Montag, 4. März 2024

Pius X.: Erneuerung in Christus

Am 4. Oktober 1903 veröffentlichte der heilige Papst Pius X. seine Antrittsenzyklika „E supremi apostolatus“, die in deutscher Sprache mit „Über die Wiederherstellung aller Dinge in Christus“[1] überschrieben ist – ein passender Titel, eine mahnende, dringliche Botschaft, die auch in unsere Zeit hineinspricht. Wahre Erneuerung schenkt allein Christus, niemand sonst, nichts anderes. 

Pius X. spricht von der „Ergebung in den Willen Gottes“. Damit bezeichnet er seine eigene Zustimmung zur Papstwahl und nennt dieses Amt eine „furchtbare Bürde“. Er empfand sich als unwürdig, als Nachfolger von Leo XIII. das Schifflein Petri zu steuern und benennt auch die Zeitumstände, die bedrohliche gesellschaftliche Situation der Entfremdung von Gott: „Es ist ja allen bekannt, dass die menschliche Gesellschaft heute an einer schweren, tiefeingesessenen Krankheit leidet, wie sie die früheren Zeiten nicht gekannt haben. Tag für Tag wächst dieselbe und schleppt ihre Opfer in gänzlicher Zerrüttung dem Untergange zu. Ihr wisst, Ehrwürdige Brüder, welches diese Krankheit ist. Der Abfall, die Trennung von Gott, dieser engste Bundesgenosse des Verderbens.“ Doch er fügte sich dem Willen Gottes und nahm – und die treuen Gläubigen danken es dem großen heiligen Papst bis heute – die Wahl zum Diener der Diener Christi an: „Im Vertrauen auf Gottes Kraft legen Wir Hand ans Werk und erklären, dass das leitende Ziel Unseres päpstlichen Waltens das ist: „in Christus alles zu erneuern“.“ Dieses Wort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser machte sich Pius X. zu eigen, um einzig „Diener Gottes“ zu sein: „Gottes Sache ist Unsere Sache, ihr gehören Unsere Kräfte, für sie setzen Wir selbst Unser Leben ein. Wenn daher jemand von Uns einen Wahlspruch verlangt, der die Ziele Unseres Innern offenbart, so werden Wir Uns immer zu dem einen bekennen: „Alles zu erneuern in Christus“.“ In der Welt herrsche ein „Krieg gegen Gott“ – und dieser Krieg reicht, auch heute, weit in die Kirche hinein. Die Entfremdung vom Evangelium wird bezeugt, nicht die Frohe Botschaft. Viele Menschen machen sich auch heute gemein mit jenen, die nicht mehr ernsthaft mit Gott rechnen. In vielen Menschen sei, so Pius X., die „Ehrfurcht vor dem lebendigen Gott gänzlich ertötet“. Er stellt fest: „Man kümmert sich in den Vorkehrungen des öffentlichen und privaten Lebens nicht um den höchsten Herrn. Ja man spart keine Kraft und versäumt kein Mittel, um die Erinnerung an Gott und die Kenntnis von ihm gänzlich zu verwischen.“

Die Vorboten für das „Ende der Zeiten“ sei die „Verderbnis der Herzen“: „Wird doch überall mit solcher Verwegenheit und solchem Ungestüm versucht, die Ehrfurcht vor der Religion zu erschüttern, und die Beweisführung für die geoffenbarten Glaubenswahrheit bekämpft und auf die völlige Aufhebung jeder pflichtmäßigen Beziehung des Menschen zu Gott mit aller Kraft hingearbeitet. Anderseits – und das ist nach demselben Apostelwort das Merkmal des Antichrists – stellt der Mensch in größter Vermessenheit sich an die Stelle Gottes und erhebt sich „über alles, was Gott genannt wird“. Wohl kann er den Gedanken an Gott nicht gänzlich in sich austilgen, doch treibt er die Überhebung so weit, dessen Hoheit zu verleugnen und sich selbst diese sichtbare Welt wie als Tempel zu weihen, um sich von den andern anbeten zu lassen.“

Wer wollte bei diesen Mahnworten nicht an unsere Zeiten denken? Der Mensch erhebt sich selbst zum Maßstab, widersetzt sich dem Naturrecht und kehrt sich ab von Gott. Übrig bleibt ein gefälliges Kulturchristentum. In der Kirchenprovinz Deutschland werden Meinungen aus der Soziologie und den sogenannten Humanwissenschaften, die von Michel Foucault inspiriert sind, wie Offenbarungen vorgetragen. Der Unglaube triumphierte auf dem deutschen Synodalen Weg und wurde in vielen Medien gefeiert. Wer sich von Gott emanzipiert, gilt als aufgeklärt und modern. Doch Pius X. sagte deutlich an die Adressaten seiner Zeit und auch zu uns heute: „Welches der Ausgang dieses Kampfes der Sterblichen wider Gott sein wird, darüber kann allerdings kein Einsichtiger in Zweifel sein. Gott lässt den Menschen wohl seine Freiheit missbrauchen und Recht und Ehre des Schöpfers aller Dinge antasten, der Sieg aber ist immer auf seiner Seite. Die Niederlage der Menschen rückt nur umso näher, je frecher sie in stolzer Siegeshoffnung sich auflehnen.“ In einer gottlosen Welt herrscht Unfriede – in der Ukraine, im Heiligen Land, in Syrien, in vielen Ländern der Erde. Wir bezeugen dies gegenwärtig vielerorts. Pius X. erklärt: „Die Sehnsucht nach Frieden bewegt wahrlich jede Menschenbrust, und alle rufen angelegentlich nach ihm. Doch wo Gott verworfen wird, sucht man vergeblich nach Frieden; denn wo kein Gott ist, da hat auch die Gerechtigkeit keine Stätte, und wo keine Gerechtigkeit ist, ist die Hoffnung auf Frieden umsonst.“

Pius X. verwirft alle Organisationen und „Ordnungsparteien“, die sich selbst als Friedensbringer ansehen. Es gebe nur eine Gemeinschaft, die Frieden bringen könne, die „Partei der Anhänger Gottes“. Somit sollen die Hirten und die Gläubigen leidenschaftlich für die Evangelisierung eintreten, gestern und heute. Entscheidend sei der „Gehorsam gegen Gott“: „Es muss demgemäß unsere Sorge sein, das Menschengeschlecht Christus untertan zu machen. Ist das gelungen, dann ist es auch schon zu Gott zurückgekehrt.“ Die Menschen sollten zum „kirchlichen Geist“ zurückkehren: „Wo nun uns der Weg zu Christus sich öffnet, ist klar erkennbar, nämlich in der Kirche.“ So erkennt der heilige Pius X. den Auftrag der Kirche: „Wir müssen die menschliche Gesellschaft, welche den Pfad der Weisheit Christi verloren hat, zum kirchlichen Geist zurückzuführen. Die Kirche wird sie Christus unterwerfen, Christus aber Gott. Wenn wir das mit Gottes Gnade erreichen, dann werden wir uns freudig sagen dürfen, dass die Bosheit der Gerechtigkeit Platz gemacht hat.“ Nötig sei die „Ausrottung des ungeheuerlichen und verabscheuungswürdigen Frevels unserer Zeit“, dies sei die „Selbsterhebung des Menschen als Gott“. Die päpstliche Weisung lautet weiterhin: „Ferner muss den heiligen Satzungen und Räten des Evangeliums die alte Würde zurückgegeben und die kirchlich überlieferte Wahrheit, die Lehre von der Heiligkeit der Ehe…“

Das Licht des Glaubens soll neu aufstrahlen in der Welt. Sogar in den „gebildeten Ständen“ herrsche der Irrtum vor und ein „Darniederliegen des Glaubens“: „Kein Fortschritt der Wissenschaft werde als Gefahr für das Glaubenslicht betrachtet, sondern vielmehr der Mangel an Kenntnissen; je größer deshalb irgendwo die Unwissenheit ist, desto weiter greift der offene Abfall vom Glauben um sich.“ Pius X. wirbt aber nicht für ein „strengeres Auftreten“, um die Herzen für Gott zu gewinnen, sondern für ein sanftmütiges, gläubiges und aufrichtiges Zeugnis: „Sollen wir nicht hoffen, dass die Flamme christlicher Liebe von ihren Seelen die Finsternis vertreiben und Gottes Licht und Frieden ihnen bringen werde? Die Frucht unserer Arbeit wird vielleicht manchmal lange auf sich warten lassen. Doch Liebe wird durch Aufschub niemals ermüdet; sie weiß, dass der Lohn von Gott nicht den Früchten unserer Mühen, sondern dem guten Willen verheißen ist.“

Schließlich charakterisiert Pius X. eine Vision der wahren „Erneuerung in Christus“: „Wahrlich, wenn in allen Städten und Dörfern die Gebote Gottes treu beobachtet werden, wenn man das Heilige ehrt, die Sakramente oft empfängt und alles beobachtet, was zu christlichen Lebensweise gehört, dann wird zur Erneuerung in Christus fast nichts mehr fehlen.“ Die Worte des großen Papstes mögen uns auch heute Orientierung und Wegweisung schenken. Heiliger Pius X., bitte für uns!


[1] Rundschreiben unseres Heiligen Vaters Pius X., Autorisierte Ausgabe, Erste Sammlung 1909, Lateinischer und deutscher Text, S. 1-27.

1 Kommentar

  1. Schöner Artikel, der aber zu kurz greift, m.E.
    Der Unfriede, der erwähnt wird in der Ukraine, zB.
    Es gibt keine unfriedlichere Gesellschaft, wie in der westlichen Welt.
    Abtreibung, Euthanasie auf dem Vormarsch, pränatale Diagnostik, künstliche Befruchtung, eine Medizin, die den Menschen als Menschen nicht mehr kennt, Altenheime, in denen untragbar Zustände herrschen, Pflegende, die die ihnen anvertrauten Menschen wie den letzten Dreck behandeln (selbst erlebt), für kriminelles Handeln kaum noch Strafen, allem voran in den Kirchen, Schönheitswahn, Jugendwahn, Kinderfeindlichkeit, LBGQTplus, Korruption schlimmer als in einer Bananenrepublik, Rufschädigung, regierungshörige Presse….wo ist da Frieden?

    Jesus hat uns nie die perfekte Welt auf Erden versprochen, wenn wir an IHN glauben, im Gegenteil…

    Genau deshalb ist es am wichtigsten, was Pius X schreibt:

    Sanft und gehorsam Zeugnis für IHN zu sein…
    Liebe und Frieden im eigenen Herzen haben.

    Der Heilige Seraphim von Sarow hat gesagt:

    „Erlange den inneren Frieden und Tausende um dich herum werden das Heil finden.“

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