufgedeckt, aufgeklärt und entzaubert. Mitten in diesen Leistungswahn eingezeichnet sind Krippe und Kreuz. Auch darüber können wir uns äußern oder äußerliche Kenntnisse erwerben. Wir können meinen, alles Nötige zu wissen. Natürlich könne jeder aufgeklärte Mensch von heute über Gott und Gottesbilder immer mal ein wenig philosophieren. Auferstehung vom Tod? Die Welt lächelt höhnisch. Für den postmodernen Menschen und für alle spätliberalen Fundamentalisten von heute, diesseits und jenseits der Theologie, sind dies nur Mythen. Für andere aber liegt darin die Wahrheit, die einzige Wahrheit, von der alles abhängt und auf die alles ankommt. Es ist die Wahrheit, mit der, in der und für die sie leben und sterben werden.

Die Moderne amüsierte sich, und die Postmoderne tut das auch. Über das Banausentum der alten und neuen Modernisten, das auch als geschmeidige Schlauheit auftritt, hat Pater Engelbert Recktenwald am Weihnachtsfest gepredigt – und wer mehr darüber wissen möchte, der höre sich diese Weihnachtspredigt an.

Nichts werde uns geschenkt, alles müssen wir uns erarbeiten. Die Torheiten dieser Welt sind oft Unterrichtsstoff in der Schule, verbunden mit einem universellen Methodentraining und der Einübung in die Präsentationstechniken. Viele beherrschen PowerPoint, sind aber von innen her kraftlos. Viele sind stolz auf ihren aufrechten Gang, aber ob sie je zu der eigentlichen Höhe des Menschseins gelangen? Wie Pius XII. doch sagte: „Der Mensch ist nur groß, wenn er kniet.“ Wir beugen die Knie, aber nicht vor den Lehrmeistern in den Schulen oder vor den Herren dieser Welt, sondern wir verehren das Allerheiligste Sakrament des Altares. Wir beugen die Knie vor unserem Herrn Jesus Christus. Wir beugen die Knie gläubig vor dem Kind in der Krippe. Und warum?

Der Evangelist Johannes schreibt dazu knapp und einleuchtend: Wir haben der Liebe geglaubt. – Liebe wird nicht gewaltsam errungen und erstritten. In der Liebe ist niemand Klassenprimus. Liebe ist keine bindungslose, dem Beliebigen verfallene Freiheit. Die Liebe ist kein Produkt der Leistungsethik oder des knechtischen Gehorsams gegenüber der Postmoderne und ihren Verführungen. Liebe kann nur geschenkt werden, und ihr Zauber bleibt. Die Liebe trägt uns im Leben und im Sterben. Liebe ist Hingabe, Geschenk und Geheimnis. Davon erzählt auch ein schönes Lied, das wir in der Weihnachtszeit singen und meditieren dürfen:

„Ich steh an Deiner Krippe hier,

o Jesu, Du mein Leben.

Ich komme, bring und schenke Dir,

was Du mir hast gegeben.

Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,

Herz, Seel‘ und Mut, nimm alles hin

und laß Dir’s wohl gefallen.“    

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