Katholische Frauen und ihre Berufung

Nur weil jeder das Recht auf eine Meinung haben darf und frei äußern kann, hat noch nicht jeder recht. Zugleich hat nicht jeder, der sich äußert, ein Recht darauf, Zuhörer oder gar Zustimmung zu finden. Schwester Philippa Rath, Benediktinerin und Delegierte des Synodalen Wegs, spricht von der „klerikalen Männerkirche“, die sie als „amputierte Kirche“ begreift und fordert den Zugang von Frauen zu allen Weiheämtern. Dass sich in der römisch-katholischen Kirche unter Papst Franziskus noch etwas in die gewünschte Richtung bewegt, glaubt sie zwar nicht, stellt indessen fest: „Aber manchmal führt der Heilige Geist ja auch zu Sinneswandlungen. Wir sollten ihm keine Schranken auferlegen. Irgendwann wird sich ein Papst, eine Synode oder neues Konzil dieser Frage neu zuwenden und neue Wege gehen.“ Vereinnahmen lässt sich der Heilige Geist aber nicht – auch nicht belehren oder bekehren. Wer meint, zu wissen, was der Heilige Geist möchte oder wollen könnte, wagt sich weit hinaus. Dass der Heilige Geist sich von Menschen und ihren Absichten in seinem Wirken einhegen lassen oder fremdbestimmt sein könnte, ist auch eine kuriose Vorstellung.

In dem von Schwester Philippa im renommierten Herder-Verlag publizierten Buch „Weil Gott es so will“ finden sich 150 Zeugnisse von Frauen, die sich zur Diakonin oder Priesterin berufen fühlen. Leicht kann ich mir vorstellen, dass es einen Sammelband mit Zeugnissen – ob 150, 1.500 oder auch 150.000 – von Frauen, die sich zu einem Leben als gläubige Katholikin in der Welt als berufen wissen, geben könnte: als Mutter, als Krankenschwester oder Ärztin, als Bäuerin oder Polizistin, als Sängerin oder Bibliothekarin, als Unternehmerin oder Lehrerin, ohne damit irgendeinen klerikalen Macht- und Geltungsanspruch zu verbinden. Ihre Berufung drückt sich aus im Gebet, in der Liebe zu Gott und in der Treue zur Lehre der Kirche aller Zeiten und Orte. Wäre ein solches Buch mit Zeugnissen dieser Art nicht eine Bereicherung? Ob es auch einen katholischen Verlag finden würde – in Zeiten wie diesen?

Am 4. und 5. Februar tagen in einer Videokonferenz die Mitglieder der Synodalversammlung in den jeweiligen „Foren“. In dem vorbereitenden Papier ) des Forums „Frauen in den Ämtern und Diensten der Kirche“ heißt es über „Berufung“: „Viele Frauen erleben sich als berufen zu einem sakramentalen amtlichen Dienst in der Kirche. Haben solche Erfahrungen Bedeutung bei der Suche nach wahrer Erkenntnis des Willens Gottes für den Weg der Kirche in die Zukunft? Oder kann nur als berufen gelten, wem die kirchliche Anerkennung dieses Erlebens zugestanden wird?

Seit vielen Jahren bereiten sich Frauen, die sich zu Diakoninnen berufen wissen, auf ihre Dienste in der Kirche vor. Welche Motivationen leiten sie dabei? Welche Erwartungen und welche Enttäuschungen sind mit einem Leben als berufener Frau ohne kirchenamtliche Anerkennung verbunden? Welchen Schaden leidet die Kirche, wenn Charismen nicht geachtet werden? Es gibt unterschiedliche Wege, sich der Frage nach der Teilhabe von Frauen an allen sakramentalen Ämtern zu nähern. Der Weg über die Erfahrung als Quelle der Erkenntnis ist einer der möglichen.“

Der heilige Johannes Paul II. indessen äußerte sich in dem Apostolischen Schreiben „Mulieris dignitatem“ am 15. August 1988 über die Berufung der Frau: „Die Kirche sagt also Dank für alle Frauen und für jede einzelne: für die Mütter, die Schwestern, die Ehefrauen; für die Frauen, die sich in der Jungfräulichkeit Gott geweiht haben; für die Frauen, die sich den unzähligen Menschen widmen, die die selbstlose Liebe eines anderen Menschen erwarten; für die Frauen, die in ihrer Familie, dem grundlegenden Zeichen menschlicher Gemeinschaft, über das menschliche Dasein wachen; für die Frauen, die berufstätig sind und oft schwere soziale Verantwortung zu tragen haben; für die »tüchtigen« und für die »schwachen« Frauen – für alle: so wie sie aus dem Herzen Gottes in der ganzen Schönheit und im vollen Reichtum ihres Frauseins hervorgegangen sind; wie sie von seiner ewigen Liebe umfangen wurden; wie sie, zusammen mit dem Mann, Pilgerinnen auf dieser Erde sind, die die irdische »Heimat« der Menschen ist und sich bisweilen in ein »Tal der Tränen« wandelt; wie sie, zusammen mit dem Mann, eine gemeinsame Verantwortung übernehmen für das Geschick der Menschheit, was die täglichen Bedürfnisse betrifft, wie auch hinsichtlich jener endgültigen Bestimmung, welche die Menschheitsfamilie in Gott selber, im Schoß der unergründlichen Dreifaltigkeit, besitzt.

Die Kirche sagt Dank für alle Äußerungen des weiblichen »Geistes«, die sich im Laufe der Geschichte bei allen Völkern und Nationen gezeigt haben; sie sagt Dank für alle Gnadengaben, mit denen der Heilige Geist die Frauen in der Geschichte des Gottesvolkes beschenkt, für alle Siege, die sie dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe von Frauen verdankt: Sie sagt Dank für alle Früchte fraulicher Heiligkeit.“

Dass dieser kostbare Text auf dem Synodalforum „Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche“ Resonanz und Beachtung findet, können wir nur hoffen. Könnte es nicht eine wunderschöne Berufung für einfach gläubige Weltchristen sein, ob Frau oder Mann, betende Menschen zu sein? Wir dürfen demütig niederknien vor dem Tabernakel, das Allerheiligste Sakraments des Altares anbeten und mit Werken der Barmherzigkeit leise Dienst tun in der Welt von heute, in großer Dankbarkeit für Gottes Liebe, für die Sakramente und die Schönheit der Liturgie, die unverlierbar gegenwärtig ist in der Kirche des Herrn.

1 KOMMENTAR

  1. In meinem inzwischen wegen der jahrelangen Pflege der Eltern eingestellten katholischen Verlag (Verlag Ursula Zöller) habe ich vor Jahren ein solches Buch veröffentlicht. Titel: „Deine Dich liebende … Briefe an Mutter Kirche“. Darin haben zB Christa Meves, Jutta Burggraf, Dorothe Erhard und etliche andere Frauen ihre Sicht auf die Rolle der Frau in der Kirche geschildert und klargemacht, warum sie ihre Kirche lieben.
    Und inzwischen gibt es die Neue katholische Frauenbewegung nkf, die jenen Frauen eine Stimme gibt, die sich weder durch das ZDK noch die offiziellen Frauenverbände vertreten fühlen. Unsere Seite: http://www.frauenundkirche.wordpress.com
    Dort kann man sich über uns informieren.
    Freundliche Grüße
    Ursula Zöller

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