Montag, 4. März 2024

Warum sich über Franziskus ärgern, aber nicht über Paul VI. oder Johannes Paul II.?

Aktualisiert am 3. Oktober 2023

Es ist ein Phänomen in katholischen Kreisen: Während Papst Franziskus kritisch gesehen wird, hält man seine Vorgänger in Ehren, besonders Johannes Paul II. Aber ist das gerechtfertigt? Ich meine, dass Franziskus in der „Tradition“ der Päpste seit dem Konzil steht und nur konsequenter vorgeht. Wer Franziskus kritisiert, sollte den ganzen Weg zurückgehen, bis zu den Grundlagen unserer aktuellen Kirchenkrise: zum Modernismus und dem Zweiten Vatikanischen Konzil.

Modernismus bedeutet in einem Satz, dass der Glaube keine objektive Wahrheit ist, sondern nur eine subjektive Motivation, ein Gefühl, eine Lebenshilfe, ein „Dienst am Menschen“, eine Art Humanismus. Ein Modernist nennt sich „katholisch“ ohne ein einziges Dogma im eigentlichen Sinne zu glauben. Aber er selbst sagt, er leugne ja nichts, sondern verstehe es nur „neu“, (lat.: „modern“), „im Einklang mit der Wissenschaft.“

Auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil und in den anschließenden Reformen wurde der Traditionsbruch vollzogen. Nur einige wenige Beispiele: Paul VI. hat im klaren Bruch zur Tradition und im Widerspruch zu Aussagen von Pius XII., Pius XI., Pius X., Leo XIII. Pius IX. usw. Religionsfreiheit zum Prinzip erhoben und gutgeheißen, indem er 1965 das Konzilsdokument „Dignitistis humanae“ approbierte. Das war der große Angriff auf das soziale Königtum Christi und auf die Mission, weil jetzt das Gewissen gleichsam als Rechtfertigung gegen die objektive Wahrheit des Glaubens herangezogen werden konnte. Im Grunde sind das liberale Grundsätze, die eine Skepsis gegenüber der Erkennbarkeit der Wahrheit hegen oder den subjektiven Willen des Menschen über die objektive Ordnung Gottes stellen und deshalb von „Freiheit“ sprechen, statt von Wahrheit. Das eigenartige ist, dass sich der Papst, Paul VI. und seine Nachfolger in Fragen der Religion wie Liberale verhielten, statt den Liberalismus wie alle bisherigen Päpste zu verurteilen.

Nach dem Konzil folgten aus der Religionsfreiheit praktische Konsequenzen. Päpstliche Nuntien verlangten im Auftrag des Heiligen Stuhls, dass Staaten, in denen die katholische Religion als einzig wahre anerkannt wurde, ihre Verfassung ändern sollen. So geschah es u.a. in Kolumbien und Spanien.

Auf der Grundlage von Erzbischof Bugninis Vorlage wurde 1969 eine Neue Messe eingeführt und auch alle weiteren Sakramente geändert. Paul VI. hat den Taufritus geändert, den Firmritus, die Weiheriten, die Niederen Weihen „abgeschafft“ und, und, und. Er erlaubte die Handkommunion, die Einführung von Volksaltären und schaffte den Liturgischen Kalender komplett neu. Plötzlich gab es „Jahreskreise“ statt Sonntage nach Pfingsten, Ostern oder Weihnachten.

Aber erst Franziskus soll ein Problem sein?

Es geht noch weiter: Papst Johannes Paul II. küsste den Koran, traf sich mit heidnischen Vertretern 1986 in Assisi, ließ es zu, dass eine Götzenstatue auf den Tabernakel gestellt wurde, predigte mehr über interreligiöses Miteinander und „Ökumene“ als über Mission und tolerierte allerhand Skandale im Vatikan und der Weltkirche. Im Heiligspechungsverfahren schaffte er den „advocatus diaboli“ ab und veränderte es so, dass nahezu jeder heiliggesprochen werden kann. Das ist kein Zufall. Wenn Johannes Dörmann Recht hat, hat Johannes Paul II. bereits als Professor in Polen mit der „philosophia perennis“ gebrochen und sich der Phänomenologie und Existenzphilosophie zugewandt. Schlussenendlich resümiert Dörmann, dass Johannes Paul II. eine Theologie der Allerlösung vertreten habe. Das hieße, dass hier ein veränderter Glaube vorliegt, eine Irrlehre. Ob Johannes Paul II. aber tatsächlich die Irrlehre der Allerlösung vertreten hat, ist nicht ganz klar. Dass es aber Äußerungen in diese Richtungen gibt und dass die interreligiösen und ökumenischen Treffen dahin tendieren, kann man nicht leugnen.

Die Lehre über die Hölle wird im „Handbruch der katholischen Dogmatik“ von Ludwig Ott auf den Punkt gebracht: „Die Seelen derer, die im Zustand der persönlichen schweren Sünde sterben, gehen in die Hölle ein. De fide.“ Dass es eine Hölle gibt und sie nicht leer ist, ist immer Lehre der Kirche gewesen.

Die Grundlagen zu neuen Lehren wurden auf dem Konzil gelegt, mit dem „anthropozentrischen Offenbarungsbegriff“ in „Gaudium et Spes“ (GS). Jetzt steht der der Mensch im Mittelpunkt, nicht mehr Gott. Wörtlich heißt es in GS: „Der Mensch also, der eine und ganze Mensch, mit Leib und Seele, Herz und Gewissen, Vernunft und Willen steht im Mittelpunkt unserer Ausführungen.“

Diese Änderungen und Brüche müssen wir sehen, wenn wir verstehen wollen, warum die katholische Kirche seit dem Konzil nicht zur Ruhe kommt. Sie ist in einem Zustand der Selbstzerstörung und Spaltung, ja in einem Krieg mit sich selber. Nur so können wir verstehen, warum es Sedisvakantismus gibt, den Synodalen Weg und die Synode über Synodalität – aber auch den mutigen Widerstand Lefebvres.

Wir brauchen uns also nicht über Franziskus aufzuregen in dem Sinne, dass wir es hier mit einem ganz neuen Phänomen zu tun haben. Franziskus setzt den Traditionsbruch nur in der Moral fort – was konsequent ist. Er zerstört das Erbe Johannes Pauls II. in der Morallehre, die aufgrund des fehlenden Traditionsbezugs oft nur als Dissonanz wahrgenommen werden konnte. Spätestens seit Amoris laetitia ist das deutlich.

Schlussendlich ändern die neuen Skandale nichts Grundlegendes an der Krise seit dem Konzil. Deshalb muss die Lösung klar sein: Es braucht keinen „Neuen Anfang“, der zu Johannes Paul II. zurück möchte. Eine Rückkehr zu den „80ern“, der Hochphase der so genannten „Konservativen“, auch „neocons“ genannt, die eigentlich nur semi-Liberale sind, ist absolut sinnlos. Es braucht eine viel tiefgehendere Umkehr, nämlich eine zu den zeitlosen Grundlagen von Schrift und Tradition, Scholastik, Philosophia perennis, Alte Messe und Thomas von Aquin. Ein Papst wird die Wende bringen. Bis dieser Papst kommt, müssen wir so viele Seelen für die Tradition gewinnen wie irgend möglich. Wir müssen beten, durchhalten und den Ratschlag von Erzbischof Lefebvre befolgen: „Garder la foi“ – Halte am Glauben fest!

Bildquelle: https://www.quirinale.it/

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3 Kommentare

  1. Franziskus I. ist der Papst des „anything goes“.

    Mittlerweile geht es in der röm.-kath. Kirche wirklich in weiten Teilen buchstäblich „drunter und drüber“.

  2. Ich lasse auf Johannes Paul II. nichts kommen.
    Denn bei ihm wusste man, woran man ist.

    Das Küssen des Korans interpretiere ich einzig als ein Zeichen von Respekt gegenüber einer anderen Weltreligion – mehr nicht.

    Im Gegensatz zu seinen Vorgängern sind die Aussagen und das Handeln des amtierenden Papstes Frsnziskus I. höchst widersprüchlich und oftmals unklar.

    Er ist in meinem Urteil ein Papst, der im Gegensatz zu seinen unmittelbaren Amtsvorgängern seinem Amt schweren Schaden zugefügt hat.

  3. Ein wunderbarer Artikel. Ja, ich war sehr irritiert, dass Johannes Paul II. den Koran küsste. Ich habe es nicht verstanden. Beten wir, dass wir diese Zeit in unserer Familie gut überstehen und der Same des Glaubens erhalten bleibt. Das wünsche ich mir so sehr und hoffe es. Wir sind in diese Zeit gestellt. In der Alten Messe finde ich Ruhe. Ich kann einfach nicht mehr in eine Messe gehen, die so viel liturgischen Missbrauch hat. Wir fahren weit in eine Messe der Pius Brüder. Aber wir gehen gestärkt daraus hervor. Das ist ein Geschenk.

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