Montag, 4. März 2024

Der Sinn der Glaubens- und Kirchenkrise

„Die fetten Jahre sind vorbei“, hieß ein Film aus dem Jahr 2004. Für den Glauben gilt dasselbe, ebenso für den Zustand der Kirche. Das ist keine neue Situation, aber sie nimmt mehr Fahrt auf. Ich weiß noch, dass ich um 2010 im Priesterseminar von Münster nicht selten aus dem Fenster schaute und den Dom ansah. Gerade war die Missbrauchskrise da. Auch wurde immer deutlicher, dass der Zölibat nicht nur ein Charisma war, das aus Christusnachfolge angestrebt wurde, sondern viel zu oft auch ein Versteckspiel vor Homosexualität. Im Seminar ging man täglich am Fensterbild von Karl Borromaeus vorbei. Angesichts der massiven Krisen kommt man nicht darum herum, sich zu fragen, ob man heute noch so glauben kann, ob heute noch so geglaubt wird?

Die Wirkmacht Gottes wird im Religionsunterricht und in dem, was man „Theologiestudium“ nennt, heruntergespielt. Wenn es noch um Gott geht, dann um das Absurde daran, um das Leiden und den Menschen. Das moderne Christentum erinnert an das, was Albert Camus in „Der Mythos des Sisyphos“ schreibt: „auch der absurde Mensch hat seine Nächte von Gethsemane.“

Joseph Ratzinger schrieb in „Einführung in das Christentum“ (1968): „[Der Theologe] wird in seinen Clownsgewändern aus dem Mittelalter oder aus welcher Vergangenheit auch immer gar nicht ernstgenommen. Er kann sagen, was er will, er ist gleichsam etikettiert und eingeordnet durch seine Rolle. Wie er sich auch gebärdet und den Ernstfall darzustellen versucht, man weiß immer im Voraus schon, dass er eben – ein Clown ist.“

Der Theologieprofessor Bernhard Welte konstatierte in „Auf der Spur des Ewigen“: „Wir leben in der Stunde, in der alle Glaubensentwürfe an ihr Ende gekommen sind und wir das große Ende, das Schweigen und Dunkel bestehen müssen.“

Es ist tatsächlich so, dass das Christentum als gesellschaftsprägende Kraft zu Ende ist. Nicht erst seit heute, nicht erst seit gestern, sondern seit langer Zeit. Nietzsches Poesie bringt es auf den Punkt: „Christentum als Altertum … wie schauerlich weht uns dies alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit an! Sollte man glauben, daß so etwas noch geglaubt wird?

Es werden noch viele Kirchen geschlossen, viele Priester ihr Amt aufgeben und viele Skandale bekannt werden. Das alles ist aber Teil der Vorsehung Gottes.

Worum geht es? Ich glaube, dass es um die Wiederherstellung der Schönheit und Ordnung Gottes geht. Wir sind gleichgültig und bequem geworden und weder unsere Anstrengung noch guter Wille können das wieder umkehren.

Gott ist treu. Er wird es tun. Die Krise wird gewaltig werden aber danach wird die Kirche schöner und mächtiger auferstehen als jemals zuvor. Wir müssen vollständig Gott vertrauen, alles abwerfen, was Halbherzigkeiten und Absicherungen sind. Wir müssen wieder lernen, zu glühen. Gott macht alles neu.

1 Kommentar

  1. Was für eine wunderbare Formulierung: „Ich glaube, dass es um die Wiederherstellung der Schönheit und Ordnung Gottes geht.“ Wenn wir vor einer Rieseneiche stehen, dann bewundern wir den mächtigen Stamm, die weit ausgedehnten Äste, die hohe Krone, den Reichtum seines Laubwerks und seine reiche Frucht, und staunen, wie aus einem kleinen Kern ein so prachtvoller Baum hervorsprossen konnte. Aber noch weit majestätischer erscheint der zweitausendjährige Baum der katholischen Kirche. Nichts in der Welt kann mit ihrer Kraft und Schönheit, ihrem Wachstum und ihrer Fruchtbarkeit verglichen werden. Danke für diesen Beitrag.

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