Dienstag, 9. August 2022

Was ist die katholische Kirche?

Die Kirche ist der mystische Leib Christi (Pius XII., Enzyklika Mystici corporis). Ludwig Kösters SJ sagt im Lexikon für Theologie und Kirche, dass in der katholischen Terminologie „unter ‚Kirche‘ im eigentlichen Sinne nur die eine wahre Kirche Christi [verstanden wird], wobei die weitere Auffassung des Wortes die Christusgläubigen aller Zeiten umfasst: die ’streitende‘, ‚leidende‘, und ‚triumphierende‘ Kirche.“ Die engere Auffassung beschränkt sich auf die streitende Kirche des Neuen Bundes. Sie wird ganz oder teilweise als die ‚lehrende‘ und ‚hörende‘ Kirche bezeichnet.

Die katholische Kirche erhebt den Anspruch, „die einzige wahre Kirche Christi und die unfehlbare Lehrerin seiner Wahrheit zu sein“, wie Kösters weiter ausführt. Warum tut sie das? Weil, so Kösters, Gott diesen Anspruch „ständig bestätigt“ und weil sich ihr „Werden, Sein und Wirken“ bei Abwägung aller günstigen und ungünstigen Einflüsse, nicht natürlich erklären lässt.

Der Ursprung der Kirche liegt im dreifaltigen Gott. „Der ewige Vater hat in ewiger Liebe den Sohn gesandt, in der ewigen Zeugung und bei der zeitlichen Menschwerdung; kraft dieser Sendung und darum mit unbegrenzter Macht stiftet Christus die Kirche, die wie alles im Vater gründet; der Vater hat auch die Apostel gesandt, und den Heiligen Geist; dem Vater gebührt daher unser Dank. Der menschgewordene Gottessohn, der wahre und geschichtliche Jesus Christus, hat die Gründung vollzogen und ihr selbst wie die Kirche ausdrücklich lehrt, seine 3fache Gewalt zu heiligen, zu lehren und zu regieren unter seinem Stellvertreter, dem Nachfolger des heiligen Petrus, dem römischen Papste, verliehen.“ Die 3-fache Gewalt wird auch 3-faches Amt genannt.

Die amtliche Lehrverkündigung hat von Jesus die „äußere Unfehlbarkeit“ erhalten. Sie ist in der Identität mit seiner Sendung begründet und wird bestätigt durch Wunder und bezeugt von der Urkirche z.B. von Ignatius, Irenäus und Tertullian. Jesus überträgt seine Sendung uneingeschränkt den Aposteln, auch die Jurisdiktionsgewalt. Die Jurisdiktionsgewalt über das Apostelkollegium und damit über die ganze Kirche gab Jesus Petrus, dem ersten Papst. Die Vorzugsstellung Petri wird erklärt in Matthäus 16, 18 f, Lukas 22, 31 f, Johannes 21, 15 ff.

Jesus selbst hat die „sichtbare, religiöse Gesellschaft gegründet, unter hierarchischer (heiliger, d.h. von Gott kommender und zu Gott führender) und monarchischer Autorität die er seine Kirche nennen konnte und wirklich genannt hat.“ Die Sendung der Kirche erstreckt sich auf alle Menschen: „Das universelle Gottesreich, die Ämter, in denen diese Sendung weiterlebt und -wirkt, der Beistand Christi und das Wirken des Heiligen Geistes sollen dauern bis zum Ende der Zeiten, bis Christus ‚das Reich Gott dem Vater übergibt, … damit Gott sei alles in allem.'“

Die Kirche ist eine vollkommene Gesellschaft und keiner anderen Gesellschaft unterworfen. Sie hat aus eigenen Mitteln 3-fache Gewalt. Sie ist nach dem Willen Christi nur eine, weil er nur ein Lehramt für alle und einen Primat eingesetzt hat. Die Kirche Christi ist heilsnotwendig, weil Christus will, dass sich alle Menschen dem 3-fachen Amt unterwerfen.

Ausschließlich die katholische Kirche ist die Kirche Jesu Christi. Die katholische Kirche hat den Primat Petri, die katholische Theologie weist die Übereinstimmung des Lehrens und Lebens mit Christi Lehre nach und sie geht in gerader Linie auf die Urkirche zurück.

Die Kirche weißt nach dem Willen Christi vier Merkmale auf: 1. Sie ist einig wegen des unfehlbaren Lehramtes, der monarchisch auslaufenden Regierungs- u. der Weihegewalt. 2. Sie ist katholisch, d.h. universell, und über die ganze Erde verbreitet 3. Sie ist heilig und zwar in sich (Sendung Christi, Weihegewalt, Lehre und Kultus, Sakramente, Eucharistie), in ihren Gliedern und in Wundergaben. 4. Sie ist apostolisch, beruhend in Jesu Sendung der Apostel und Amtsübertragung durch sie auf ihre rechtmäßigen Nachfolger und im Primat. Nur die katholische Kirche hat alle vier Merkmale.

Die unveränderliche Kirche Christ ist kein starres Gebilde, sondern zeigt sich in der Geschichte als lebendiger Organismus. Aber darin ist kein Widerspruch, wie auch im Samenkorn der ganze Baum potentiell enthalten ist.

Bild: Christus übergibt Petrus den Schlüssel, Fresko von Pietro Perugino, 1481–82

Die Gemeinschaft der Kirche ist Rechts- und Liebeskirche zugleich. Jedes Amt soll die Erlöserliebe durch die Jahrhunderte tragen und verkörpern. Christus ist das „belebende und leitende, in seiner Menschheit wesensgleiche und engverbundene Haupt der Kirche, seines mystischen Leibes …“ Christus hat das Erlösungswerk seiner Kirche anvertraut. „Alle Gerechtfertigten durch Glauben und heiligmachende Gnade, welche der Heilige Geist wirkt in allen, die mit ehrlich gutem Willen die Liebe Gottes verbinden, [gehören] wenigstens zur Seele der Kirche und eben wegen ihres Willens wenigstens einschließlich dem Willen nach (in voto) auch zum Leibe der Kirche.“

Die Aufgabe der Kirche ist ausschließlich eine religiöse und übernatürliche. Ihr Zweck ist das Reich Gottes: „Als Sauerteig sucht sie allmählich trotz aller menschlichen Hemmungen und Spannungen die einzelnen Menschen und die menschlichen Gemeinschaften mit ihren übernatürlichen Kräften zu durchdringen. Tatsächlich hat sie sich bis in unsere Tage, wo sie die ‚letzte Zuflucht der Völker vor dem letzten, furchtbarsten Grauen‘ genannt wurde, um Recht und Sitte, Geistesbildung, Wissenschaft und Kunst, Familie und Frau, Zivilisation, wirtschaftliches und soziales Leben unvergängliche Verdienste erworben.“

Der Katechismus der katholischen Kirche unterstreicht ebenfalls die Notwendigkeit im Herzen in der katholischen Kirche zu verbleiben (Nr. 837): „‚Nicht gerettet wird jedoch, auch wenn er der Kirche eingegliedert wird, wer, in der Liebe nicht verharrend, im Schoße der Kirche zwar ‚dem Leibe‘, aber nicht ‚dem Herzen‘ nach verbleibt‘ (LG 14).“

Warum wir mit dem ganzen Herzen in der Kirche sein sollen hat vor allem Anna Katharina Emmerick poetisch ausgedrückt: „Ich sah nun in Bildern das Geheimnis der Erlösung als Verheißung bis herab zur Fülle der Zeit und sah auch Bilder der Gegenwirkung. Zuletzt sah ich über dem leuchtenden Felsen eine große herrliche Kirche, die eine heilige katholische und apostolische Kirche, welche das Heil aller Welt lebendig in sich trägt.“

Quellen:

Pius XII. Enzykiika „Mystici corporis“, online auf: https://www.vatican.va/content/pius-xii/de/encyclicals/documents/hf_p-xii_enc_29061943_mystici-corporis-christi.html

Katechismus der katholischen Kirche, online auf: https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P2E.HTM

Zitate, soweit nicht anders angegeben: Ludwig Köster SJ, Kirche, in: LThK 5 (1933), Sp. 968-981.

Zitate von Anna Katharina Emmerick: https://www.thecathwalk.de/2021/01/01/schoepfung-und-suendenfall-nach-den-visionen-von-anna-katharina-emmerick/

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

1 Kommentar

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Hat Ihnen der Artikel gefallen?

Mit Ihrer Spende können Sie dafür sorgen, dass es noch mehr davon gibt:

Neueste Artikel

Meistgelesen