Athen: Philosophie und Physik des Abendlandes

Athen: Philosophie und Physik des Abendlandes

Teil 1 der neuen Cathwalk-Serie: Athen, Jerusalem, Rom: Die große Geschichte des Abendlandes

„Für diesen Logos aber, obgleich er ewig ist, gewinnen die Menschen kein Verständnis, weder ehe sie ihn vernommen noch sobald sie ihn vernommen. Alles geschieht nach diesem Logos, und doch gebärden sie sich wie Unerprobte, so oft sie es probieren mit solchen Worten und Werken, wie ich sie künde, ein jegliches nach seiner Natur zerlegend und deutend, wie sich’s damit verhält.“

Das schrieb der griechische Philosoph Heraklit vor zweieinhalbtausend Jahre nieder. Er ist der Begründer der Logos-Philosophie. Der griechische Begriff Logos (λόγος) bedeutet mehr als einfach nur „Wort“. Es geht um eine Weltordnung, die auf Vernunft und Ewigkeit beruht.

Der Begriff Logos war in der damaligen hellenistisch geprägten Welt weit verbreitet. Platon verwendet ihn – und Aristoteles. Er steht auch am Anfang des Johannesevangeliums und wird auf Christus bezogen:

„1 Im Anfang war der Logos und der Logos war bei Gott und der Logos war Gott. 2 Dieses war im Anfang bei Gott. 3 Alles ist durch den Logos geworden und ohne ihn wurde nichts, was geworden ist … 14 Und der Logos ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit geschaut, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit“ (Joh. 1-3, 14).

Die große Neuheit des Christentums ist der inkarnatorische Gedanke: Der Logos wird Fleisch, Mensch, greifbar in Jesus Christus. Darüber wird im Teil über Jerusalem weiter eingegangen.

Die Schule von Athen | Raphael / Public domain

Athen steht aber nicht nur für Philosophie, sondern auch für Naturwissenschaft. Nicht umsonst sind Mathematik und Physik griechische Wörter. Ihre wichtigsten Entdecker kennt man bis heute: Thales, Pythagoras, Hippokrates und Aristoteles. Im Alten Griechenland waren die Disziplinen weniger getrennt als heute.

Aristoteles ist noch vor Platon der bedeutendste der griechischen Philosophen. Er wurde im Islam und später von den Theologen des Mittelalters neu entdeckt. Die aristotelische Philosophie beruht auf Logik und empirischer Überprüfbarkeit. Seine Philosophie ist systematisch und beruht auf Kategorien. Vor allem das objektive Denken von Identität und Widerspruch ist für ihn kennzeichnend: Es kann nicht etwas sein und gleichzeitig nicht sein.

Der größte katholische Theologe: Thomas von Aquin verwendet die aristotelische Philosophie für die scholastische Methode. Leo XIII. schrieb diese Methode gegen Ende des 19. Jahrhunderts für die Theologie fest (Enzyklika Aeterni patis von 1879). Es gab vom Mittelalter bis in die jüngste Vergangenheit keine Methode, die die (katholische) Theologie mehr geprägt hat als die scholastische. Ohne Athen gäbe es keine Mathematik und keine klassische Theologie.

Die Postmoderne unserer Zeit hat sich von diesem Erbe verabschiedet und damit auch von Logik und Vernunft. Deutlich wird dies am Konstruktivismus und Nonkognitivismus. Es gibt eine Skepsis gegenüber objektiven Wahrheitskriterien und stattdessen eine Hinwendung zu subjektiven, „gefühlten“ Dingen. Man sieht dies bei den Gender-Ideologien, der zeitgenössischen „Theologie“ und Philosophie. Das diese Phänomene ohne Zukunft sind, braucht keiner Erklärung. Der Schaden, den sie anrichten, ist dennoch enorm.

Wir brauchen wieder mehr Athen. Ohne Athen kann das Abendland nicht bestehen.

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