Montag, 4. März 2024

Der heilige Pius X. über die Feinde der Kirche

Vor mehr als 125 Jahren, nämlich am 8. September 1907, veröffentlichte ein großer Papst und Heiliger die Enzyklika „Pascendi Dominici gregis“, ein Manifest gegen den Modernismus. Wer heute in den heutigen turbulenten Zeiten von Kirche und Welt sich von innen her stärken möchte, dem sei die Lektüre der energischen, unmissverständlichen Weisungen von Papst Pius X. ans Herz gelegt.

Mit brennender Sorge spricht der treue Hirte seines Volkes über die Zunahme der „Feinde des Kreuzes Christi“, welche die „Lebenskraft der Kirche“ brechen wollen. Ist die Kirche, so fragen auch wir uns, von der Gottlosigkeit der Welt bedroht? Oder fühlen sich – damals und heute – nicht gläubige Katholiken mitten in der Kirche wie vereinsamt, verlassen und verloren? So viele treue Gläubige wünschen sich Klarheit und klärende Worte von ihren Bischöfen, vom Lehramt der Kirche. So viele treue Gläubige bezeugen aber nur eine wachsende Verwirrung. Pius X. spricht über Modernisten, Verräter am Glauben der Kirche, und schreibt: „Sie lauern bereits im Inneren der Kirche selbst, wörtlich gesprochen, am Busen und im Schoße der Kirche. Sie sind um so gefährlicher, je weniger sie bekannt sind. Ehrwürdige Brüder, Wir sind der Meinung, daß sich viele aus der katholischen Welt der Laien und – noch viel schlimmer – sogar aus den Reihen des Klerus, die sich unter dem Deckmantel der Liebe zur Kirche verstecken, ohne Grundlage einer soliden Philosophie und Theologie, vergiftet durch falsche Lehren, die sie aus dem Munde der Feinde zu hören bekamen, und jede Bescheidenheit beiseite rückend als Reformatoren der Kirche aufspielen. Kühn versammeln sie sich in ihren Reihen, greifen das Heiligste des Werkes Christi an und verschonen dabei nicht einmal die göttliche Person des Erlösers selbst, den sie mit blasphemischer Frechheit zu einem armseligen Menschen herabwürdigen.“ Die Verhöhnung des Herrn reicht also weit in die Kirche hinein – und spiegelt sich auch in theologisch genannten Irrlehren wider. Pius X. sagt, Gestalten wie diese wären erstaunt, wenn sie zu den „Feinden der Kirche“ gezählt würden. Gott würde über sie richten – so wie über uns alle. Weiter schreibt der Papst: „Es entspricht absolut der Wahrheit, daß sie schlimmer sind als alle anderen Feinde der Kirche. Wie bereits erwähnt, schmieden sie ihre Pläne, die Kirche ins Verderben zu stürzen, nicht nur außerhalb, sondern auch im Inneren der Kirche. Im Blute der Kirche, in ihrem tiefsten Inneren, hat sich diese Gefahr festgesetzt. Deshalb wird ein Schaden für die Kirche um so sicherer, je genauer sie die Kirche kennen. Dazu kommt noch, daß sie nicht nur an die Äste und Zweige, sondern tief an die Wurzel ihre Hand legen: an den Glauben und an die tiefsten Fasern des Glaubens. Ist aber diese Wurzel des Lebens einmal getroffen, dann werden sie das Gift in dem ganzen Baum verbreiten. An der katholischen Wahrheit werden sie kein Stück unberührt oder unverdreht lassen. Sie kennen viele tausend Arten, um Schaden anzurichten.“

Die Feinde der Kirche agierten „äußerst gewandt und schlau“, mitunter träten sie als Rationalisten auf, oder auch als weltlich geschmeidige Zeitgenossen, die sich noch Katholiken nennen und auf eine listige Art und Weise „jeden harmlos Denkenden mit Leichtigkeit zu ihrem Irrtum bekehren“ wollen und können: „Auch läßt ihre Verwegenheit sie vor keinen Konsequenzen zurückschrecken. … Mit ihren Fachstudien sind sie schließlich an einem Punkt angekommen, an dem sie keine Autorität mehr anerkennen und sich keine Beschäftigungen mehr gefallen lassen wollen. Auf diese Weise haben sie ihr eigenes Gewissen getäuscht und möchten das Wahrheitsdrang nennen. In Wirklichkeit handelt es sich dabei nur um Stolz und Hartnäckigkeit.“ Alle möglichen Neuerungen wollen sie aufbringen und eine neue Ordnung in der Kirche etablieren: „Je kühner jemand das Althergebrachte umstößt, die Überlieferung und die kirchliche Lehre von sich weist, desto gelehrter gilt er.“

Pius X. sieht den katholischen Glauben selbst gefährdet, durch jene Modernisten, die „ihre Lehren nicht systematisch und einheitlich, sondern stets nur vereinzelt und ohne Zusammenhang vorzutragen“. Vielleicht sprechen sie – damals und heute – von der Weiterentwicklung der Lehre, vielleicht möchten sie ein paar Dogmen entsorgen und eine neue Kirche erfinden, versöhnt mit den Wissenschaften dieser Welt: „Dadurch erwecken sie den Anschein des Suchens und Tastens, während sie davon fest und entschieden überzeugt sind.“ Wer aber nun gehört zu den Modernisten? Pius X. benennt die Rollenspiele der Feinde der Kirche. Ein Modernist spiele oft mehrere Rollen in einer Person, als Philosoph, Gläubiger, Theologe, Historiker, Kritiker, Apologet und Reformator.

Der Feind der Kirche täuscht geschickt, er argumentiert, wirkt souverän und kundig, aber es mangelt ihm an Verwurzelung im Glauben der Kirche aller Zeiten und Orte. Er predigt neue Wege, aber nicht Bekehrung. Statt der Erneuerung des Glaubens zeigt er Wege zur Apostasie auf, die dann gefällig präsentiert werden – als neues, systemrelevantes Kulturchristentum, als deutschsynodale Fantasien oder als ein buntes Gemisch aus allen möglichen Weisheitslehren. Wer nun aber römisch-katholisch bleibt und nicht vom Glauben der Kirche abrücken möchte, der wird belächelt, verhöhnt und für konservativ oder gar für reaktionär erklärt. Pius X. schreibt: „Um die mystische Braut Christi des wahren Lichtes der Verachtung und dem Haß preiszugeben, haben die Kinder der Finsternis sich angewöhnt, ihr öffentlich wahnwitzige Verleumdungen entgegenzuschleudern, indem sie den Sinn und die Bedeutung der Tatsache sowie auch die Worte verdrehen, sie eine Freundin der Finsternis, eine Förderin der Unwissenheit und eine Feindin der Klarheit und des Fortschrittes der Wissenschaften nennen. Bei dieser Lage der Dinge ist es nicht verwunderlich, wenn die Modernisten den Katholiken, die entschieden für die Kirche eintreten, ihren ganzen Groll und Unwillen fühlen lassen. Ihnen wird keine Art von Beleidigungen erspart.“

Was lässt sich mit Blick auf unsere Zeit dazu sagen? Katholiken, die Schrift und Tradition verbunden sind, und treu zum Evangelium Jesu Christi stehen, werden die Passionsgemeinschaft mit dem Herrn auf besondere Weise erfahren können. Das ist kein einfacher, aber ein notwendiger Weg. Tröstlich bleibt, dass das letzte Wort in allem und über alle der Herr selbst haben wird, auch über die Feinde der Kirche zu allen Zeiten – und in gleicher Weise auch über alle richten wird, die längst nicht mehr mit dem Jüngsten Gericht rechnen. Vergessen wir darum nie: Das Beste kommt noch … – Christus vincit, Christus regnat, Christus imperat. Zugleich dürfen gläubige Katholiken heute beten: Heiliger Pius X., Schützer des Glaubens, bitte für uns!

1 Kommentar

  1. Ich habe diesen Artikel mit großem Vergnügen gelesen. Tröstlich und erschreckend zugleich, was Pius X. gesagt hat – und heute aktueller denn je!

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