Montag, 4. Juli 2022

Meine Erfahrung mit der Alten Messe in Aachen: St. Maria zu den Engeln

Ich weiß schon lange, dass es die Piusbruderschaft gibt, aber ich bin ein Kind der Amtskirche: Handkommunion, Messdienerinnen, Pastoralreferent*innen, „Kleines Senfkorn Hoffnung“ … Damit bin ich vertraut. Ich habe von meinem Theologiestudium Bücher, in denen es Kapitel mit Überschriften wie „Native Feminist Theology“ und „Gay und Lesbians Theologies“ gibt. – Jaaaaaa, ich war in meinem Glauben ganz verwirrt, vor allem seit meinem Religionsunterricht in der Oberstufe und meinem Theologiestudium in Münster.

Ich kenne zwar auch das Konservative und Charismatische, das meinen Glauben maßgeblich geprägt hat, vor allem meinen Weg ins Priesterseminar. Aber durch Naivität und falsche Neugier habe ich immer mehr „moderne Theologie“ kennengelernt und mich anfangs offen damit beschäftigt (natürlich ist mir das mittlerweile furchtbar peinlich). Irgendwann wurde es auch mir zu bunt, ich habe dem modernen Zeug ganz abgeschworen und machte mich auf die Suche – ohne zu wissen wohin. Eine Wüste ist besser als verseuchte Quellen.

Wenn man sich dann vorbehaltlos auf Gott einlässt, wird er einen nicht im Stich lassen. „Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist“ (Lk 19,10). Als ich 2017 nach München zog, besuchte ich zuerst die Messen der Petrusbruderschaft (Damenstiftskirche). Später wollte ich es dann ganz wissen und ging zum Priorat (Mein erstes Mal … Pius).

Seit 2020 wohne ich wieder in der Nähe von Aachen und besuche jetzt immer öfter die Messe der Piusbruderschaft St. Maria zu den Engeln in Aachen/Kerkrade. Ich kann nichts anderes sagen als: Ich bin gekommen, um zu bleiben. Kniende Mundkommunion, Alte Messe ad orientem, junge Menschen, Latein, fromme Priester und Gregorianischer Choral statt Lieder aus den 70ern. In den Predigten geht es um Heilige, um Frömmigkeit. Es geht darum, dass Philipp Neri den Heiligen Geist in Form einer Feuerkugel schluckte und sein Herz wuchs, dass Ludwig-Maria Grignion de Montfort Französische Soldaten bekehrte und dazu brachte, weinend Rosenkränze zu beten und dass Gott seiner nicht spotten lässt. Was soll ich da noch sagen? Das nenne ich „Großer Gott, wir loben dich, Herr, wir preisen deine Stärke“. Die Tradition verkündet einen Glauben, der wirkt. Er kommt nicht mit Moralismus, „sozialer Gerechtigkeit“ oder peinlicher Anbiederung daher, sondern offenbart die ganze Macht, Schönheit und Fülle Gottes.

Vernunft und Glaube sind in der Tradition lebendig, vor allem werden Ernsthaftigkeit, Macht und Größe Gottes klar betont. Die Orationen in der Alten Messe sind nicht zurechtgestutzt wie in der Neuen Messe. Es herrscht eine ganz andere Atmosphäre, die Alte Messe ist theozentrisch und vermittelt den Geist der Anbetung. Der Grundsatz: „Das Gesetz des Betens ist das Gesetz des Glaubens“ (lex orandi, lex credendi) ist keine bloße Theorie, sondern hat Auswirkungen im konkreten Leben. Das sieht man an den vielen Kindern, dem geringen Durchschnittsalter, den vollen Kirchenbänken und den vielen Beichten. Es gibt dort eine stärkere Orientierung an ein höheres Ziel.

Aber das ist noch nicht alles. Ich habe öfter geglaubt, ich träume, als mir junge Katholiken, die Religionsunterricht bei der Piusbruderschaft hatten, ihren Glauben erklärten. „Nein, das gibt es doch heute nicht mehr“, dachte ich, „das kann nicht wahr sein!“ – Aber es ist wahr! In den 70er-Jahren landete oft etwas auf dem Sperrmüll, so wie zahlreiche Hochaltäre, das aber in der Piusbruderschaft bewahrt geblieben ist – und nicht nur dort: der eine, heilige, katholische und apostolische Glaube. Dafür kann ich Gott nicht genug danken und ich bin sicher, dass ein zukünftiger Papst Erzbischof Lefebvre dafür einmal entsprechend würdigen wird.

Hier geht es zu Homepage der Kirche St. Maria zu den Engeln

PS: Wer einmal von Heinsberg zur Alten Messe in Kerkrade fahren möchte, melde sich bitte bei josef-jung@gmx.de

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4 Kommentare

  1. Ich kann nur Herrn Jung beipflichten. Durch die überlieferte Messe bin ich wieder zum katholischen Glauben von Herzen zurückgekehrt. Die Priesterbruderschaft St.Pius X hielt die Flamme am brennen, die die Gnade bewirkt hatte. Ganz im Gegensatz zur Amtskirche, wo manche Priester das Feuer des Glaubens, der Tradition zu ersticken versuchen. Christus vincit. Christus regnat. Christus imperat.

  2. Danke für dieses schöne Zeugnis .. man könnte heulen, wenn man so in der Diaspora lebt wie ich zB und ja nicht nur ich, ich will mich nicht wichtig machen .. bitte nicht falsch verstehen. Und mir fällt immer wieder auf – und das habe ich auch bei den Brüdergemeinden nie so beobachtet, die ja theologisch vor allem heutzutage inhaltlich – bus auf die Form Gottesdienst zu feiern und die keine Sakramente haben und die Beichte nicht kennen – dem Katholischen viel näher sind, als das „gemeinkatholische“ und evangelische .. : wie friedlich und freudestrahlend die Gesichter dieser echten Katholiken sind, ohne aufgesetzt aufdringlich oder übertrieben zu wirken, diese Freude kommt von ganz tief innen .. und niemand drängt sich in den Vordergrund oder will sich profilieren .. im Gegenteil.

    • Sehr beeindruckend und berührend beschrieben, wie sie den Weg zum überlieferten katholischen Glauben gefunden haben Herr Jung .
      „Unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in Dir“ , (Hl. Augustinus)

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