Mein Besuch bei Pater Pio

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Unzählige Wunder, die Wundmale Jesu, der Bau eines Krankenhauses … Will man die Werke Pater Pios aufzählen, man kommt an kein Ende. Pater Pio ist der größte Heilige des 20. Jahrhunderts. Der Kapuziner hat aus San Giovanni Rotondo eine blühende Stadt gemacht – und in ganz Europa und der weiten Welt Menschen bekehrt, geheilt und ermahnt.

1968 starb Pater Pio, nicht aber sein Wirken: „Glaubt ihr nicht, dass ich nach dem Tode noch mehr für euch tun könnte? Ich werde nach meinem Tode mehr Lärm machen, als während meines Lebens!“ Daher war es höchste Zeit für mich, auch nach San Giovanni Rotondo zu reisen und mit eigenen Augen zu sehen, wo der Heilige gelebt und gewirkt hat. Am 2. August fuhr ich von Rom über Foggia nach San Giovanni Rotondo. Hotels in Klosternähe gibt es genug. Pater Pio hat längst Kultstatus erreicht und zwischen Party, Wein und Gebetsstimmung liegt das Kloster am Berg Süditaliens. Das Klima ist rau, windig und wechselhaft. Tagsüber brennt die Sonne, abends friert man. Die herbe Stimmung des Paters passt perfekt zum Garganogebirge, einer Landschaft, in der bereits der heilige Erzengel Michael erschienen ist.

Die Kapuziner haben vor wenigen Jahren eine neue große Kapelle gebaut, in der Pater Pio aufgebart ist. Durch Plexiglas kann man seine Leichnam sehen. Ein kleiner Mönch mit sanftem Blick liegt dort vor einem: gütig, demütig, mild. Nichts erinnert an die Strenge, mit der er einigen bei der Beichte nicht nur das Fürchten lehren, sondern auch Tränen in die Augen treiben konnte. Nahm jemand die Sünden nicht ernst genug oder war unbußwillig, konnte der Pater ungemütlich werden. Er ging dann vor wie ein Arzt: schlimme Krankheiten heilen durch strenge Methoden. Heute empören sich viele darüber. Aber was soll daran falsch sein, wenn die Seele dadurch gerettet wird? Hatte Pater Pio keinen Grund zur Härte, war er sanft und demütig. Er hatte die Seelenschau und konnte ins Herz sehen – und daher jeden so behandeln, wie es für sein Seelenheil am besten war.

Das alte Kloster kann man ebenfalls besuchen. Es dient nun vor allem als Museum. Pater Pios Zelle, den Klausurgang und die alte Kapelle kann man auf sich wirken lassen. Arm und fromm wirkt das Kloster auf den Besucher. Maria della Grazia – Maria von der Gnade heißt die Kloster-Kapelle, in der Pater Pio Messe feierte. 1959 gab es einen Neubau. Sie ist noch ganz im alten, traditionellen Stil gebaut und passt perfekt zum einfachen Kloster und zur geistlichen Tiefe dieses Ortes.

Beeindruckend ist auch das Krankenhaus, das Pater Pio gebaut hat. Es ist seine größte materielle Hinterlassenschaft an San Giovanni Rotondo. Direkt neben dem Kloster ragt ein Riese aus Stein empor. Das Krankenhaus: „Casa Sollievo della Sofferenza“ ist ein Wunder. Wieso dort, wieso so groß, wie kann ein Mönch so viele Spenden sammeln? Allein die göttliche Vorsehung weiß das zu beantworten.

Beichten kann man heute auch noch im Kloster von San Giovanni Rotondo, auch auf Deutsch. Die Kapuziner kopieren aber nicht Pater Pio, sondern hören die Beichte in allgemeiner kapuzinischer Tradition. Hier mag Pater Pio insofern segnend wirken, als dass im Kloster der deutsche Modernismus, der Sünde in die Vergangenheit verbannt („früher war das so“) nicht wütet.

Negativ wirkte auf mich die kommerzielle Ausschlachtung Pater Pios. Wie im italienischen Pater Pio-Film mit Sergio Castellitto, in dem Pater Pio die Devotionalien-Händler wütend vertreibt, so möchte man auch heute die Händler aus dem Tempel verbannen. Die Krönung des Kommerzes ist erreicht, wenn die Priester an ihren Ständen die gekauften Statuen segnen.

Was in Erinnerung bleibt, ist sie Stimmung des Ortes, das gewaltige Krankenhaus und der gütige und liebe Blick Pater Pios. Er ein ein Leben lang für andere gelitten. Die Bekehrungen bleiben, das Krankenhaus bleibt und jede Menge Dankbarkeit für seinen Beitrag zum Heil der Seelen.

Der gekreuzigte Pater: Pio von Pietrelcina

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